Gäste aus aller Welt Mit Leib und Seele Pate sein

BAYREUTH. „Ich danke Gott, dass er mich euch an die Seite gestellt hat.“ Nicht nur eine, sondern etliche solcher E-Mails erreichen Johannes Holz-Koberg und seine Ehefrau Evelin. Seit 2011 kümmert sich das Bayreuther Ehepaar um Studenten, Doktoranden und Gastwissenschaftler der Universität Bayreuth.

Und das kam so: Eines Tages entdeckte Evelin Holz-Koberg einen Artikel im „Nordbayerischen Kurier“ über ein neu aufgelegtes Patenprojekt. Der damalige Bayreuther Oberbürgermeister Michael Hohl und der einstige Universitätspräsident Rüdiger Bormann hatten es aufgelegt. Hannes Holz-Koberg ging damals in Rente und seine Frau fand: „Das wäre doch eine sinnvolle Beschäftigung!“

21 "Patenkinder" in acht Jahren

Das Ehepaar ist früher selbst viel und gerne gereist – nach Costa Rica, Spanien, England und viele Länder mehr. „Wir sind überall freundlich aufgenommen worden“, sagt Evelin Holz-Koberg. „So können wir jetzt etwas zurückgeben.“ Die Offenheit gegenüber fremden Kulturen und anderen Regionen dieser Erde haben sich die beiden bewahrt. Also meldeten sie sich als Paten im Projekt „Bayreuther öffnen ihre Türen“. Und bis heute haben sie es nicht bereut. In acht Jahren betreuten sie mittlerweile 21 „Patenkinder“ aus den unterschiedlichsten Ländern, darunter Mexiko, Spanien, Brasilien, China und Iran.

Der erste Kontakt entstand zu Alizoa, einer Wissenschaftlerin aus Madagaskar, die in einem der Bayreuther Labore Malaria erforschte. Mit der Frau von dem ostafrikanischen Inselstaat besuchten die Holz-Kobergs die Montgolfiade in Hummeltal. Seit dem Frühjahr 2018 bis heute kümmern sie sich um das japanische Pärchen Miki und Makoto aus Japan. Der Doktorand hält sich im Rahmen eines Forschungsprojektes in Bayreuth auf und brachte seine Frau mit nach Deutschland. „Sie sind begeistert von Bayreuth, weil hier die Lebenshaltungskosten viel niedriger sind als in Japan und sie alles mit dem Bus oder dem Fahrrad erreichen können“, erzählt Holz-Koberg.

Beim Stammtisch merkt man, ob die Chemie stimmt

Nach dem jüngsten gemeinsamen Aufruf von Stadt und Uni Bayreuth hätten sich zwölf mögliche neue Paten gemeldet. Paten und ausländische Studenten und Forscher lernen sich in der Regel beim Stammtisch im Oskar kennen, der einmal im Monat stattfindet. Vom International Office werden außerdem gemeinsame Ausflüge angeboten. „Da merkt man dann, ob die Chemie stimmt und man zueinanderpasst“, sagt die 62-jährige Evelin Holz-Koberg und macht Interessierten Mut. „Das läuft alles ganz zwanglos ab.“ Vor einem zu hohen Zeitaufwand oder zu großen Verpflichtungen brauche sich keiner fürchten. „Das ergibt sich alles, je nachdem, ob man einen Draht zueinander hat oder nicht.“

Das Ehepaar zählt mittlerweile zu den Paten, die sich am längsten um Doktoranden, Postdocs und Professoren kümmerten. Dafür wurden sie kürzlich zu Ehren-Mentoren der Universität ernannt. „Es macht immer noch sehr viel Spaß, weil wir sehr viel zurückbekommen“, sagt der 68-Jährige, der oft lacht und das Patenamt als eine Bereicherung empfindet. Der gelernte Bauingenieur hat ein offenes Ohr für die Probleme seiner Schützlinge und hilft, wo er kann. Wo ist ein Optiker, der gut Englisch spricht? Wer hat ein Fahrrad übrig? Was tun, wenn es Probleme mit der Kreditkarte gibt und das Konto nicht erreichbar ist? Für beinahe alles findet der aufgeschlossene Bayreuther eine Lösung. „Wir sind manchmal die Ersatzeltern und der Familienersatz, denn es kommt auch mal Heimweh auf.“

Durch die Gäste die eigene Heimat erleben

Eine Einladung zum Kaffee oder zum Grillen kann dies schon lindern. Nach und nach knüpften die meisten selbst Kontakte und bauten sich einen Bekanntenkreis auf. „Dazu geben wir nur den Anstoß.“ Wie schön die Umgebung von Bayreuth ist, haben sie durch ihre Paten selbst wieder neu erfahren. Bischofsgrün und das Fichtelgebirge, Bamberg und die Fränkische Schweiz, der Fichtelsee und die Neubürg: In der eignen Heimat gibt es viel zu entdecken. Eine Iranerin, die neun Jahre in Oberfranken lebte, lernte das Ehepaar beim Bayreuther Abend des Festivals junger Künstler kennen. Sechs Jahre lang begleiteten sie die die junge Frau, die mittlerweile in Hamburg lebt.

Eine Architektin aus Spanien vermittelte eine einst von den Holz-Kobergs betreute Physikerin weiter, da beide aus dem spanischen Almeria stammen. Johannes Holz-Koberg sprang schon bei Autopannen ein, Evelin besorgte Wintermäntel und sie suchten nach freien Wohnungen und Arbeitsstellen. Dafür erhalten sie von Heimgekehrten Einladungen zu Hochzeitsfeiern und bekommen Babyfotos zugeschickt. Gegenbesuche in Spanien und London ergaben sich. Die Kommunikation erfolgt überwiegend auf Englisch. Wobei Holz-Koberg auch Spanisch und Französisch kann. Am Laptop und im Internet ist er, was E-Mail und Facebook angeht, ebenfalls fit. „Man sollte sich einfach vorstellen, worüber man sich selbst von Einheimischen freuen würde, wenn man auf Reisen ist“, sagt Evelin Holz-Koberg. Für das japanische Ehepaar waren jedenfalls die Buschenschänke und der Bratwurstgipfel unvergessliche Erlebnisse. Nicht nur sei die fränkische Speisekarte ins Englische und anschließend ins Japanische übersetzt worden, schildert Holz-Koberg. „Die beiden wurden eingeladen, in die Jury zu gehen und in Pegnitz die beste Kreativ-Bratwurst zu bewerten.“

 

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