Firmen vom Schwager des ehemaligen NKD-Chefs Krause möglicherweise in Geldwäsche verwickelt Die Spur des NKD-Geldes

Von Manfred Scherer

Briefkastenfirmen in der Schweiz, Strohmänner, Konten in Steueroasen, Luxusimmobilien in Berlin. Das Firmengeflecht, durch das die möglicherweise veruntreuten 3,7 Millionen des Bindlacher Textildiscounters verschwanden, nimmt im Landgericht Hof immer konkreter Gestalt an. Jüngste Enthüllung: In dem Firmengeflecht spielen Firmen eine Rolle, die dem Schwager des ehemaligen NKD-Chefs Michael Krause gehören.

Nach Erkenntnissen der Bayreuther Kripo wurden 3,7 Millionen Euro aus NKD-Firmenvermögen durch ein kompliziertes Fimengeflecht geschleust. Foto: Archiv Foto: red

Der Prozess gegen den heute 38-jährigen Krause und seinen mitangeklagten Prokuristen Uwe K. begann im Frühjahr. Während sich zu Prozessbeginn die Krause-Verteidiger heftige juristische Grabenkämpfe mit dem Vorsitzenden der 3. Strafkammer, Richter Siegbert Übelmesser, lieferten, lehnten sich die Staatsanwälte Peter Glocker und Uwe Demuth ziemlich gelassen zurück.

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Jetzt im Herbst, spätestens mit dem 34. Prozesstag am Donnerstag, ist klar, warum die Ankläger so zurückhaltend waren. Sie hatten und haben einen gewichtigen Vorteil gegenüber der Verteidigung: Die parallel zum Untreueprozess laufenden Ermittlungen wegen des Verdachts der Geldwäsche gegen mehrere Personen, die nach Auffassung der Hofer Wirtschaftsstaatsanwaltschaft zusammengewirkt haben sollen, die aus der NKD herausgeholten 3,7 Millionen Euro zu verschieben, zu verstecken, zu verschleiern.

Die Geldwäschermittlungen führt die Kriminalpolizei mit Zentralaufgaben (KPI/Z) in Bayreuth. Die Finanzermittler waren europaweit tätig: In Zypern, in der Schweiz, in Liechtenstein. Und auch in einer Steueroase in der Karibik – auf den Grenadinen-Inseln. Die Fahnder sichteten Akten aus Rechtshilfeersuchen, durchforsteten Handelsregisterauszüge und Computerdateien mit Hilfe von Such-Programmen. Bei mindestens drei Razzien waren die Bayreuther Ermittler persönlich dabei: In Zug in der Schweiz, wo die Akten einer Firma beschlagnahmt wurden, über die NKD-Gelder gelaufen sein sollen. In Berlin in einer Büro-Etage am Kurfürstendamm, wo die Computer zweier Immobilienfirmen beschlagnahmt wurden. Und in Bayreuth, wo Ende August die Kanzlei von Volker Beermann, dem Hauptverteidiger des ehemaligen NKD-Chefs Krause, durchkämmt worden war (siehe Bericht unten). Die Erkenntnisse aus diesen Ermittlungen sind für die Staatsanwälte Glocker und Demuth das Instrument, im Untreueverfahren die Verteidiger des Hauptangeklagten Krause vor sich her zu treiben.

Die zwischen April und Oktober 2012 von der NKD abgeflossenen Millionen liefen über eine NKD-Auslandstochter zur zypriotischen Beratungsfirma Zarando. Von den Zarando-Konten wurde das Geld, wie berichtet, weiter transferiert. Von Firma zu Firma, hinüber und herüber. Essenz der Finanzermittlungen: Hinter dem Geflecht der Firmen steht Krauses Jugendfreund Michael J.

Den Erkenntnissen der Finanzermittler, Krause habe von Firmenkonten seines Jugendfreundes zeitnah zum Verschwinden des NKD-Geldes insgesamt 1,6 Millionen erhalten, hielten Krause und seine Pflichtverteidiger Tobias Liebau und Marc Wandt eine andere Erklärung entgegen: Zwischen Krause und Michael J. habe es eine 20-jährige Freundschaft gegeben. Die beiden Unternehmer hätten sich immer wieder gegenseitig Darlehen gewährt – immer zinslos.

Danach musste der Hauptangeklagte sich jedoch Erkenntnisse eines als Zeugen geladenen Finanzermittlers der KPI/Z anhören, wonach Krause beispielsweise als Verfügungsberechtigter für ein Konto seines Jugendfreundes eingetragen war.

Krause wehrte sich gegen die Erkenntnisse, von seinem Jugendfreund 1,6 Millionen verdächtiges Geld zugeschoben bekommen zu haben, mit einer Familiengeschichte: Er habe mit seiner Ehefrau nach Berlin ziehen wollen. 1,2 Millionen Darlehen seines Jugendfreundes für den Kauf einer Immobilie in Berlin habe er zurückzahlen wollen. Doch das Geld – stammend aus dem Verkauf seiner alten Immobilie in Düsseldorf – habe er Michael J. nicht mehr geben können. Der Grund: Die Hofer Staatsanwaltschaft beschlagnahmte Vermögenswerte von Krause in Höhe von 3,7 Millionen Euro.

Krauses Familie spielt noch eine andere Rolle in der Geschichte: Sein Schwager, ein serbisch-stämmiger Geschäftsmann namens Nedeljko P., ist in Berlin im Immobilienhandel tätig. Bei der Durchsuchung der KPI/Z in den Büros von Krauses Schwager am Kurfürstendamm in Berlin fanden die Finanzermittler Verbindungen zum Firmengeflecht von Michael J.

128 Aktenseiten werden zum Beweisthema

Volker Beermann, der Hauptverteidiger des ehemaligen NKD-Chefs, hat sich schon vor Wochen aus dem Untreueprozess verabschiedet: Der Jurist aus Bayreuth ist ernstlich erkrankt. Beermann hat, wie berichtet, großen Ärger am Hals. In Hof ist eine Anklage gegen ihn bei Gericht eingereicht worden wegen angeblicher Veruntreuung von Mandantengeldern. Im Geldwäscheverfahren im Zusammenhang mit dem Fall NKD wird er als Beschuldigter geführt. In Cottbus wird gegen Beermann wegen des Verdacht der Untreue bei einem Firmenverkauf ermittelt. Wegen des Cottbusser Verfahrens gab es Ende August in Beermanns Anwaltskanzlei eines Durchsuchung, bei der der Finanzermittler der KPI/Z ursprünglich der Cottbusser Oberstaatsanwältin Elvira Klein nur Amtshilfe leisten sollte. Weil es, so sagt der Kriminaler im Zeugenstand, in Beermanns Kanzlei „ziemlich chaotisch“ aussah, wurden bei der Razzia mehr Akten gesichtet als in einer ordentlichen Kanzlei erlaubt gewesen wäre, sprich: Den Ermittlern fielen auch NKD-Verteidigerunterlagen in die Hände. Ein Dokument hat die Hofer Staatsanwaltschaft per Gerichtsbeschluss von den Cottbusser Kollegen angefordert: Eine 128-seitige Liste, von der die Verteidiger vermuten, sie könne entlastende beweis im Prozess enthalten: Jene Preisinformationen, für die der ehemalige NKD-Chef Krause die 3,7 Millionen Euro bezahlt haben will. Die 128 Seiten werden im weiteren Prozessverlauf sicher noch eine Rolle spielen.