Firmenjubiläum „Brose ist ein stabiles Familienunternehmen“

Kurt Sauernheimer trägt als Vorsitzender der Geschäftsführung die Verantwortung für das Familienunternehmen mit seinen rund 26.000 Mitarbeitern in 23 Ländern und einem Umsatz von 6,3 Milliarden Euro. Foto: Brose

COBURG. Der Autozulieferer Brose feiert am Samstag, 6. Juli, sein 100-jähriges Bestehen. Geschäftsführer Kurt Sauernheimer erläutert, wie das Unternehmen nach Coburg  kam, wo es steht und wo es seine Zukunft sieht.

Herr Sauernheimer, Max Brose hat 1908 in Berlin ein Handelshaus für Automobiltechnik eröffnet. Elf Jahre später hat er gemeinsam mit Ernst Jühling das Metallwerk Max Brose & Co. gegründet, um Autoteile herzustellen. Warum ist die Wahl auf Coburg gefallen?

Kurt Sauernheimer: Ein Zufall hat Max Brose damals nach Coburg geführt. Am Ende des Ersten Weltkriegs lernte er den Chemiker Ernst Jühling kennen. In Coburg stand in der Ketschendorfer Straße die Firma Haußknecht & Co. mitsamt Maschinen und Werkzeugen zum Verkauf. Das war ein geeignetes Objekt, um in die Produktion einzusteigen. Coburg lag damals in der Mitte Deutschlands – so wie heute wieder.


Gibt es dieses Gebäude noch?

Sauernheimer: Ja. Dort, wo unser Unternehmen ab 1919 unter anderem Wagenheber, Karbidlampen oder Richtungsanzeiger herstellte, ist inzwischen die Ausbildung untergebracht. Unsere jüngsten Mitarbeiter starten also ihre berufliche Laufbahn genau dort, wo die Geschichte von Brose in Coburg begann.

Sie tragen als Vorsitzender der Geschäftsführung die Verantwortung für das Familienunternehmen mit seinen rund 26.000 Mitarbeitern in 23 Ländern und einem Umsatz von 6,3 Milliarden Euro. Was sind für Sie die Erfolgsfaktoren von Brose?

Sauernheimer: Kontinuität in der Führung, stabile Eigentumsverhältnisse und der Wille zu Innovation und ständiger Verbesserung. Wenn Sie die Entwicklung von Brose am Standort Coburg in den vergangenen 100 Jahren verfolgen, dann stellen Sie fest, dass Max Brose den Betrieb fast 50 Jahre geführt hat. Sein Enkel Michael Stoschek, der im Alter von nur 23 Jahren die Leitung des Betriebs übernahm, ist inzwischen seit 48 Jahren Unternehmer. Während dieser Zeit hat sich Brose von einem oberfränkischen metallverarbeitenden Betrieb zu einem global aufgestellten Unternehmen entwickelt, das Marktführer bei vielen mechatronischen Produkten ist. Auch ich darf bereits seit 32 Jahren zum Erfolg von Brose beitragen und freue mich über die außerordentlich positive Entwicklung in dieser Zeit.

Wie stellt sich die Gesellschafterstruktur dar?

Sauernheimer: Brose ist schon etwas Besonderes. Wir haben nur fünf Gesellschafter. Die dritte und vierte Generation bringen sich persönlich ein, sodass unsere Mitarbeiter und wir als Geschäftsführer die Eigentümer des Unternehmens kennen. Das schafft Identifikation, führt zu kurzen Wegen bei Entscheidungen, und durch die zurückhaltenden Entnahmen der Gesellschafter haben wir eine große wirtschaftliche Stabilität. Das wissen auch unsere Kunden und Lieferanten zu schätzen.

Brose hat sich vom lokalen Meisterbetrieb längst zu einer international erfolgreichen Unternehmensgruppe entwickelt. Welchen Stellenwert hat da der Standort Coburg?

Sauernheimer: Brose ist eine internationale Unternehmensgruppe mit 63 Standorten. In Coburg erzielen wir sechs Prozent unseres Umsatzes und beschäftigen 13 Prozent unserer Belegschaft. Der Anteil unserer Coburger Grundstücksfläche beträgt zwar gerade noch vier Prozent der Gesamtfläche der Brose-Gruppe, trotzdem ist der Standort etwas Besonderes: Hier sind viele Produkte entwickelt worden, mit denen wir heute weltweit erfolgreich sind. Dazu gehört zum Beispiel der Fensterheber, dessen Serienfertigung vor über 90 Jahren in Coburg startete.

