Forschung in Selb Sensor soll Mikroplastik aufspüren

Viel kleiner als ein Ein-Cent-Stück sind die Mikroplastik-Teilchen. Foto: EZD

Das Europäische Zentrum für Dispersionstechnologien entwickelt ein Mess-System, um die winzigen Teilchen zu finden. Auch lokale Unternehmen sind hier mit im Boot.

Selb - Mikroplastik und die damit einhergehende Belastung der Umwelt ist ein großes Thema. Das Europäische Zentrum für Dispersionstechnologien (EZD) in Selb und das Institut für Lasertechnologien in der Medizin- und Messtechnik an der Universität Ulm (ILM) haben laut einer Mitteilung jetzt ein gemeinsames Projekt gestartet.

Ziel ist es, ein wirtschaftliches Verfahren zur kontinuierlichen Erkennung und Kategorisierung von Mikroplastikpartikeln im Wasser zu entwickeln. Das Bundeswirtschaftsministerium unterstützt das Projekt mit rund 530 .000 Euro im Rahmen des Programms „Förderung der Industriellen Gemeinschaftsforschung (IGF)“. 250 .000 Euro davon entfallen der Mitteilung zufolge auf das EZD.

In allen Lebensbereichen

„Der Einsatz von Kunststoffen umfasst alle Lebensbereiche“, heißt es darin. Dabei sei die Lebensdauer eines Produktes stark von Verwendungszweck und Material abhängig. Durch den Gebrauch und die natürliche Alterung von Kunststoffen entstehe ein ungewollter Eintrag in die Umwelt (Emission) – ein Teil davon seien winzig kleine Teilchen, sogenanntes Mikroplastik.

Ziel des Projektes sei einerseits die Entwicklung eines Mess-Sensors zur Detektion derartiger Teilchen sowie andererseits, ein besseres Verständnis zu gewinnen, wie Mikroplastik überhaupt entsteht.

Für die Entwicklung und Erprobung des neuen Sensors würden am EZD Testpartikel aus den häufigsten Kunststoffarten wie Polypropylen (PP) oder Polyethylen (PE) mit definierten Eigenschaften wie Partikelgröße und Partikelform hergestellt. Darüber hinaus würden aber auch reale Bauteile hinsichtlich ihrer Freisetzung von Mikroplastik begutachtet und untersucht.

Für die abschließende Evaluation des entwickelten Mess-Systems würden reale Proben aus der Umwelt untersucht, teilt das EZD mit. „Hierfür werden an exponierten Stellen, etwa an Prozesswässern, Kläranlagen oder Flüssen, Proben genommen und für die Charakterisierung aufbereitet.“

Zielgerichtete Analyse

Die Forschungsergebnisse ermöglichten eine zielgerichtete Analyse von wässrigen Systemen hinsichtlich ihrer Kontamination mit Mikroplastikpartikeln. Dadurch werde branchenübergreifend sowohl der Industrie als auch den Behörden – von Kunststoffherstellern über Verarbeiter bis hin zu den kommunalen Wasserwerken – ein Mikroplastik-Analysetool zur Verfügung gestellt.

Aus diesem Grund seien, heißt es weiter, auch eine Reihe von lokalen Unternehmen wie ESM, AWS und Hydrotec GmbH in beratender Funktion an diesem Projekt beteiligt. „In Zukunft sollen so mögliche Eintragspfade von Kunststoffemissionen in aquatische Systeme frühzeitig erkannt und entsprechende Gegenmaßnahmen eingeleitet werden“, erklärt EZD-Leiter Felipe Wolff-Fabris. Darüber hinaus könnten mit einem derartigen Messgerät gesicherte Daten im Bereich der Trinkwasseraufbereitung und von natürlichen Gewässern gesammelt werden.

 

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