Florian Maßen: Laufend in ein neues Leben

Von Anne Müller

Beim Joggen von locker plaudernden Menschen überholt zu werden – das ultimative Frusterlebnis. Für Florian Maßen jedoch war das der Startschuss für ein höchst befriedigendes Läuferleben.

Hier an dieser Stelle wird am 17. Juni 2018 deutlich mehr los sein. Am Grünen Kabinett in der Wilhelminenaue ist der Start- und Zielbereich des nächsten Mainauenlaufs. Was als Schnapsidee vor zwei Jahren begann, hat sich zu einem beliebten Lauf gemausert. Foto: Eric Waha Foto: red

Es läuft bei Florian Maßen. Denn nicht nur mit seinem beruflichen und privaten Leben ist der 39-Jährige hochzufrieden, sondern auch damit, wie es in seinem Läuferleben derzeit läuft. „Jammern tu’ ich eh nicht gern, es bringt einfach nichts. Und was ich heute in meiner Freizeit für einen Spaß beim Sport haben kann, das hätte ich vor einigen Jahren niemals gedacht, geschweige denn geplant.“ Florian Maßen macht einen gelassenen und sehr entspannten Eindruck, als er von sich und seinem Leben erzählt. In seinem gemütlichen Wohnzimmer zieht sich eine Art roter Faden über alle Wände, ein breiter Farbstreifen mit Halteleisten. Hier sind unzählige schwarz-weiße Fotos angeheftet, die Szenen und Leute aus seinem Leben zeigen. Bilder von Urlauben hängen da, von Haustieren und natürlich von Sportveranstaltungen. „In schöner Regelmäßigkeit wird hier immer mal wieder durchgemischt“, erzählt er. „Eben immer, wenn’s was Neues gibt.“

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Erst Fischverkäufer, dann Ausbildung

Florian Maßen kam 1978 in Bayreuth zur Welt. Nach der Grundschule St. Georgen und dem Abitur am Graf-Münster-Gymnasium stolperte er eher zufällig über den Beruf des Mediengestalters, überbrückte ein Dreivierteljahr mit mehreren Praktika und arbeitete unter anderem als Fischverkäufer, bis er dann seine Ausbildung begann. „Ich habe beim Schirmers Hermann Grafiker gelernt, und auch wenn ich heute im Marketingbereich tätig bin, kommt mir dieses Wissen immer wieder zugute.“ Im Beruf ist Florian Maßen heute beim Konzertveranstalter Semmel Concerts zuständig für den gesamten Onlinebereich mit Internetpräsenz, Facebookseite und sämtlichen Kampagnen. In Nürnberg machte er zuvor seinen Betriebswirt, und während eines ganzen Jahres pendelte er an den Wochenenden nach München, um Medienmarketing zu studieren. Dass er dieses Pensum so durchzog, meint Florian Maßen, sei typisch für ihn: „Klar, es war anstrengend, aber es war ein super Jahr. Und wenn ich etwas anpacke, dann möchte ich es g’scheid machen. Halbe Sachen sind nichts für mich.“

Das Laufen kam, als es privat schlecht lief

Und noch ein Aspekt wurde ihm bewusst: „Bayreuth wird immer meine Heimat sein, ich liebe diese Stadt.“ Dass er heute so gern hier lebt, liegt vor allem an den Menschen, mit denen er sich umgibt. Beruflich natürlich, aber vor allem auch was seine Projekte in der Freizeit angeht. Und die haben hauptsächlich mit einer Sportart zu tun, mit der Florian Maßen bis 2011 rein gar nichts zu tun hatte: Laufen. Bis er 18 Jahre alt war, hatte er Rollhockey gespielt – eine Art Eishockey auf Rollschuhen. Laufen kam erst hinzu, als es privat schlecht lief. „Meine Frau und ich hatten uns gerade getrennt, und durch meine Kumpels Mario Schrödel und Achim Schmidt bin ich in diese Sportart quasi hineingerutscht.“

"Ich war völlig fertig"

