Filmfest in Toronto Hitler als imaginärer Freund in Anti-Hass-Satire

Taika Waititi (l) als Adolf und Roman Griffin Davis als Jojo und in einer Szene des Films "Jojo Rabbit" (undatierte Filmszene). Der Film kommt am 23.01.2020 in die deutschen Kinos. Foto: -/Twentieth Century Fox/dpa

TORONTO. Ein kleiner Junge und sein imaginärer Freund - nichts Ungewöhnliches im Leben eines 10-jährigen Kindes. Was aber, wenn der Freund Adolf Hitler heißt, stolz die NS-Uniform spazieren trägt und seinem jungen, leicht zu beeindruckenden Kumpanen Anti-Juden-Tiraden einflüstert? Dann darf gelacht werden, zumindest im Fall von „Jojo Rabbit“: Im Film von Regisseur Taika Waititi („Thor: Ragnarok“) wird die imaginäre Freundschaft von Jojo (Roman Griffin Davis) und Hitler (Waititi) zum satirischen Seitenhieb auf Nazi-Ideologien.

Waititi, der seinen Film bei der Weltpremiere in Toronto am 8. September als „Anti-Hass-Satire“ vorgestellt hatte, gewann am Sonntag den Publikumspreis des 44. Toronto International Film Festival (TIFF). Beim TIFF wählt traditionell das Publikum an Stelle einer Jury den Gewinner. Der neuseeländische Regisseur bedankte sich mit einem Video auf dem Kurznachrichtendienst Twitter und dem Appell, dass es auf der Welt keinen Platz für Hass und Intoleranz gäbe. „Lasst uns dem ein Ende setzen und es durch Liebe ersetzen“, so Waititi.

Der Film zeigt wie hassvolle Gedanken gestoppt werden können

Und so ist Waititis „Jojo Rabbit“ letztendlich weniger eine Geschichte über Hitler, sondern vielmehr über die Kraft von Liebe, Mut und dem Willen, sich für das Gute einzusetzen. Der Film zeigt im komödiantischen Gewand, wie Kinder zu Hass geführt werden können, wie leicht sie zu beeinflussen sind - und wie hassvolle Gedanken gestoppt werden können.

Im Mittelpunkt des Films steht der 10-jährige „Jojo Rabbit“. Den Spitznamen trägt er, seit er sich während eines Trainingswochenendes der Hitlerjugend geweigert hat, einem Hasen den Hals zu brechen. Er lebt mit seiner alleinerziehenden Mutter, gespielt von Scarlett Johansson, und wünscht sich - auf der Suche nach einer Vaterfigur - nichts sehnlicher, als Hitler zum Freund zu haben. Während Nationalsozialismus und Hitlerjugend für jedes Kind zum Alltag werden, beginnt Jojo, sich mit seinem „Freund“ Hitler zu beraten.

Jojo setzt sich mit seinen Ängsten auseinander

Mit selbstgefälliger Kühnheit, ständigem Augenzwinkern und stellenweise reinem Klamauk lässt Waititi seinen Hitler als verrückten, imaginären Freund für maximale Lacher über die Leinwand schreiten, hüpfen und poltern. Ernstnehmen kann man seine überzogenen Thesen als Zuschauer nicht. Jojo wiederum glaubt fest an das, was ihm Hitler erzählt.

Jojos Denken beginnt sich allerdings langsam zu wandeln, als er eines Tages herausfindet, dass seine Mutter das jüdische Mädchen Elsa (Thomasin McKenzie) im Haus versteckt. Der Junge erkennt, dass Elsa kein bisschen dem dunklen, boshaften Bild entspricht, das sein „Freund“ von Juden zeichnet. Das Mädchen schafft es schließlich, Jojos Sichtweise auf die Welt zu ändern und bringt ihn dazu, sich mit seinen Ängsten auseinanderzusetzen.

Wir müssen neue Wege finden, um mit Liebe die Welt zu verändern

Trotz der vielen Comedy-Szenen und den witzigen Einlagen von Stars wie Sam Rockwell und Rebel Wilson als Nazi-Kapitäne bei der Hitlerjugend, ist „Jojo Rabbit“ nicht nur lustig, sondern auch komplex - vor allem dank Johanssons Darstellung einer konfliktreichen Mutter. Jojos Mutter weiß, dass sie zum Schutz ihrer Familie trotz ihrer inneren Überzeugung nach Außen hin der Ideologie der Nazis folgen muss. Ihr Leben wird zum Balanceakt: Um nicht aufzufallen, ermöglichst sie ihrem Sohn widerwillig, Mitglied der Hitlerjugend zu sein, während sie zu Hause die jüdische Elsa versteckt.

Ihr heimlicher Widerstand und ihr Einsatz für Elsa drehen langsam Jojos Glauben an das System um - der Junge begreift, dass sein Held es vielleicht doch nicht wert ist, angebetet zu werden. Dazu passt Waititis Statement beim Filmfest in Toronto, dass er seinen Film bewusst mit einer starken Botschaft ausgestattet habe: „Wir sagen „niemals vergessen nicht als Witz“. Aber wir müssen neue und erfinderische Wege finden, um Geschichten zu erzählen und mit Liebe die Welt zu verändern.“

 

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