Frankia: Wohnmobile bis 200.000 Euro

Drei, die bei Frankia etwas zu sagen haben, vor einem brandneuen teilintegrierten Modell auf Basis des ebenso brandneuen Mercedes Sprinter (von links): Marketing- und Vertriebsleiter Konstantin Döhler, technischer Leiter Marco Steinlein und Werksleiter Patrick Schaefer. Foto: Andreas Harbach

Vor knapp zehn Jahren haben sie beim Wohnmobilhersteller Frankia in Marktschorgast eine wegweisende Entscheidung getroffen. Weg vom Massenmarkt, hin zum Premiumhersteller. Eine Maßnahme, die sich in einem seit Jahren boomenden Markt jetzt auszahlt.

Die Zahlen des Caravaning Industrie Verbandes (CIVD) sind beeindruckend. Fast 40.600 Wohnmobile wurden im vergangenen Jahr in Deutschland neu zugelassen - ein Plus von 15,5 Prozent. Und die Produktion der deutschen Hersteller stieg sogar um 21 Prozent auf rund 70.000 Einheiten, der Export läuft also noch besser. Schon seit einigen Jahren sind die Zuwachsraten zweistellig, und auch 2018 ist mit einem Plus von knapp 20 Prozent bis Ende April laut CIVD verheißungsvoll gestartet.

Knapp 30 Prozent mehr Verkäufe

Zahlen, die Konstantin Döhler, Direktor Sales und Marketing bei Frankia, sogar noch toppen kann. 530 Fahrzeuge haben die Marktschorgaster im abgelaufenen Geschäftsjahr ausgeliefert, das sind knapp 30 Prozent mehr als im Vorjahr. Entsprechend legte auch der Umsatz von knapp 40 auf gut 50 Millionen Euro zu, sagte Köhler im Gespräch mit dem Kurier bei der Präsentation des neuen Modelljahrgangs. Zu der war über mehrere Tage eine dreistellige Zahl an Händlern und Fachjournalisten in den Landkreis Kulmbach gekommen - vor allem natürlich aus Deutschland, aber unter anderem auch aus Skandinavien, Frankreich, Italien, den Beneluxstaaten oder Großbritannien.

Einstieg bei 75.900 Euro

Und die bekamen jede Menge Neuheiten zu sehen, zum Beispiel ein teilintegriertes Modell auf Basis des ebenfalls brandneuen Mercedes Sprinter. Wie überhaupt Frankia einer der wenigen Hersteller ist, der mit rund 30 Prozent einen nennenswerten Anteil seiner Flotte auf Mercedes-Fahrgestellen baut, den Rest auf Fiat Ducato. So wie das preiswerteste Modell, wobei preiswert bei Frankia relativ ist. Denn unter 75.900 Euro geht nichts. Das Topmodell, das nicht umsonst Platin heißt, steht mit bis zu 158.500 Euro Basispreis in der Liste. Und kann mit edlen Extras aufgebrezelt werden, die weitere Tausender verschlingen. "Die 200.000-Euro-Marke ist für uns eine Art Schall- und Schmerzgrenze", umschreibt Döhler die Möglichkeiten.

Kunden im Schnitt knapp 60 Jahre alt

Dass die Kunden solche Summen nicht mal so nebenbei aufbringen, ist klar. Da seien viele dabei, die sich einen Traum erfüllen, indem sie zum Beispiel Geld aus einer Lebensversicherung investieren. Kein Wunder, dass der typische Käufer eher graue Schläfen hat, auch wenn Döhler betont, "dass die Zahl der Jüngeren zunimmt. Der Altersdurchschnitt ist auf knapp unter 60 Jahre gesunken."

Luxus und Technik

Und diese Kunden wollen Luxus für ihr Geld, neben ansprechenden Materialen auch neueste Technik. Besonders starke Batterien etwa, die ebenso Unabhängigkeit versprechen wie bis zu 240 Liter große Frischwassertanks, eine Solaranlage auf dem Dach, eine Küche mit Backofen und Drei-Flammen-Gasherd. Die Stehhöhe beträgt in fast allen Modellen 2,03 Meter, Betten können bis 2,10 Meter Länge geordert werden.

Bis zu 8,90 Meter lang

Und das alles in vier Modelllinien und auf sechs Längen von 6,40 bis 8,90 Meter. "Wir sind für Individualität bekannt", sagt dazu der Marketing-Mann in Konstantin Döhler. Fakt ist, dass die Kunden ihr Wohnmobil aus einem Baukastensystem nach ihren Wünschen zusammenstellen können, Modelle von der Stange gibt es nicht. Stattdessen wird erst dann mit dem Bau begonnen, wenn der Kaufvertrag bei einem der gut 60 Händler, davon rund 20 in Deutschland, unterschrieben ist. Wobei das nicht ganz stimmt, denn es gibt nennenswerte Lieferzeiten. "Wer heute bestellt, bekommt sein Fahrzeug voraussichtlich im Januar 2019", sagt Döhler.

Deutlich mehr Mitarbeiter

Und so hat man sich bei Frankia für das laufende Jahr nochmals eine Produktionssteigerung von rund 20 Prozent vorgenommen. Eine Entwicklung, die nur mit einer Ausweitung der Belegschaft um rund ein Drittel auf jetzt gut 200 und zugleich einer Optimierung der Abläufe zu schaffen war und ist. Nächstes Ziel ist die Ausweitung der Wochenproduktion von 14 auf bis zu 16 Wohnmobile.

Lukrative Nische

Trotzdem ist Frankia damit unter den bekannten Herstellern noch lange keiner der Großen. Womit Döhler auf den Weg in die Premium-Nische zurückkommt, auf dem sich die Marktschorgaster seit einigen Jahren befinden. Der Markt sei insgesamt stark gewachsen und das preiswerte Segment mittlerweile ein reines Massengeschäft. "Da könnten wir mit unseren Kapazitäten nicht mehr mithalten", sagt Döhler, und: "Die Premium-Nische ist auch viel lukrativer."

Das Unternehmen

Frankia wurde 1960 in Marktschorgast als Wohnwagenhersteller gegründet. Die Serienproduktion von Wohnmobilen kam 1989 dazu, die Wohnwagenherstellung wurde später eingestellt. 1990 wurde das Unternehmen von der französischen Pilote-Gruppe übernommen, die mit mehr als 5000 verkauften Wohnmobilen zu den Großen der Branche gehört. Frankia ist zuletzt stark gewachsen. Die Zahl der Verkäufe stieg um rund 30 Prozent auf 530, der Umsatz von knapp 40 auf gut 50 Millionen Euro und die Zahl der Mitarbeiter von 150 auf gut 200.

 

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