Die einzige bahnbrechende Innovation?

Sauernheimer: Nein, es folgten weitere Innovationen, die Brose als erstes auf den Markt brachte. Beispielsweise in Europa den elektrischen Fensterheber, der später als Weltneuheit mit einem Einklemmschutz ausgestattet war. Daraus hat sich unser größter Geschäftsbereich Tür entwickelt, der heute von Hallstadt aus geführt wird. 1979 wurde erstmals in Europa eine elektrische Sitzverstellung in der S-Klasse von Daimler Benz eingesetzt – sie kam von Brose aus Coburg. Heute steuert der Bereich Sitz von hier aus sein weltweites Geschäft, und unsere Experten arbeiten daran, neue Ideen für einen flexiblen Fahrzeuginnenraum zu entwickeln. Als Leitwerk hat Coburg eine Vorreiterrolle bei der Einführung neuer Fertigungstechnologien und bei der erstmaligen Herstellung neuer Produkte für den Bereich Sitz.

Was bedeutet das für die Stadt Coburg und ihr Umland?

Sauernheimer: Die kontinuierliche Weiterentwicklung des Standorts hat dazu geführt, dass Brose in Coburg rund 3300 Menschen beschäftigt, weitere 2000 bei unseren Lieferanten in der Region. Das macht uns zum größten industriellen Arbeitgeber in Stadt und Landkreis Coburg. Nicht zuletzt deshalb haben wir großes Interesse an der weiteren Entwicklung der Stadt als Arbeitsort und Lebensmittelpunkt.
 

Welche Perspektiven sehen Sie für den Brose-Standort Coburg und dessen Wettbewerbsfähigkeit?

Sauernheimer: Die grundlegenden Veränderungen in unserer Branche haben nicht nur Auswirkungen auf Coburg, sondern auf alle Standorte der Brose-Gruppe. Und nicht nur das. Die weltweit schwierige Konjunkturlage und die politischen Entwicklungen erschweren die Situation – auch das bekommen wir deutlich zu spüren.

Was hat das zur Folge?

Sauernheimer: Wir müssen unser bestehendes Geschäft mit Türen, Sitzen und Antrieben ausbauen, gleichzeitig in Produkte für die neuen Mobilitätstrends investieren. Durch Personalaufbau und höhere Investitionen sind unsere Fixkosten überproportional gestiegen. Deshalb haben wir Kostensenkungsmaßnahmen eingeleitet und ein Transformationsprogramm gestartet, mit dem wir die Zukunft unseres Unternehmens sichern. Dieses Programm umfasst drei wesentliche Handlungsfelder.

Welche sind das?

Sauernheimer: Erstens, wir werden das profitable Wachstum in unserem Kerngeschäft weiter vorantreiben. Zweitens müssen wir in der gesamten Brose-Organisation – insbesondere auch in Entwicklung und Verwaltung – Kosten senken und in unseren Strukturen und Abläufen effizienter werden. Und drittens fördern wir Innovationen sowohl in bestehenden, als auch in neuen Produkten und Prozessen. Das gilt für die Brose Gruppe genauso wie für unseren Standort Coburg.

Mit welchen Folgen für den Brose-Stammsitz?

Sauernheimer: Unsere Fertigung in Coburg steht unter besonderem Druck. Mit ersten Vereinbarungen ist es uns zwar gelungen, die Wettbewerbsfähigkeit des Werks zu verbessern, allerdings ist bei den Arbeitskosten der Abstand zu Osteuropa noch immer sehr groß. Daher müssen weitere Schritte folgen, um Coburg zukunftsfähig zu machen, zum Beispiel mit neuen Produkten und mit einer Bereinigung des Produktionsprogramms, aber auch mit weiteren deutlichen Verbesserungen unserer Produktivität und unserer Arbeitskosten.

 
Ist da Optimismus für die Zukunft von Brose angebracht?

Sauernheimer: Da bin ich zuversichtlich: Wir haben die Unterstützung der Gesellschafter, wir sind ein stabiles Familienunternehmen, wir haben ein Produktportfolio, das weniger stark von den Veränderungen der Antriebstechnologie betroffen ist, und wir haben die richtigen Maßnahmen eingeleitet. Deshalb glaube ich fest daran, dass Brose auch die nächsten 100 Jahre erfolgreich gestalten kann – in Coburg und weltweit.
 

 

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