Als Ausbildungsstätten stehen ihnen dafür das Klinikum Kulmbach und die Fachklinik Stadtsteinach ebenso zur Verfügung wie Allgemeinarztpraxen im ganzen Landkreis. Dr. Volker Seitter, der in Thurnau zusammen mit seiner Kollegin Anja Tischer eine Hausarztpraxis betreibt, sieht mehr als einen Silberstreif am Horizont. „Man merkt tatsächlich, dass mehr Interesse vorhanden ist, und die Chancen, dass wir wieder mehr junge Menschen für den Hausarztberuf gewinnen können, steigen.“ Es dauere zwar noch einige Jahre, sagt Seitter. Eine Facharztausbildung geht über lange Zeit. Aber die Tatsache, dass die Bemühungen von den jungen Ärzten gut angenommen werden, lässt Seitter optimistisch in die Zukunft blicken.

Seit die bayerische Staatsregierung Programme aufgelegt hat, die den Beruf eines Hausarztes vor allem auch auf dem Land attraktiver machen sollen, habe sich viel getan, sagt Seitter. Er und seine Kollegin Anja Tischer bieten jungen Medizinern in ihrer Praxis schon seit Jahren die Möglichkeit zur Ausbildung. „Eins zu eins lernen, das kommt gut an.“ Wenn die Leute „schon früh in Krankenhäusern oder Praxen auf dem Land tätig sind, steigen die Chancen, dass sie bleiben“. Deswegen wird auch schon die Famulatur zwischen dem fünften und zehnten Semester in Praxen angeboten. Die angehenden Mediziner seien immer mit einem Arzt unterwegs. 

Gut fünf Jahre ist es nun schon her, dass man in Kulmbach mit dem Weiterbildungsverbund Allgemeinmedizin neue Wege eingeschlagen hat, sagt Dr. Thomas Banse, der am Klinikum Kulmbach die Verantwortung für den klinischen Teil der Ausbildung trägt. Inzwischen habe das Projekt Fahrt aufgenommen. „Wir haben mehr Öffentlichkeitsarbeit gemacht, sind mehr auf die niedergelassenen Kollegen zugegangen. Wir haben es geschafft, deutlich mehr Interessierte an der Weiterbildung Allgemeinmedizin nach Kulmbach zu holen.“ In den Bereichen der Inneren Medizin und in den chirurgischen Fächern, aber auch in anderen Bereichen des Klinikums können sich die jungen Ärzte ihre Schwerpunkte selbst aussuchen. 

Sieben Mediziner durchlaufen in Kulmbach gerade ihre Ausbildung in der Allgemeinmedizin. Zwei, berichtet Banse, seien gerade fertig geworden. Einer sei gerade dabei, eine Praxis zu übernehmen. Drei neue Interessenten wollen Anfang dieses Jahres mit ihrer Ausbildung beginnen. 

Dr. Theresa Mohr ist Kulmbacherin, Ärztin und durchläuft gerade ihre Facharztausbildung als Allgemeinmedizinern in Kulmbach. Sie will Hausärztin werden. Vor allem die Möglichkeit, sehr lang Kontakt zu ihren Patienten zu haben, habe dafür den Ausschlag gegeben. „Mir gefällt auch, dass dieses Berufsbild sehr breit gefächert ist. Das macht den medizinischen Alltag unheimlich spannend.“ 

Augenblicklich ist Theresa Mohr im dritten Jahr ihrer Facharztausbildung. Drei weitere liegen vor der 27-Jährigen. Das Ziel der angehenden Allgemeinmedizinerin ist eine eigene Praxis. Eine Gemeinschaftspraxis würde sie dabei bevorzugen. Das, sagt sie, habe viele Vorteile. Flexible Arbeitszeiten können so verwirklicht werden. Familienplanung sei damit viel einfacher. Dass die Praxis, in der sie einmal arbeiten will, in der Region Kulmbach liegen soll, ist für Theresa Mohr jetzt schon klar. 

Auch Annika Wunderlich aus Bayreuth sieht ihre Zukunft möglicherweise in einer Praxis. Die vielen Möglichkeiten, die die Allgemeinmedizin bietet, findet sie sehr attraktiv. Was sie genau später machen will, hat die 26-Jährige nach dem ersten Jahr ihrer Facharztausbildung zwar noch nicht entschieden. Aber auch sie wollte wieder in die Region zurück.


INFO: Der Weiterbildungsverbund Allgemeinmedizin in der Region Kulmbach

Das Klinikum Kulmbach, die Fachklinik Stadtsteinach und zwölf Praxen für Allgemeinmedizin in Kulmbach, Marktleugast, Stadtsteinach, Thurnau, Presseck und Harsdorf haben sich zum Weiterbildungsverbund Allgemeinmedizin in der Region Kulmbach zusammengeschlossen. Mit einem umfassenden Angebot werben Klinikum und Praxen auch außerhalb der Region um das Interesse junger Mediziner, die sich für eine Laufbahn als Hausarzt entschieden haben. Im klinischen Bereich kommt, das haben die Erfahrungen bislang gezeigt, vor allem das Angebot gut an, dass sich die angehenden Fachärzte ihre Schwerpunkte selbst aussuchen können. Das Klinikum mit der Fachklinik sind als Lehrkrankenhaus der Uni Erlangen für das Fach Allgemeinmedizin anerkannt. Die Aufmerksamkeit junger Mediziner soll auch der Hinweis wecken, dass es im Landkreis Kulmbach mit bislang 55 Praxisstandorten gute Möglichkeiten für die spätere berufliche Orientierung gibt. Eine Mitarbeit in einer Praxis, die Übernahme oder eine Daueranstellung im stationären Bereich werden den jungen Ärzten in Aussicht gestellt.