Seit einigen Jahren dürfen die Stadträte samt Bürgermeister sogar selbst auf die Bühne, um eine ihnen am 11.11. gestellte Aufgabe zu lösen. Am Freitagabend ging es darum, das Städtchen in einem besonders guten Licht erscheinen zu lassen. Für Werner Mildner keine schwere Aufgabe, der den Stadträten einige wohlformulierte Lobeshymnen auf die Frage „Was macht Pegnitz liebenswert?“ vorlegte. Beim Umhang von Bürgermeister Raab rätselten die Zuschauer. Ist das ein Umhang eines Vampirs (dazu fehlten aber die langen Eckzähne) oder stellte Raab einen Bezug zu Mephisto her – einer wichtigen Figur bei den Faust-Festspielen, „die stets das Böse will und stets das Gute schafft“.

Moderate Wortbeiträge

Bei den Wortbeiträgen blieb man beim moderaten Ton. Den Anfang machte da etwa das Prinzenpaar Monika I. und Rainer II., als sie auf das Cabriosol und das Solebecken zu sprechen kamen: „Der Bürgermeister gießt das Wasser ein, zum Baden darf nur das Prinzenpaar rein. Es darf allerdings nur Jurawasser sein, denn die Leupser brauchen ihr Wasser allein.“ Etwas mehr ins Zeug legte sich Conférencier Florian Nega, der versuchte, mit Wortwitz und flotten (aber nie derben) Sprüchen Stimmung in die Bude zu bringen. Das ist bei einer Dreifachturnhalle wahrlich nicht einfach. Der Raum ist zu hoch und schluckt viel Atmosphäre. Das graue Betondesign animiert auch nicht gerade zu überbordender Fröhlichkeit.

Karnevalsvereine zu Gast

So blieb es vorwiegend den Vertretern der Karnevalsvereine aus Hollfeld, Bayreuth, Michelfeld, Auerbach und Weischlitz (im Vogtland) vorbehalten, auf Negas „Pegnitz Glückauf“-Rufe laut mit „Helau“ oder einem anderen Faschingsruf zu antworten. Die Gäste hatten auch ihre Garden im Schlepptau, die viel Schwung in die Halle brachten. Der Bühnenboden bebte, wenn die jungen Damen zum Techno-Rhythmus mit ihren Füßen stampften. Eine der vielen Gruppen herauszuheben, wäre nicht fair. Alle Mädchen haben in den zurückliegenden Wochen und Monaten viel trainiert, um beim Tanz eine Einheit zu werden.

Präsidentin Andrea Porsch

Die Präsidentin Andrea Porsch würdigte bei ihrer Moderation auch die Trainerinnen, die solch beeindruckende Auftritte möglich gemacht haben. Porsch lieferte sich den ganzen Abend auch kleine Wortgefechte mit dem Conférencier Florian. Wenn sie sich versprochen hatte, musste sie ein Geldstück in eine kleine Dose werfen. Das zeigt ein bisschen das Problem der Pegnitzer Narren: Sie möchten perfekt sein. Doch Karneval und Fasching leben vom Chaos, von Fehlern und von etwas Anarchie. Wer einmal im Pottensteiner Bürgerhaus war, weiß, was gemeint ist. Insbesondere Franz Macht verkörperte dieses Prinzip. Versprecher waren für ihn beispielsweise die Möglichkeit einen Sketch in eine ganz andere Richtung zu lenken. Als Silvia Welzel bei ihrem Auftritt lachen musste, wandte sie ihr Gesicht ab. Warum? Darum geht’s doch, um’s befreiende Lachen.

Fein gesponnene Wortspiele

Um Thomas Knaubers fein gesponnene Wortspielen folgen zu können, muss man erst einmal eine Sekunde nachdenken. In der hätte Franz Macht schon wieder einen Witz rausgehauen. So ist es nicht verwunderlich, dass nicht die beiden Yoga-Damen, die Familie Schrullinger oder die Nachtschwärmer die größten Lacher verbuchten, sondern ein Überraschungsgast aus Gößweinstein: Andreas Schmidt in seiner Paraderolle als Ehe-Krüppel. Er zeigt mit seiner Wampe, aus der das Hemd raushing und einem Hut aus den 50er-Jahren Mut zur Hässlichkeit. Er begeisterte, trotz der reichlich abgehangenen Altherren-Witze und der Vergleiche von Amerikanern, Franzosen, Türken und Deutschen das Publikum so, dass eine Zugabe erklatscht wurde. Das passierte sonst nur bei einigen der Tanzdarbietungen, die Florian Nega wie einst Hans Rosenthal (Gott hab‘ ihn selig) mit dem Ruf „Das war…“ würdigte. Das Publikum antwortete natürlich sofort „SPITZE“. Kein Wunder, dass sich Andrea Porsch manchmal wie in einer TV-Sendung vorkam.