Freunde von Bayreuth Festspiel-Förderung ausbauen

Heuer will sie sich die „Tristan“-Premiere anschauen. Dorothee Bär (CSU) im Jahr 2021 mit ihrem Mann Oliver Bär vor dem Bayreuther Festspielhaus. Foto: dpa/Daniel Karmann

Seit einigen Jahren besucht sie regelmäßig die Bayreuther Festspiele. Jetzt wurde Dorothee Bär, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für Familie und Kultur, in den Vorstand der Gesellschaft der Freunde von Bayreuth gewählt. Womit die 44-jährige Politikerin aus Unterfranken schon mal für eine deutliche Verjüngung in der fünfköpfigen Runde gesorgt hat. In diesem Sommer will sie die „Tristan“-Premiere auf dem Grünen Hügel besuchen. Die Frage des Kleides ist noch offen.

Frau Bär, Sie haben auf Instagram die Fragen gepostet: „Seid Ihr Wagnerianer?“ oder „Mögt Ihr Opern überhaupt?“ Wie waren die Reaktionen?

Sehr positiv. Für mich ist es eine große Ehre im Vorstand der Gesellschaft der Freunde dabei sein zu dürfen. Wir sind in Franken wirklich sehr gesegnet von und mit Hochkultur. Die Bayreuther Festspiele, die Bamberger Symphoniker, das Würzburger Mozartfest und der Kissinger Sommer in meinem Wahlkreis – wir können zweifelsohne mit den Metropolen der Welt mithalten. Das sollten wir noch sehr viel selbstbewusster vertreten. Bisher stellen wir Franken unser Licht vielleicht ein bisschen zu sehr unter den Scheffel.

Wie kommt das denn in Berlin an, wenn man sagt: Ich bin Wagnerianer.

Das ist mir ehrlich gesagt egal. Aber es gibt auch in Berlin viele Wagner-Fans.

Die Gesellschaft der Freunde hat die Bayreuther Festspiele finanziell stets enorm unterstützt. Wird privates Mäzenatentum für Kulturinstitutionen künftig noch wichtiger?

Es ist auf jeden Fall ein ganz wichtiger Baustein. Nicht alles, was wünschenswert ist, wäre sonst zu tragen. Deshalb sind Freunde, Sponsoren und Förderer entscheidend für das hohe Niveau und das Erlebnis in Bayreuth.

Wird denn jeder bei der Gesellschaft der Freunde aufgenommen?

Es gibt natürlich moralische Ausschlusskriterien. Es ist für mich unvorstellbar, dass wir beispielsweise ein russisches Staatsunternehmen akzeptieren würden.

Könnten sich AfD-Politiker einkaufen?

Auch da wäre ich entschieden dagegen. Ich habe niemals einen AfDler in ein Amt gewählt und werde das auch in Zukunft nicht tun. Da ist meine Haltung klar.

Wie werden die Bayreuther Festspiele von Ihren bundespolitischen Kollegen in Berlin wahrgenommen?

Unterschiedlich. Es gibt die frühere Bundeskanzlerin, die eine große Wagnerianerin ist, und das nicht nur zur Eröffnung der Bayreuther Festspiele kundgetan hat. Es gibt viele Unterstützer, aber ebenso auch kritische Stimmen. Nicht zuletzt den Bund der Steuerzahler, der die jährliche Förderung der Festspiele als eine der Sparmöglichkeiten im Bundeshaushalt deklariert hat.

Müssen da jetzt die Alarmglocken schrillen?

Soweit würde ich nicht gehen. Für mich ist klar: Der Bund muss ein solch Aushängeschild weiterhin fördern, weil Bayreuth ein Leuchtturm der Hochkultur unseres Landes ist, der hell in die ganze Welt scheint. Nicht umsonst kommen Gäste aus den USA oder Japan auf den Grünen Hügel. Die, die gegen die Festspiele sind, sind meistens Leute, die noch nie in ihrem Leben in Bayreuth waren. Für mich steht die Förderung nicht in Frage und dafür setze ich mich auch in Berlin ein. Ich hoffe, dass Claudia Roth auch in den kommenden Jahren an ihre Bayerische Seele denkt und die Förderung eher aus- statt abbaut.

Wer viel Geld gibt, will vielleicht auch mal ein Wörtchen mitreden. Wie groß ist die Versuchung bei den Freunden von Bayreuth, Wünsche zur Verpflichtung von Regisseuren oder zum Stil von Inszenierungen zu äußern?

Das ist Aufgabe der Festspielleitung. Derzeit geht es eher darum, wie man es bei einer anhaltenden Pandemie schafft, alle Hygienemaßnahmen einzuhalten und zeitgleich so vielen Besucherinnen und Besuchern wie möglich, das Ergebnis zu ermöglichen.

Der Altersdurchschnitt unter den Mitgliedern ist hoch. Wie kann man gegensteuern?

Mit meinen 44 Jahren habe ich den Altersdurchschnitt jetzt schon mal gesenkt (lacht). Wir sind jetzt im Vorstand drei jüngere und zwei ältere, zwei Frauen und drei Männer. Wir haben auch darüber gesprochen, dass man das Kuratorium langfristig natürlich verjüngen muss. Das ist aber kein Prozess, der von heute auf morgen beendet ist.

In Zeiten, in denen die Festspiele mehrfach überbucht waren, war das ein schöner Anreiz, Mitglied in der Gesellschaft der Freunde zu werden, da man so regelmäßig an Karten kam. Dieser Anreiz fällt seit einiger Zeit weg. Was kann man da tun?

Natürlich muss es Vorteile haben, um Mitglied in der Gesellschaft zu werden. Das ist noch nicht alles ausdiskutiert.

Noch eine Frage für die Kollegen aus der boulevardesken Ecke: Welche Farbe hat das Kleid, das Sie heuer bei der Eröffnung der Bayreuther Festspiele tragen werden?

Das weiß ich noch nicht. Etwas Überraschung muss es für die Leserinnen und Leser Ihrer Zeitung ja noch geben (lacht).

Das Gespräch führte Roman Kocholl

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