Das Meysenbug-Haus in der Dammallee erinnert heute noch in Bayreuth an Malwida von Meysenbug. Doch kaum einer weiß mehr über die historische Frauengestalt, die Trauzeugin bei Richard Wagners Hochzeit mit Cosima von Bülow war.
Sie war eine Freundin von Cosima und Richard Wagner. Und Aufklärerin, Feministin und Autorin: Malwida von Meysenbug.
Das Meysenbug-Haus in der Dammallee erinnert heute noch in Bayreuth an Malwida von Meysenbug. Doch kaum einer weiß mehr über die historische Frauengestalt, die Trauzeugin bei Richard Wagners Hochzeit mit Cosima von Bülow war.
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Der französische Regisseur Michel Mollard widmete ein Theaterstück, das am 19. und 20. August im Steingraeber-Hoftheater zu sehen sein wird. „Malwida von Meysenbug ist heute erstaunlich wenig bekannt, obwohl sie zu ihrer Zeit eine wichtige europäische Persönlichkeit war“, sagt Mollard auf Anfrage unserer Redaktion.
Amelie Malwida Wilhelmina Tamina wurde unter ihrem Geburtsnamen Rivalier 1816 in Kassel geboren. Ihr Vater, ein kurfürstlicher Hofbeamter und Minister, wurde 1825 in den Adelsstand erhoben und trug seitdem den Namen von Meysenbug. Seine Tochter engagierte sich bereits in ihrer Jugend für demokratische Ideen und vor allem für die Emanzipation der Frauen. Sie distanzierte sich von ihrer reaktionären Familie und unterhielt Kontakte zu sozialistischen Kreisen. Nach der Revolution von 1848 musste sie wie Richard Wagner Deutschland verlassen und ging nach London ins Exil.
Malwida von Meysenbug war als Erzieherin, Übersetzerin und Autorin tätig und reiste nach der Trennung von Alexander Herzen durch Europa. „Sie war die enge Freundin der größten Geister ihrer Zeit“, sagt Mollard. Zu ihrem Freundeskreis gehörten Franz Liszt, Friedrich Nietzsche, Charles Beaudelaire, Hector Berlioz und viele andere. 1855 lernte sie auch Richard Wagner kennen. Sie besuchte alle Uraufführungen seiner Opern und war auch eine Freundin Cosima Wagners.
Bei der Grundsteinlegung des Festspielhauses 1872 war sie ebenso anwesend wie bei der Eröffnung der ersten Festspiele 1876. „Vor allem war sie eine Frau, die das Leben der Menschen um sie herum erhellte und ihnen half, ihr Schicksal zu erfüllen“, sagt Mollard über Malwida von Meysenbug. Ab dem 17. August 1873 wohnte sie für viereinhalb Monate in Bayreuth, im heutigen Meysenbug-Haus. Aus gesundheitlichen Gründen zog sie danach in mediterranes Klima.
Zum ersten Mal ist der französische Regisseur Mollard auf sie bei seiner ersten Reise nach Bayreuth im Jahr 1977 gestoßen. „Ich arbeite auch viel über Romain Rolland, der den Nobelpreis für Literatur 1915 erhielt, einen Apostel der Weltliteratur“, sagt er. Dieser habe ihn zu Malwida geführt. In späteren Jahren war Malwida mit dem 50 Jahre jüngeren Schriftsteller befreundet. Mit ihm, als dessen Förderin sie sich betrachtete, besuchte sie die Premiere der Bayreuther Festspiele. Zum Bruch mit Nietzsche kam es, als sich dieser von Wagner distanziert.
Durch Zufall gelangte Michel Mollard an die Korrespondenz zwischen Malwida von Meysenbug und Romain Rolland. Ein chinesischer Freund hatte sie in Toiletten gefunden. „Sie wurde als Toilettenpapier benützt. Er hat sie genommen und zehn Jahre lang unter seinem Kopfkissen aufbewahrt“, schildert er die unglaubliche Geschichte. Sein Freund habe ihm gesagt, er habe die Kulturrevolution damals nur deshalb überlebt, weil er so „den Sinn für Kunst und Schönheit“ nicht verloren habe. „Dann war ich davon ganz überzeugt, ein Theaterstück über sie zu schreiben.“ Seit zehn Jahren würden alle 1500 Briefe, die Malwida von Meysenbug und Romain Rolland während 15 Jahren ausgetauscht habe, vorliegen. „Es ist eine wunderbare Geschichte. Das war der Sockel meiner Arbeit.“
Zu Bayreuth habe er eine sehr enge Verbindung, sagt der Regisseur weiter. „Ich bin in Annecy, der Partnerstadt von Bayreuth, geboren. Seit 1981, seit ich erst 17 Jahre alt war, habe ich zwölfmal die Festspiele besucht.“ Das sei in den achtziger und neunziger Jahren gewesen. Er habe beste Erinnerungen an die Opern mit Dirigent James Levine und an Regisseur Harry Kupfer. „Das Niveau war damals ein anderes. Das ist keine Nostalgie.“
Mit der Familie Steingraeber ist Michel Mollard seit längerem befreundet. So sei die Idee eines Gastspieles entstanden. „Wir haben das Theaterstück ,Malwida’ schon 60. Mal in Paris gespielt.“ In der Titelrolle zu sehen ist Bérengère Dautun, 87 Jahre alt. Sie sei eine renommierte Ehrensociétaire der Comédie-française und freue sich sehr, wieder zu spielen. „Wir werden auch aus dem Stück einen Film machen, und ihn in Bayreuth und in der Umgebung in den nächsten Tagen drehen.“
Im Mittelpunkt des Theaterstücks steht Romain Rolland, der einer alten Dame begegnet. „Sie erkennt etwas in ihm, das er selbst noch nicht erkennt“, sagt Mollard. „Sie begleitet ihn, hilft ihm, seinen eigenen Weg zu finden, und dann verschwindet sie. Es ist ein Stück über die Erkenntnis, wer man wirklich ist. Und jeder Mensch im Leben braucht jemanden, der ihn so erkennt, wie er wirklich ist.“
Und Mollard ergänzt, er finde es schade, dass sich Bayreuth derzeit so intensiv mit Erinnerung befasse, jedoch Persönlichkeiten wie Malwida von Meysenbug vergessen würden. „In Paris aber spricht man von ihr.“
Malwida
Theaterstück in französischer Sprache mit deutschen Untertiteln, Steingraeber-Hoftheater, Mittwoch, 19. und Donnerstag, 20. August, Beginn um 20 Uhr. Tickets an der Theater- und Abendkasse erhältlich.