Friedliches Derby „Für so ein Derby war es unheimlich friedlich“

Mittelfinger ein Zeichen der Wertschätzung: Die Selber Fans begrüßen die Spieler der Tigers. Foto: Mario Wiedel

Der 4:2-Sieg der Tigers im DEL2-Derby gegen den Erzrivalen aus Selb war nicht das einzig Positive, was von einem mit Spannung erwarteten Saisonstart im Tigerkäfig übrig blieb. Die große Brisanz des Derbys, die immense Ticketnachfrage aus Selb, die Euphorie in beiden Fanlagern nach einem Jahr Zuschauerausschluss, aber auch die Hygienerichtlinien – es mangelte im Vorfeld der Mutter aller Eishockey-Derbys nicht an Parametern, die Verantwortlichen und Sicherheitskräften Kopfzerbrechen bereiteten. Wie sich nun herausstellte, waren die Sorgen unbegründet.

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Gemessen an vergangenen Duellen zwischen den beiden Klubs trug der Freitagabend fast schon harmonische Züge. „Bayreuther Arschlöcher“ und „Selber Schweine“ – an den Klassikern aus den Fanblocks mangelte es zwar auch diesmal nicht, es blieb aber bei den durchaus Eishockey-konformen Verbalattacken. Und auch diese Flut an ausgestreckten Mittelfingern – mit zunehmender Spieldauer hätte man sie mit viel Wohlwollen auch als Zeichen gegenseitiger Wertschätzung interpretieren können.

Insofern nichts Dramatisches. „Wirklich alles im Rahmen“, wie auch Tigers-Geschäftsführer Matthias Wendel schon vor der Schlusssirene feststellte. „Im Stadion war alles bestens.“ Zufrieden war Wendel auch mit der Zuschauerzahl – 3333 waren gekommen. „Angesichts der Corona-Richtlinien eine gute Zahl.“ Die positiven Eindrücke des Tigers-Chefs bestätigte auch Andreas Schreyer. Der Szenekundige Beamte der Bayreuther Polizei stellte erfreut fest: „Für so ein Derby war es unheimlich friedlich. Was auch daran lag, dass so gut wie keine Selber Ultras im Stadion waren und sich auch die Bayreuther Mainkurve nur vor dem Stadion kurz hat blicken lassen.“ Nach wie vor boykottieren die Ultras der Mainkurve die Spiele der Tigers, sie sind nur beim EHC Bayreuth in der Landesliga präsent. Ähnliches gilt auch für die Grenzbande, das Pendant auf Selber Seite.

Große Disziplin bei der Maskenpflicht

Selbst der Maskenpflicht sind die Zuschauer nach Einschätzung von Florian Meier im Großen und Ganzen recht gut nachgekommen. Meier ist Chef des Sicherheitsdienstes Protect-M und war mit 25 Mann vor Ort. „Klar, ein paar Querulanten gibt es immer. Aber die meisten waren total vernünftig. Wenn wir sie gebeten haben, die Maske wieder aufzusetzen, haben sie das auch gemacht.“

Deeskalierend habe vor allem die strikte Trennung der Fanlager gewirkt. „So war das ein insgesamt sehr guter Abend für uns. Das habe ich schon anders erlebt – in den Playdowns zum Beispiel“, sagte Meier. Der berichtete lediglich von langen Schlangen und entsprechend großen Wartezeiten an den Eingängen der Tigers-Fans, was daran gelegen habe, dass die Bayreuther erst relativ spät und dann geballt gekommen seien.

Der Zuspruch aus Selb war übrigens nicht ganz so groß wie angekündigt. Rund 1200 Wölfe-Fans seien da gewesen, erklärte der Selber Fan-Beauftragte Fabian Melzner. Nicht nur seiner Einschätzung nach war das Spiel zwar an die Bayreuther gegangen, das Duell auf den Rängen aber an die Gäste. „Ich finde schon, dass wir richtig gut Stimmung gemacht haben.“ Von den Tigers-Fans auf der Mainseite sei relativ wenig gekommen. „Und auch die Holztribüne habe ich früher schon anders erlebt. Diesmal war das eher so ein bisschen wie Opernpublikum.“ Der Support der Gastgeber, der für viele relativ mau war, wurde übrigens auch in den sozialen Netzwerken diskutiert – und natürlich von den Wölfe-Fans vor Ort: „Ohne Selber wär hier gar nichts los“, sangen die. Was dann aber doch mächtig übertrieben war.

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