Beeindruckt zeigte sich Johnstone von der Stimmung rund um Ebermannstadt. „Richtig toll“ fand der Schotte, der vor allem mit starken Ergebnissen in seiner Wahl-Heimat Nordrhein-Westfalen auf sich aufmerksam gemacht hatte, die Unterstützung an der Strecke.

Nicht allein deshalb wusste er sich aus einer fünfköpfigen Spitzengruppe abzusetzen, die noch gemeinsam die 10-km-Marke passiert hatte. „Einfach laufen lassen“ beschreibt Johnstone hinterher seine Strategie mit einem verschmitzten Lächeln. „Ich mache mein eigenes Tempo von vorne.“ In knapp 2:28 Stunden distanzierte Johnstone schließlich die Verfolger um fast fünf Minuten und flog scheinbar leicht und locker mit ausgebreiteten Armen durch das Cheerleaderinnen-Spalier über die Ziellinie.

Vor der Siegerehrung auf dem Marktplatz versicherte er allerdings, dass sich die Beine am Ende doch bemerkbar gemacht hatten. Wohl deshalb reichte es auch nicht, um den bestehenden Streckenrekord des Ungarn Tamas Nagy von 2:26:45 Stunden zu knacken. Vor allem auf der Königsdistanz über 42,2 Kilometer litten die ambitionierten Athleten zudem doch ein wenig unter den schwülen Bedingungen am späteren Vormittag. Die Zahl der Läufer, die in weniger als drei Stunden das Ziel erreichten, reduzierte sich im Vergleich zum verregneten Vorjahr um drei auf nur noch zehn.

Während der äthiopische Vorjahressieger Firaol Eebissaa Nagahoo spontan abgesagt hatte und der Kenianer Joseph entnervt aufgab, verpasste hinter dem zweitplatzierten Patrick Weiler aus Roth und Goytum Maru aus Eritrea der Erlanger Markus-Kristan Siegler als Vierter nur knapp das Podest. Er behauptete aber die Gesamtführung in der Wertung um die oberfränkische Marathon-Krone.

Gute und böse Überraschungen

Bei den Frauen sorgte die kurzfristig angekündigte Ricarda Gerlach aus München für eine Überraschung, indem sie die Favoritinnen um die lange führende Addisalem Mekonnen (LAC Quelle Fürth) und die dreimal in Serie auf Rang zwei notierte Maria Veliscu (Bukarest) auf die weiteren Plätze verwies. Als sie nach fast exakt drei Stunden mit einem Vorsprung von fünf Minuten ankam, war das blaue Banner auf dem Zielstrich noch gar nicht richtig vorbereitet. Die dreimalige Siegerin Marija Vrajic aus Zagreb war gesundheitlich angeschlagen und musste sich mit Rang zehn begnügen.

Im Halbmarathon-Feld machten sich die Temperaturen statistisch kaum bemerkbar. Im Vergleich zu 2018 blieben sogar ein paar Sportler mehr unter der Marke von 1:30 Stunden. Während Bontu Kaba Desso ihren Titel verteidigte, musste man Markus Kaiser (TG Biberach) im Vorfeld nicht unbedingt auf der Rechnung haben.

Streckenrekord der 10-km-Siegerin

Über die zehn Kilometer verbesserte Siegerin Tanja Neubert (TV 48 Erlangen) den seit 2016 gültigen Streckenrekord von Lokalmatadorin und Vorjahressiegerin Babinja Wirth (Betzenstein/TSV Ebermannstadt) um 29 Sekunden. Bei den Männern verpasste der Äthiopier Endisu Getachew, der verletzungsbedingt vom Marathon zurückgetreten war und die Disziplin wechselte, die Bestmarke um eine knappe Minute.

Noch ein Streckenrekord wurde bei den Handbikern notiert. Vico Merklin (Team Sunrise) blieb in 59:25 Minuten als Erster unter einer Stunde.