Folgen von Klimawandel und Borkenkäfer Den einen Brotbaum gibt es nicht

Forstoberrat Matthias Huttner (AELF Bayreuth, links), Markus und Felix Windisch (vorne, von links) und Förster Robert Lindl, der vor der Maßnahme die Waldbesitzer berät.Die wurzelnackten Pflanzen warten auf die neue Heimat in den Waiganz-Wäldern. Foto:  

Der Klimawandel zwingt zur Vielfalt und zum neu denken – Fachleute diskutieren über Wege zum Waldumbau

Betzenstein - Eines, das stehe fest, gibt es nicht: den Brotbaum der Zukunft. „Wir dürfen nicht den Fehler machen, den einstigen Brotbaum Fichte durch einen einzigen anderen Brotbaum – die Douglasie zum Beispiel – zu ersetzen“, warnt Förster Robert Lindl bei der Waldbegehung in Waiganz. „Wir müssen eine Strategie der Mischwälder mit mehreren, verschiedenen Baumarten einsetzen, um die Wälder gegen die Klimakrise zu wappnen.“ Lindl hat sich mit den Waldbesitzern Markus und Felix Windisch und dem zuständigen Abteilungsleiter Forsten des AELF Bayreuth, Matthias Huttner, vor Ort im Wald getroffen. „Wesentlich ist hier eine Risikostreuung“, betont Forstoberrat Huttner: „Man setzt in der Zukunft auf mindestens drei, jedoch besser vier bis fünf Baumarten, falls eine Sorte im Klimawandel ausfällt.“ Dass dies geschehen kann, hat auch Markus Windisch erfahren müssen. Die von ihm vor 15 Jahren gepflanzten Eschen wurden plötzlich von oben herunter dürr. Einst wurde die Esche favorisiert, doch das überall einsetzende Eschentriebsterben – durch einen eingeschleppten Pilz aus Asien – machte diesen Favoriten zunichte. Einzelne Eschen haben überlebt. „Die Esche wird nicht mehr gepflanzt“, bemerkt Robert Lindl. „Einzelne ältere Exemplare halten es aus, doch Jüngere sterben eher ab.“

Der Borkenkäfer greift massiv an

Markus Windisch ließ sich damals nicht entmutigen. Er war schon immer mit dem Schwiegervater gerne im Wald. Sie bauten ihre Forstwege aus und schauten schon immer: Was steht gerade im Wald an? Inzwischen kommt auch Sohn Felix gerne mit. Im vergangenen August gab es dann an einem Fichtenschlag einen Borkenkäferbefall, den Windisch schnell entfernte. Im Dezember musste er aber feststellen, dass in der Nachbarschaft an noch grünen Bäumen bereits eine massive Borkenkäferbesiedelung stattgefunden hatte. Nur das schnelle Fällen der Bäume verhinderte einen gravierenden Befall. Nun gibt es für die frei gewordene Stelle ein neues, hoffnungsvolles Baumkonzept. „Wir pflanzen hier jetzt Schwarzkiefer, Kirsche, Elsbeere und Bergahorn. Die Lärche kommt über die Buchen-Naturverjüngung“, zählt der gelernte Zimmermann auf.

Vater und Sohn sind ein eingespieltes Team. Nachdem Felix Windisch den schützenden Zaun beiseitegerollt hatte, kam der Hohlspaten zum Einsatz. „Wichtig ist, dass auch die Wurzel senkrecht in den Boden kommt“, bestätigt Matthias Huttner. „Die 30 Zentimeter Spatentiefe ist ideal. Zuerst einen geraden Stich, dann einen schrägen Gegenstich, damit das Erdreichgefüge erhalten bleibt. Wird es bröselig, muss man schichtweise verdichten“, erklärt der Forstfachmann. Das beherzigen die beiden Waldbesitzer ohnehin.

Markus Windisch setzt zudem auf Naturverjüngung und hat auch schon einige Saatversuche ausprobiert. „Aber ohne Zaun geht nichts“, weiß er. Das Wild lasse keine ungeschützten Jungpflanzen unbehelligt. Ein angepasster Schalenwildbestand wäre wichtig, damit nicht jede Fläche teuer eingezäunt werden muss. Die Natur biete ja eine kostenlose Chance zum Waldumbau durch Naturverjüngung – auch mit klimaverträglichen Baumarten, so Huttner. Das Verbissgutachten 2021 ist noch in Arbeit. Hier ist im Juni mit einem Ergebnis zu rechnen.

