Fränkischer Blödsinn „Das Eich“ begeistert die Zuhörer

Rosi Thiem
„Das Eich“ zog die Zuhörer in den Bann. Foto: Rosi Thiem

Eigentlich sollte der Auftritt unter freiem Himmel in Pegnitz stattfinden, doch eine Gewitterwarnung machte einen Strich durch die Rechnung. Der Auftritt von „Das Eich“ fand dann im Saal statt – der Stimmung tat dies keinen Abbruch.

Die Kultur hat gerufen. Das Wetter sendete Fragezeichen. „Im Wetter steckt halt keiner drin“, begrüßte Bürgermeister Wolfgang Nierhoff am Samstag die gut dreißig Gäste bei der Auftaktveranstaltung „Pegnitz (be-)lebt“, die kurzfristig gegenüber im Weißen Lamm stattfand.

„Wir hatten alles für eine Gutwetterveranstaltung vorbereitet.“ Der trotzdem abgesperrte Bereich draußen blieb ruhig, die Abendsonne schien und die Passanten waren an einer Hand abzählbar. Versuchsweise wird heuer Kunst, Kultur und Spiel im verkehrsberuhigten Innenstadtbereich oberhalb der Bartholomäuskirche von Juni bis August angeboten und dazu der Straßenteil gesperrt.

„Die Gewitterwahrscheinlichkeit lag bei 70 bis 80 Prozent“, sagte der Mitorganisator Karl Lothes vom Pegnitzer Brettl, „da geht das Eine in das Andere. Wir hatten am Donnerstag die Entscheidung getroffen, auf das Weiße Lamm auszuweichen“, berichtete er bei der Eröffnung. Das leer stehende Lokal mit einer Bühne für über 100 Zuschauer im ersten Stock war fit gemacht und vom Ordnungsamt abgenommen worden, versicherte Lothes. „Hier dürfen wir zwölf Veranstaltungen im Jahr abhalten. Es war gar nicht so einfach, ein Ersatzlokal zu finden. Wir haben das Organisationsteam heuer breiter aufgestellt. Das Weiße Lamm stand zwei Jahre leer, wir reinigten alles und haben es mit vereinten Kräften schnell wieder fit gemacht“, lobte Lothes das Team.

„Das Eich“, die erste Veranstaltung von einer Reihe abwechslungsreicher Events für das nächste Vierteljahr im abgesperrten Innenstadtbereich kam beim Publikum sehr gut an und der äußerst wortgewandte Künstler beruhigte seine „Elite“-Zuschauer: „Heute haben wir eben ein Wohnzimmerkonzert. Gestern in Forchheim im Freien hat es ,Kuhscheiße’ geregnet. Heute sind wir drin und es reißt auf“, grinste das Allroundtalent aus Kulmbach.

Er belohnte die Anwesenden mit seinem Best-of-Programm und schaffte es in gut zwei Stunden sein Publikum kurzweilig und wortwitzgewaltig zu fesseln und in seinen verschiedenen Rollen mitzunehmen. „Ich kann mir den ganzen Blödsinn gar nicht ausdenken“, entschuldigte er sich. In seinem Kabarettprogramm schaute er nicht nur seine unmittelbaren Nachbarn und Mitbürgern auf das berüchtigte Maul, sondern etwas weiter über den berühmten Tellerrand hinaus. Er entführte das Publikum in die Rolle der Pippi Langstrumpf, entpuppte sich als Peter Maffay und als ganz normaler Franke wie Du und ich. „Ich erzähl zwar Krampf, aber das ist echter Krampf“, unterstrich der 46-Jährige seine Alltagsbegegnungen. Seit gut zehn Jahren selbstständig, tourt der vierfache Vater und frühere Industriekaufmann erfolgreich mit Gitarre und oberfränkischen kessen Wortwitz durch die Bühnen.

