So zumindest redet keine „lame duck“, also in dem Fall ein Trainer, der, da er bald nicht mehr im Amt ist, schon jetzt verbraucht ist und nicht mehr an seine Spieler herankommt. Ob Löw aber am Ende als lahme Ente den Abflug macht oder auf dem Höhenflug in voller Erhabenheit, darüber entscheidet allein der Ausgang der EM – bei der möglicherweise ein paar alte Bekannte wieder dabei sein werden.
Die Rückkehr der Weltmeister
Verstört bis verärgert reagierte Löw am Donnerstag auf Meldungen, wonach ein Comeback der 2014er-Weltmeister Thomas Müller und Mats Hummels bei der EM beschlossene Sache sei. „Ihr müsst mich nach vielen Jahren doch einschätzen können“, sagte er an die per Videokonferenz zugeschalteten Reporter gerichtet: „Man sollte mir zuhören: Ich habe weder die Tür auf- noch zugemacht.“ Es bleibe bei seinem angekündigten Fahrplan hinsichtlich des EM-Kaders: „Ab Anfang Mai beginnt unsere Entscheidungsfindung.“
Er träfe, so Löw weiter, auch diese Entscheidung nicht danach, ob er je nach einem Pro oder Kontra für Müller, Hummels oder Jérôme Boateng öffentlich als Umfaller oder als Sturkopf dargestellt werde. „Einem Trainer kommt es nicht auf die Wirkung in der Öffentlichkeit an“, sagte er noch und gab damit den typischen Löw: „Ein Trainer trifft seine Entscheidungen so, damit sie das beste für das Team sind.“ Löw ergänzte, dass man einen personellen Umbruch samt Verjüngungskur wie von ihm eingeleitet nicht unterbrechen sollte. Aber: Womöglich müsse man ihn in diesem Pandemie-Jahr für ein Turnier unterbrechen, weil man in diesem Umbruch viel zu wenig gemeinsame Zeit gehabt habe, um zusammenzufinden.
Man könnte es also so sagen: Die Hintertür für eine Rückkehr von Müller und Co., sie steht derzeit sperrangelweit offen.
Fakt ist: Für Löws neuen EM-Kurs nach seiner Rücktritts-Entscheidung werden schon in der kommenden Woche Fingerzeige erwartet. Am 19. März wird er den Kader für die ersten Länderspiele 2021 gegen Island (25. März), Rumänien (28 März.) und Nordmazedonien (31. März) nominieren. Klar ist da zumindest eines: Müller und Hummels bleiben dann noch außen vor.