Game Innovation Lab für Uni Bayreuth

Von Norbert Heimbeck
Computerspiele können mehr als die Traumwelten pubertierender Jugendlicher abzubilden. Davon ist der Bayreuther Medienwissenschaftler Jochen Koubek überzeugt. Im Sommersemester nimmt daher das Game Innovation Lab an der Universität seinen Betrieb auf. Foto: Peter Steffen, dpa Foto: red

"Für viele Menschen sind sie nur noch sinnlos, aber nicht mehr gefährlich." Dass Computerspiele irgendwann auch nicht mehr als sinnlos gelten, daran arbeitet der Medienwissenschaftler Jochen Koubek. Die Universität Bayreuth richtet deshalb jetzt ein "Game Innovation Lab" ein. Hier sollen Studenten künftig Szenarien aus der realen Welt in Spieleform bringen.

Die Anwendungsmöglichkeiten dieser neuen Art von Computerspielen sind vielfältig: "Man könnte sich vorstellen, eine Lösung für Demenzkranke zu programmieren, damit diese den Weg zu ihrem Zimmer wiederfinden", sagt Koubek. "Oder man bringt kranke Kinder spielerisch dazu, ihre Medizin konsequent einzunehmen." Die Ideen sprudeln nur so aus dem Medienwissenschaftler - Autonomes Fahren, touristische und Zwecke, Anwendungen für Senioren, wirtschaftliche und politische Lernprogramme sollen spielerisch abgebildet werden, sagt Koubek: "Es geht darum, nicht nur Traumwelten pubertierender Jugendlicher abzubilden. Wir wollen mehr als Aliens und Marines."

Teambildung für Mitarbeiter

Die neuen Computerspiele sollen auch einen Bezug zur realen Welt haben: "Teambildung im Unternehmen ist ein Beispiel, das Sie mit kaum einem anderen Medium so hinkriegen wie mit einem Spiel." Oder: Manche Demenzpatienten reagierten auf den Computer besser als auf Menschen. Weil Computer heute dank Smartphone und Tablet den Alltag der Menschen durchdrungen hätten, könnten neue Anwendungen bislang ungewohnte Themen auf den Bildschirm bringen. "Wir haben zum Beispiel für das Liszt-Museum die Piano Legends programmiert. Damit können Museumsbesucher Franz Liszts Musik entdecken, entweder alleine oder im Wettbewerb gegeneinander. Die Firma Steingraeber hat uns dazu eine Klaviatur zur Verfügung gestellt." Immer wieder neue Anreize zu schaffen, damit sich Menschen mit einem Thema auseinandersetzen - das nennt man "engaging": "Wir schaffen auf diese Weise in unserem Spiel Erfolgserlebnisse, die die Nutzer wiederholen möchten, ohne dass es zur Mordsgaudi wird" sagt Koubek. Zugleich sollen die neuen Computeranwendungen nicht so langweilig sein wie etwa die Fernsehreihe Telekolleg.

Was ist cool?

Wie man das hinbekommt, das soll im neuen Game Innovation Lab gelehrt werden. Zusammen mit Partnern aus Schulen und Unternehmen soll die Software bis zur Prototypenreife entwickelt werden. "Wir setzen dabei auf die sogenannte agile Methode", sagt Koubek. Das heißt, Entwickler und Auftraggeber stehen in permanentem Kontakt: "Oft weiß der Kunde gar nicht, was er will", beschreibt Koubek ein gar nicht so seltenes Problem bei der Vergabe von Programmieraufträgen: "Viele wollen etwas richtig Cooles, haben aber keine Vorstellung, was cool ist." Insgesamt zehn Innovation Labs aus verschiedenen Branchen fördert die Staatsregierung über das Zentrum Digitalisierung Bayern. Für die Universität Bayreuth gibt es dafür zunächst 200.000 Euro, im Herbst wird ein neu geschaffener Lehrstuhl die Arbeit aufnehmen.

Neues für viele Branchen

Vor gut zwei Jahren machte Bayreuth Schlagzeilen, weil die Universität als bundesweit erste einen Masterstudiengang Computerspielwissenschaften einführte. Spieleentwicklung wird schon seit 2012 im Bachelor-Studiengang Medienwissenschaft und Medienpraxis angeboten. Im Game Innovation Lab, das mit 20 Studienplätzen zum Sommersemester starten wird, sollen Medienwissenschaft und Informatik noch enger verzahnt werden. Gefördert werden sollen die Beziehungen zur Wirtschaft: "Denn es geht ja um neuartige Anwendungen in vielen Branchen." Koubek ist überzeugt, dass das neue Studienangebot ein Erfolg sein wird: "Schon bisher ist es so, dass unsere Studenten aus dem Praktikum abgeworben wurden."

 

 

Bilder