Filmfestival Locarno Unterhaltung und Anspruch in kluger Balance

Gesamtansicht der Piazza Grande bei der Eröffnung des 72. Internationalen Filmfestivals Locarno. Foto: Urs Flueeler/KEYSTONE/dpa

LOCARNO. Zur Eröffnungsgala des 72. Internationalen Filmfestivals im Schweizer Locarno ist am Mittwochabend auf der Piazza Grande des Ortes der italienische Spielfilm „Magari“ („Vielleicht“) uraufgeführt worden. Mit viel Temperament und Gefühl malt die Regisseurin Ginevra Elkann in ihrem Spielfilm-Erstling ein tragikomisches Familienporträt.

Deutschland ist in allen Sektionen des Festivals, das bis zum 17. August mehr als 200 Kurz-, Spiel- und Dokumentarfilme zeigt, kraftvoll präsent. In der internationalen Konkurrenz von 17 Spiel- und Dokumentarfilmen um den Hauptpreis, den Goldenen Leoparden, tritt der deutsche Spielfilm „Das freiwillige Jahr“ an. Das Regie-Duo Ulrich Köhler und Henner Winckler beleuchtet darin ein Vater-Tochter-Drama im Spannungsfeld gesellschaftskritischer Fragen. Der Film wird in Locarno seine Weltpremiere feiern.

Im Rahmen der abendlichen Freiluftaufführungen für jeweils etwa 8000 Zuschauer auf der Piazza Grande des malerischen Ortes am Schweizer Ufer des Lago Maggiore wird der Thriller „7500“ seine Uraufführung feiern. Regisseur Patrick Vollrath, 2015 bekannt geworden durch den Gewinn des Studenten-Oscars für den Kurzfilm „Alles wird gut“, hat dort keine Chance auf den Goldenen Leoparden, denn der Film um einen Terroranschlag auf einen Linienflug läuft außer Konkurrenz. Aber er könnte, wie zuletzt vor vier Jahren „Der Staat gegen Fritz Bauer“, den begehrten Publikumspreis nach Deutschland holen.

Auch im Nachwuchs-Wettbewerb hat das deutsche Kino Aussichten auf eine Auszeichnung: Elsa Kremser und Levin Peter zeigen dort „Space Dogs“. Der filmische Essay erkundet den Alltag in Moskau, einst und jetzt. Ausgangspunkt des originellen Films ist das Leben und Sterben der Hündin Laika, des ersten Lebewesens, das 1957 von den Sowjets ins All geschickt wurde.

Die Konkurrenz dürfte allerdings stark sein. Die Französin Lili Hinstin, die das Festival erstmals leitet, betonte im Vorfeld, dass die Auswahl auf hohe Qualität setzt, auf eine kluge Balance von Publikumswirksamkeit und gesellschaftspolitischem Anspruch.

Aber es wird auch Glamour versprochen. Dafür sollen Stars wie Hilary Swank, die einen Ehrenpreis bekommt, und Joseph Gordon-Levitt aus Hollywood sorgen. Er hat sich vorgenommen, den Spielfilm „7500“, in dem er die Hauptrolle spielt, am Wochenende persönlich am Lago Maggiore zu präsentieren.

 

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