Dass ihr und ihrem achtjährigen Sohn ausgerechnet die Mitgliedschaft in einem Chor das Ankommen in Deutschland erleichtern würde, damit hat Mariia Malieieva aus der ukrainischen Millionenstadt Charkiw nicht gerechnet. Es ist gegen fünf Uhr am Morgen des 24. Februars 2022, dem ersten Tag des Angriffskrieges Russlands, als sie von einer Bombe aus dem Schlaf gerissen wird. Sie zögert nicht lange, packt ein paar Sachen zusammen und sucht Schutz in der nächstgelegenen U-Bahn-Station, wo sie mit ihrem Sohn mehrere Wochen lang in bitterer Kälte lebt. „Es hatte zu dem Zeitpunkt bis zu minus 17 Grad. Leider hatten wir nicht einmal ein Zelt. Auf einer zusätzlichen Jacke, die ich mitgenommen habe, hat mein Sohn Volodymyr, der damals gerade einmal sechs Jahre alt war, geschlafen.“