Sie äußerte sich beispielsweise begeistert darüber, wie gut die Filmemacher die Atmosphäre der damaligen Zeit in der DDR hinbekommen hatten. „Als ich zum ersten Mal in das Studio kam, hatte ich das Gefühl, als ob ich wieder nach Hause komme.“ So gut sei die Einrichtung nachgebaut worden.

Nicht von Hubschraubern verfolgt

Auf die Frage, ob es bei der Flucht wirklich so knapp zugegangen sei, schüttelte Petra Wetzel den Kopf. „Nein, wir wurden in der Nacht nicht von Hubschraubern verfolgt. Richtig ist, dass uns die Scheinwerfer der Grenzer erfasst haben. Aber davon ging keine reale Gefahr aus.“ Richtig sei, dass die Stasi den Ehepaaren Wetzel und Strelzyk auf der Spur war, nachdem der zweite Ballon (mit dem die Strelzyks abgestürzt waren) entdeckt worden war.

Absurdität des DDR-System

Im Film wird der zweite Ballon bereits am Tag nach dem Absturz gefunden und bringt die Stasi auf den Plan. Die Realität zeigt aber die Absurdität des DDR-System. Ein damaliger Volkspolizist entdeckte beim Holz holen den in einem Baum hängenden Heißluftballon. Weil der Mann nur dienstlich, aber nicht privat ins Grenzgebiet durfte, meldete er den Fund nicht.

Der Ballon lag dort über 14 Tage, bis ihn Jäger fanden. Einer der unglaublichen Zufälle, die den Familien die Flucht ermöglicht hat. Stasi-Mann schob den Anhänger mit dem Ballon Mit einem breiten Grinsen erzählt Petra Wetzel auch, dass bei der Abfahrt der Familien zum Startpunkt ein Stasi-Offizier mitgeholfen hat, den Anhänger (in dem sich die Gondel befand) auf die Straße zu schieben. „Wenn der gewusst hätte, was unter der Plane versteckt ist!“

„Wir waren total angespannt"

Damals war ihr aber nicht zum Lachen zumute. „Wir waren total angespannt, was auch kein Wunder ist.“ Aber eigentlich war ihr nicht bewusst, wie gefährlich die Sache war, bis der Ballon mit den Strelzyks abstürzte. „Ich bekomme jedes Mal eine Gänsehaut, wenn ich das spannende Ende des Films anschaue, obwohl ich ja weiß wie es ausgeht.“ Jeder der Flüchtlinge hatte seine eigenen Gründe, warum sie bei der Aktion mitmachten. „Mir war es damals unheimlich wichtig, dass ich meine Mutti wiedersehen kann.“

50-jährige Pflegemutter

Petra war als Baby zu einer 50-jährigen Pflegemutter gekommen. Als diese ins Rentenalter kam, durfte sie in den Westen zu ihren Verwandten. Die DDR untersagte der Tochter aber einen Besuch in Nürnberg, „angeblich weil ich nicht ihr leibliches Kind war, so was Absurdes.“ Doch die DDR-Agenten blieben auch nicht untätig, nachdem die Familien längst in Franken lebten. „Wir hatten jahrelang keinen Kontakt mit dem Osten, weil wir nicht wollten, dass Freunde und Verwandte Probleme mit der Stasi bekommen.“

Die Wetzels haben sich die Unterlagen nach der Wende angeschaut: Es sind tausende von Seiten, die in zwölf Ordnern abgeheftet sind. Bei der Sichtung der Papiere lasen sie, dass sogar Peter Wetzels Onkel ein Spitzel war. „Er hat uns in den 80er Jahren nach Ungarn eingeladen, um mit ihm dort Urlaub zu machen. Das haben wir natürlich abgelehnt. Die Stasi wollte uns doch von dort in die DDR zurückbringen.“

Polizei um Hilfe gebeten

Eine andere Episode gruselt Petra Wetzel im Nachhinein noch. Denn eines Tages bekam sie Besuch von einem Renter-Ehepaar. „Das war noch in Naila. Die beiden versuchten uns zu einer Rückkehr zu überreden. Uns würde nichts geschehen, hieß es. Die beiden machten Andeutungen, dass sie wüssten, wo meine Kinder in den Kindergarten gehen.“ Das war zu viel für die Wetzels. Sie baten die westdeutsche Polizei um Hilfe. Die Beamten versprachen sofort zu kommen, wenn sie gerufen würden. „Eines Tages war es so weit. Als die Rentner wieder gingen, meldete ich das der Polizei, die nach acht Minuten bei uns war. Von den Rentnern keine Spur. Ich glaube, dass sie später in Hof aufgegriffen worden sind.“

Schüler hören gespannt zu

Geschichten wie diese erzählt Petra Wetzel Schülern, wenn sie von Lehrern eingeladen wird, in die Klasse zu kommen. In Pegnitz haben sich Schulklassen den Film angesehen. „Die 15- bis 16-Jährigen wissen recht wenig über die Zeit vor der Wende. Sie erschrecken regelmäßig, wenn ich ihnen sage, dass man für einen politischen Witz, wie sie heutzutage gang und gäbe sind, in der DDR drei Jahre lang ins Gefängnis wanderte. Die Jugendlichen können sich heutzutage auch nicht vorstellen, dass wir nicht jeden Beruf erlernen konnten. Den bestimmte der Staat, wenn man nicht Parteimitglied war.“

Insgesamt gesehen erinnert sie sich lediglich gern an ihre Kind- und Schulzeit, als die SED noch nicht entscheidend in ihr Leben eingriff. Nach der Wende suchte Petra deshalb gleich wieder Kontakt zu ihren alten Schulfreundinnen. Mittlerweile gibt es regelmäßig Klassentreffen, „Pößneck und Thüringen sind ja nicht weit“, so die Neu-Pegnitzerin.


Info: Diese Ballonflucht war nicht die einzige dieser Art. Tragisch endete im März 1989 der Fluchtversuch mit einem Gasballon von Winfried Freudenberg. Er schaffte es zwar von Ost- nach Westberlin stürzte dann über Zehlendorf ab und erlag wenig später seinen Verletzungen.