Ruckzuck legten die Windischs im 1,5 Meter-Abstand ein neues Zuhause für Hainbuche, Elsbeere und Bergahorn an. Letzterer als Ersatz, weil der geplante Spitzahorn in der Baumschule wegen Pflanzenmangel nicht zu bekommen war. „Die Pflanzenversorgung mit trockenresistenten Baumarten ist nicht immer ausreichend. Die Baumschulen müssen sich auf früher wenig beachtete Baumarten umstellen“, fordert Forstamtmann Lindl. „Neben den zu hohen Rehwildbeständen, die viele junge und in der Regel ohnehin seltene Baumarten mit Vorliebe vertilgen, kommen hohe Kosten für den Schutz der Forstkulturen hinzu. Das kann durch die Jagdpacht nicht erbracht werden“, rechnet er vor. Derzeit hat Markus Windisch von seinen 23 Hektar Wald drei Hektar an verschiedenen Standorten – zum Schutz der Jungpflanzen – eingezäunt. Dieser Zaun muss auch ständig kontrolliert werden. Den gerade benutzten Schutzzaun, der vorher andernorts stand, konnte er wiederverwenden. Nachhaltigkeit ist den Windischs auch hier wichtig.

„Der Waldumbau ist die größte Aufgabe der nächsten Jahrzehnte“, betont Matthias Huttner. „Es ist ein Generationenvertrag. Man handelt für die Kinder und die Enkel.“ In diesem Zusammenhang verweist Huttner auf die hohe CO2-Speichermenge des Waldes.

Der Waldumbaubedarf in Stadt und Landkreis Bayreuth beträgt insgesamt 3528 Hektar – allein Privat- und Körperschaftswald. Der ge­plante Waldumbau im Bereich des AELF Bayreuth für 2021 liegt bei 65 Hektar – ohne Staatswald. „Der Waldumbau wird sich beschleunigen durch den Käfer und den Klimawandel“, glaubt Huttner. „Die staatliche Förderung wurde 2020 praktisch verdoppelt. Man bekommt für eine Pflanze bereits eine Grundförderung von 2,50 Euro. Dazu kommen zahlreiche Zuschläge, sodass am Ende der Förderbetrag auch bei über vier Euro je Pflanze liegen kann“, beschreibt Huttner das Paket. Dabei sei eine kostenlose Beratung durch den Förster vor Ort nötig. „Die acht Revierleiter im Landkreis können mit ihren Laptops die genaue Standorteignung und das Klimarisiko einzelner Baumarten durch die von der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft entwickelte Klimakarte ermitteln. Da wird auch größtmöglich auf die Wünsche der Waldbesitzer eingegangen“, so Huttner.

„Mehr als die Hälfte des bayerischen Waldes gehört Privatpersonen“, berichtet Förster Robert Lindl. „Der Beratungsbedarf für die Waldbesitzer steigt. Sie haben immer weniger Zeit für ihren Wald und es werden immer weniger, die noch selbst die Waldarbeiten erledigen“, betont er. „Die Förster vor Ort beraten unabhängig, neutral und kompetent. Darüber hinaus helfen und organisieren die Selbsthilfeeinrichtungen wie die Forstgemeinschaften und Waldbesitzervereinigungen.“

Fachlicher Beratung durch den Forst

Viele Waldbesitzer zögerten noch bei einem zukunftsträchtigen Waldumbau. Viele stellten sich die Frage, welche Bäume sind für mich wichtig? „Dabei hilft eine fachmännische Beratung. Wie gesagt, es gibt nicht den einen Brotbaum.“ Aber inzwischen würden vermehrt heimische und schnell wachsende Bäume wie Kirsche, Walnuss oder Douglasie, aber auch die Elsbeere, Hainbuche, Lärche, Flatterulme, Esskastanie und die Baumhaselnuss wieder gepflanzt. Die Eiche sei ein Lichtbaum und würde bei uns wachsen, ebenso komme die Linde mit dem Klimawandel als Schattlaubholz zurecht. „Auch die Robinie ist anspruchslos“, weiß Lindl. Viele kennen diese Pflanze als Akazie. Sie liefert robustes und witterungsbeständiges Holz. „Man muss nur eben neu denken“, sagt der Fachmann.

Mehrere Hundert wurzelnackte Pflanzen haben inzwischen eine neue Heimat in den Wäldern rund um Waiganz gefunden. Der 18-jährige Felix Windisch, der gerade vor dem Abitur steht, weiß schon, was er einmal beruflich machen wird: Förster. „Ich möchte Forstwirtschaft studieren. Das Praktikum bei den Bayerischen Staatsforsten hat mir sehr gefallen. Es ist eine gute Abwechslung und ein Ausgleich zur Schreibtischarbeit. Ich brauche die körperliche Betätigung und bin gerne in der Natur“, verrät der sportliche junge Mann. Man kann es spüren: Hier wird die Liebe zum Wald weitergegeben.

 

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