Fifa 22 im Test Das taugt die neue Fußballsimulation

Es ist das beliebteste Computerspiel – 31 Millionen Mal wurde die letzte Version verkauft. Fifa 22 bietet neue Features, ein neues Gameplay – und man kann seinen eigenen Club gründen. Wir haben das Spiel getestet.

Stuttgart - Seit Monaten warten Fans der Fußballsimulation Fifa der kalifornischen Softwareschmiede Eletronic Arts (EA) auf Fifa 22, am 1. Oktober ist es so weit – dann gibt es den Titel in den Läden oder zum Download für alle. Das Spiel ermöglicht, mit realen oder frei zusammen gestellten Clubs und den Avataren von Lionel Messi, Cristiano Ronaldo und Co. zu spielen.

Wie üblich überboten sich im Vorfeld Gerüchte und Erwartungen und vorweggenommene Enttäuschungen. Was bietet der Titel in dieser Saison nach dem großen Erfolg von Fifa 21?

Das wichtigste: das neue Gameplay

Das Prinzip von Fifa ist seit 1993 eigentlich unverändert: man steuert mit einem Controller am PC oder der Playstation/Xbox eine Mannschaft und tritt gegen Computergegner oder andere Spieler online an. Jedes Jahr gibt es eine neue Version des Spiels mit den Kaderupdates der aktuellen Saison.

Am auffälligsten ist in diesem Jahr das völlig überarbeitete Gameplay. Wer Fifa 22 mit den neusten Konsolen (NexGen) wie der Playstation 5 spielt, profitiert von einer völlig neuen Abbildung der Spielerbewegung, der so genannten Hypermotion-Technologie. Dazu wurden reale Spieler in Ganzkörperanzüge gesteckt, um mit unzähligen Sensoren ihre Bewegungen zu erfassen und ins Spiel zu übertragen.

Aber auch wer auf herkömmlichen Konsolen oder am PC spielt, hat ein völlig neues Spielerlebnis. Die Künstliche Intelligenz (KI) des Spiels wurde überarbeitet – die Bewegungen der Spieler sowie des Balles im Match sind flüssiger und realistischer. Die KI spielt weniger roboterhaft und überrascht mit Steilpässen und wechselnden Strategien – was eine echte Herausforderung ist. Das Spielerlebnis wird dadurch aber abwechslungsreicher und spannender.

Create A Club: Den Dorfclub zum Erfolg führen

Es gibt zwei besonders populäre Spielmodi in Fifa: Die meisten Spieler bauen ein Football Ultimate Team (FUT), die sich aus realen Spielern zusammen setzt – und treten damit gegen andere an. Wer in den so genannten Weekend Leagues am Ende vorne liegt, dem winken Ruhm und auch beträchtlich Geld, es gibt „Pros“, also Profispieler und einen riesigen Werbemarkt.

Hier ändert sich vor allem die Qualifikation für die Weekend League – die so genannten Divison Rivals werden jetzt im Saisonformat (6 Wochen lang) ausgetragen, jeder kann in der untersten Divison 10 starten. Zudem ist das Belohnungssystem transparenter: Wer an der Weekend League teilnimmt, erhält Packs mit neuen Spielern – zusätzlich gibt es am „Saisonende“ auch noch Belohnungen. Die Weekend League selbst wird mit einem Champions-Finale anders strukturiert.

Kleine Revolution im Karrieremodus

Die andere, vor allem im deutschsprachigen Raum sehr beliebe Spielvariante ist der Karrieremodus – hier managt man einen Verein und spielt dann mit der Mannschaft selbst. Und hier gibt es die wohl interessanteste und weitreichendste Neuerung: Create A Club, einen eignen Verein gründen.

Das eröffnet ein weites Feld an Möglichkeiten: Man kann seinen Lieblings-Dorfverein gründen, der Autor hat dies mit dem Club seines Heimatdorfes, dem SV Oberjesingen gemacht. Zu Beginn der Karriere kann man das Stadion, Trikots, Wappen, Vereinshymnen und Torhymnen sowie die Stärke und das Alter des Teams einstellen – und dann kann der Club in jeder beliebigen Liga der Welt starten.