Wenn ihm damals jemand prophezeit hätte, dass er zum einen einen Riesenspaß daran finden und weitergehen würde und zum anderen eine Sportveranstaltung wie den Mainauenlauf organisieren würde, Florian Maßen hätte nur müde gelächelt. Das entscheidende Erlebnis, das ihn zum regelmäßigen Lauftraining motivierte: Zwei Lauffreundinnen überholten ihn beim Fun-Run 2011 mühelos und locker plaudernd. „Die zwei liefen da so gemütlich an mir vorbei, und ich war völlig fertig. Von diesem Zeitpunkt an bin ich regelmäßig mit den beiden gelaufen, und mein Leben hat sich komplett geändert.“ Der Laufsport ist für Florian Maßen mittlerweile auch ein guter Lehrmeister geworden. Bei Laufveranstaltungen gibt es unzählige Erlebnisse, bei denen die euphorischen Zuschauer die Sportler förmlich die Bergstrecken hinauf brüllen. Aber, und das musste Maßen selbst schon bitter erfahren, es ist auch extrem wichtig, auf seinen Körper zu hören. „Beim Triathlon in Roth 2015 bekam ich beim letzten Teil der Radstrecke plötzlich keine Luft mehr.“ An diesem Punkt wird der bis dato gut gelaunte Mann ernst. Sehr ernst. Sein Körper habe damals einfach nicht mehr funktioniert, aus Überanstrengung und höchstwahrscheinlich auch wegen hoher UV-Belastung und starkem Pollenflug. „Diese Erfahrung war gruselig, aber lehrreich. Ich bin so dankbar, dass ich nicht nur meinen eigenen Spaß am Laufen weitergeben kann, sondern auch solche Erlebnisse.“

Ein Leben, zwei Teile

Sein bisheriges Leben, meint Florian Maßen, könne er zweiteilen: einmal vor dem Sport und einmal mit dem Sport. Nach dem Fun-Run-Erlebnis 2011 fand sich eine feste Laufgruppe zusammen, aus der wenig später der Lauftreff „We run BT“ wurde. Und aus dieser Gruppierung entstand der Verein „MaliCrew“, der unter anderem den Mainauenlauf organisiert. Doch nicht nur das: In Zusammenarbeit mit dem Straßenverkehrsamt, dem Sportamt, der Universität, der Schlösser- und Seenverwaltung und unzähligen laufbegeisterten Bayreuthern entsteht derzeit der Laufkompass – eine Sammlung von Laufstrecken, die sich auf zehn Kilometern durch so ziemlich alle Ecken der Stadt ziehen. Einmal im Monat treffen sich die Freizeitläufer, zu denen jeder ohne Anmeldung dazukommen kann, und drehen ihre Runde durch die Stadt. „Wir wollen ganz bewusst keine Hemmschwelle für Neulinge oder Gäste setzen, die vielleicht nur kurze Zeit hier sind, aber trotzdem nicht alleine laufen möchten“, erklärt Maßen. Das wohl schönste Kompliment für ihr mittlerweile vierjähriges Engagement erhielten die Läufer von Daniel Tomann-Eickhoff, der im Sommer regelmäßig im Festspielorchester spielt und auch mitläuft: Man kommt als fremder Neuling an und verabschiedet sich eine Stunde später von neuen Freunden. „Solche Reaktionen motivieren uns extrem. Ich denke, durch Projekte wie den Lauftreff oder den Mainauenlauf können wir der Stadt unheimlich viel zurückgeben. Positive Leute schaffen eben positive Stimmung.“

Schaufensterpuppen in der Wohnung

Überall in Florian Maßens Wohnung finden sich die Erinnerungen an die tollen Lauferlebnisse. Nicht nur die Fotos, auch zwei Schaufensterpuppen mit den Teilnehmer-Medaillen, das Schild vom ersten Mainauenlauf und ein großes Bierglas mit den Teilnehmer-Armbändern. „Was ich die letzten Jahre erlebt habe, war überhaupt nicht geplant, aber ich beschwer’ mich in keinster Weise: Es darf gern so weitergehen.“