Filiale in der Opernstraße geschlossen Bayreuth: Schon wieder eine Metzgerei zu

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Die Metzgerei Hoch ist zu. Foto: red

Vor wenigen Wochen hat erneut eine Metzgerei in Bayreuth geschlossen: In der Stadtmetzgerei Hoch in der Opernstraße 9 gingen die Lichter aus. Das Sterben der kleinen Metzgereien setzt sich fort.

Bereits im Juli 2014 schloss das Hoch-Stammhaus in der Ludwig-Thoma-Straße 25. Die Metzgerei firmierte als Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt), im September 2014 wurde das Insolvenzverfahren eröffnet. Die Filiale in der Opernstraße wurde vor Insolvenzantragsstellung im Juli 2014 an die „Mahlzeit Mensen und Kantinen Betriebs UG (haftungsbeschränkt)“ verkauft, teilte der Fachanwalt für Insolvenzrecht, Peter Roeger aus Bayreuth, auf Anfrage mit.

„Mahlzeit“-Geschäftsleiterin ist Ursula Hoch, die frühere Chefin der Metzgerei. Sie wollte sich zu den Gründen der Insolvenz nicht äußern. Wie Roeger erläuterte, hätten insgesamt zehn Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verloren, die Verbindlichkeiten beliefen sich auf eine sechsstellige Summe. Größte Gläubiger seien Sozialkassen, das Finanzamt und Schlachthöfe.

Bereits im Oktober 2012 hatte die Metzgerei Gabler Insolvenzantrag gestellt. Michaela Gabler führte den Stammsitz in der Glocke unter dem Namen „Metzgerklasse Servicegesellschaft UG“ weiter. Zwei Filialen wurden geschlossen. Auch die Metzgerei Weiss auf dem Bayreuther Marktplatz hatte im Frühjahr 2012 nach einer Insolvenz dichtgemacht.

"Wenn der Umsatz fehlt, gibt es Probleme"

Innungsobermeister Martin Imhof sieht den Niedergang der kleinen Metzgereien vor allem in der  Konkurrenz der Discounter und Supermärkte begründet. „Wir haben relativ geringe Produktionsmengen bei hohen Kosten“, sagte der selbstständige Metzgermeister. Die Supermärkte böten ihre Sonderangebote teilweise zu Preisen an, für die ein Metzger normalerweise einkaufe.

Aber Imhof klagt auch über steigende Kosten für Personal, Geräte und Maschinen. „Wenn der Umsatz fehlt, gibt es Probleme.“ Für die mittelständischen Metzgereien sprächen die hohe Qualität, die regionale Herkunft des Fleisches und der persönliche Kontakt zu den Kunden.

Wenn in der eigenen Familie kein Nachfolger da sei, werde es schwierig. „Es finden sich keine Meister und Gesellen mehr, die eine Metzgerei gegen eine Ablöse übernehmen“, sagt der 71-Jährige.

2013 waren in der Stadt neun Metzgerlehrlinge in Ausbildung. Imhof, der seit mehr als 50 Jahren Metzger ist, hat Glück: Sein Sohn wird demnächst übernehmen. Die prekäre Nachwuchssituation zeigt sich auch im Beruflichen Schulzentrum in Kulmbach. Dort besuchen derzeit 27 Metzgerlehrlinge aus den Räumen Lichtenfels, Kronach, Kulmbach und Bayreuth in drei Jahrgangsstufen den Blockunterricht. „Deren Zahl ist eher abnehmend“, bedauerte Schulleiter Joachim Meier. Die Entwicklung sei nicht aufzuhalten, immer mehr Kunden kauften in Supermärkten ein. „Metzger ist schon fast ein exotischer Beruf“, so sein Fazit.

Das Metzgerhandwerk hat ein Imageproblem

Die Handwerkskammer für Oberfranken spricht von einem Strukturwandel hin zu Discountern und Supermärkten. Der Trend gehe zu größeren Betrieben, sagt Pressesprecherin Kerstin Spieler. Um Bestehen zu können, müssten sich kleine Metzger durch Regionalität und Qualität abheben. Das Metzgerhandwerk habe bei jungen Leuten ein Imageproblem. Die Kammer wirbt auf Messen für den Beruf.

Insgesamt wird weniger Fleisch gegessen. Laut Deutschem Fleischerverband verzehrte jeder Bundesbürger 2013 im Durchschnitt 60,4 Kilogramm Fleisch. Das waren 500 Gramm weniger als 2012.

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