Selten mochte man seinen Verein so in Fifa

Wenn dann – wie in unserem Langzeittest – der SV Oberjesingen in die zweite Liga aufgestiegen ist, in der zweiten Saison mit neuen Trikots im neuen Stadion zur Vereinshymne einläuft, schafft das schon ziemlich viel Identifikation mit dem Club, der dann irgendwann im Finale der Champions League gegen den FC Barcelona spielt. Aber man kann auch einen Starclub mit (zufällig generierten) Topspielern schaffen oder sich eine eigene Superliga bauen.

Und natürlich: Mit dem VfB Stuttgart nach oben

Und natürlich kann man auch wie gehabt eine Karriere mit dem VfB Stuttgart, dem FC Bayern München oder Manchester United starten. Oder mit Paris Saint-Germain, das mit Lionel Messi, Kylian Mbappe und Neymar auch in der Realität im Sturm ein Team hat, von dem Kritiker sagen, das komme eigentlich nur in Fifa 22 vor. Es gibt einige neue Videosequenzen und Zeitungsartikel im Spiel, das Training wurde leicht überarbeitet, sonst ist vieles so, wie man es kennt vom Vorgänger Fifa 21.

Spielerkarriere auch überarbeitet

Man kann auch ein junges Toptalent spielen, das sich einen Stammplatz erkämpfen und per Transfers zu einem Topclub hocharbeiten muss – auch hier gibt einige Verbesserungen. Wie etwa, dass man auch eingewechselt werden kann und nicht immer nur spielt oder auf der Bank sitzt. Das wichtigste ist, dass man seine Fähigkeiten individuell weiter entwickeln kann – und sich so das Vertrauen des Coaches erarbeitet.

Was für Kritikpunkte gibt es?

Neben den zum Start eines neuen Spiels üblichen Bugs, die sich bislang allerdings noch in Grenzen halten, ist der Hauptkritikpunkt jedes Jahr gleich: Das Spiel kostet je nach Version 70 bis 90 Euro, und ist im Kern doch nur ein besseres Update des Vorjahrestitels. Die Lizenzen für Spieler, Clubs und Logos sowie die Datenbank mit 16 000 Spielern sind das Herzstück des Spiels, Ronaldo und Messi sehen täuschend echt aus und verhalten sich auch auf dem Platz so wie in der Realität.

Das Update der Datenbank lässt sich EA viel kosten und geizt – trotz Millionenumsätzen vor allem mit dem FUT-Modus, bei dem man sich auch Punkte für bessere Spielerpacks kaufen kann – mit echten Erneuerungen. Die Reporterkommentare etwa im Spiel sind zu 95 Prozent seit Jahren die selben, eine grundlegende Reform des Karrieremodus gibt es nicht. Auch die Kritik am FUT-Modus, der einen erheblichen Teil der gesamten EA-Umsätze ausmacht, reißt nicht ab – manche werten das System als Glücksspiel, weil die Gier nach dem nächsten Spielerpack süchtig machen kann und viele verleitet, viel Geld auszugeben.

Nicht zuletzt gab es Kritik von Profispielern an der Vermarktung ihrer Konterfeis – bislang verlief diese jedoch im Sande. Schließlich profitieren sie selbst von den Erlösen durch die Lizenzgebühren.

Fazit: Lohnt sich Fifa 22?

In Fankreisen gibt es ein jährliches Ritual: Nie mehr werde man das überteuerte neue Spiel kaufen – und man tut es dann doch. Vermutlich wird auch Fifa 22 wieder alle Rekorde brechen. Der Lockdown hat PC-Spielen einen Boom beschert.

Es gibt aber auch gute Gründe, Fifa 22 zu erwerben: Das neue Gameplay macht – so viel kann man nach 26 Stunden Langzeittest sagen – richtig Spaß, weil die KI mehr wie ein Mensch denkt und spielt und es auch so aussieht. Hier löst EA fast den Anspruch an, ein neues Spiel zu bieten. Zudem ist die Karrieremodus-Community zurecht begeistert von Create A Club, auch wenn es dieses Feature so ähnlich in früheren Teilen schon mal gab.

Zum Autor

Redakteur und Blogger
Der Autor Rafael Binkowski ist im Hauptberuf Redakteur und Editor für das Politikressort von Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten. Privat spielt er leidenschaftlich Fifa 22 Karrieremodus und hat dazu einen eigenen Blog gegründet: https://fifa-karriere.com/

 

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