Der Applaus ist ihm sicher, das zeigte sich auch in Pegnitz am Wochenende. Der Künstler nahm sein Publikum mit an Bord auf seine Kreuzfahrtauftritte und die gut gelaunten Zuhörer fühlten bei den Fragen lachend mit, die ihm während den Reisen über die Meere als Komiker gestellt wurden. „Ja schläfst du hier mit auf dem Schiff?“, wurde er einmal gefragt. „Nein, habe ich verdutzt geantwortet, ich werde mit dem Gastkünstlerschlauchboot hinterhergezogen.“ Ein anderes Erlebnis hatte er, als sich ein Kreuzfahrtgast beschwerte, dass die Mikrowelle in der Kabine nicht ging. „Dabei hatte der Depp seine Tasse Tee im Wandsafe warm machen wollen“, meinte er schlagfertig, und das Publikum war dabei.

„Ich liebe den höheren Humor aus den Alltagssituationen“, gestand er und war schon wieder bei dem nächsten Detail, als eine Passagierin sich beschwerte, sie hätte eine Kabine mit Meerblick gebucht und sähe nur den Hafen. „Dabei waren wir noch gar nicht ausgelaufen“, witzelte er und überlegte im Nachhinein, wie er dieser Dame hätte helfen können. „Man erlebt Weltklasse“, nahm er seine Zuhörer schon wieder mit und war beim nächsten Thema: Himalaya-Salz. „Das ist reines Marketing“, warnte er. „Da versprechen sie, es sei Millionen von Jahren alt. Dabei haben sie es gerade noch entdeckt, denn es ist ja nur bis 2023 haltbar“, grinste der entspannte Franke verwundert. „Ich ziehe den Blödsinn förmlich an und wir Franken sind die Geilsten“, meinte er und sang: „Lass dich nicht unterkriegen, sei frech, wild und wunderbar.“ Gespannt wartete das dankbare und begeisterte Publikum auf die nächsten Pointen, die „Das Eich“ sekundenschnell von sich gab.

„Wir wären alle am liebsten draußen gewesen“, stellte Lothes in der Pause noch einmal fest. „Aber irgendwann musste eine Entscheidung getroffen werden – auch im Blick auf die Licht- und Tonanlage, damit diese nicht kaputt geht.“ Vor einem halben Jahr sei ein größeres Orga-Team beim Brettl gebildet worden. Hier unterstützt Jessica Marcus, Roland Berner, Thomas Rauch, Kurt Seiffert und Christoph Wonde, zählte er auf. Bis zum 31. August laufen die verschiedensten Aktionen. „Wir hoffen, dass es Anschubveranstaltungen werden und sich auch in der Gastronomie etwas entwickeln kann“, so Karl Lothes.

Zweite Bürgermeisterin Sandra Huber wäre auch gerne draußen gewesen und tröstete: „Hier kann man heute auch im Anschluss nach der Vorstellung noch etwas in der Stadt verweilen und Lokale besuchen.“ Für die weiteren Aktionen sieht sie ein gutes Zusammenarbeiten und wünscht sich, dass die Netzwerke in der Stadt genutzt werden. „Die Idee war, den Menschen bei den Veranstaltungen in verkehrsberuhigten Zonen mehr Platz zu geben“, so Sandra Huber. Der Geschäftsmann Thomas Koukal, der sich an den Aktionen beteiligt, meinte: „Hier muss man abwarten, wie es angenommen wird.“ Unabhängig von der Aktion hatte er bereits vor Corona mit verschiedenen Spielenachmittagen und Events begonnen, mehr Leben in diesen Stadtbereich zu bekommen. Die Pegnitzer und das Umland sollten die Angebote nutzen und die Aktionen sollten dann wirklich im Freien sein, meinte er auf Nachfrage.

Koukal denkt sich immer wieder etwas aus: „Am 11. Juni gibt es eine Pokémon- Sammelkartentauschaktion“, verriet er schon. Am 18. Juni kommt der Musikkabarettist Stefan Otto. Einige Termine sind im Rahmen des Bundesprogrammes Demokratie Leben – Kinder, Kunst und Kinderrechte. Am 31. Juli dürfen sich die Freunde der fränkischen Mundart auf den Liedermacher WastEL Kauz und Mundartautor Walter Tausendpfund am alten Rathaus freuen. Dies ist nur ein kleiner Auszug. Das umfangreiche und vielseitige Programm des nächsten Vierteljahres liegt in Flyern aus und ist online in den Veranstaltungen der Stadt aufgelistet.

 

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