Feuerwehr nicht Mädchen für alles

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So mancher Einsatz geht über das eigentliche Spektrum der Feuerwehr hinaus. Foto: Archiv Foto: red

Ständig steigende fachliche Anforderungen, Bürokratie und der Stil der Feuerwehrspitzen veranlassten ehrenamtlich Aktive zu Kritik an der Führung des Kreisfeuerverbands und sogar am Bayerischen Feuerwehrverband. Dort ließ der Einsatz gegen den Schwelbrand in den Reihen der Ehrenamtlichen nicht lange auf sich warten.

 
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Einer der Vorwürfe in Krögelstein lautete, die Feuerwehrführung - zuständig für den westlichen Landkreis ist Kreisbrandinspektor Armin Meyer - säße "auf einem hohen Ross“. Dazu lässt Kreisbrandrat Hermann Schreck mitteilen, es sei bedauerlich, wenn Aktive den Eindruck haben, dass die Feuerwehrführung „auf dem hohen Ross sitzt“. „Da wir allen Feuerwehrleuten stets auf Augenhöhe begegnen und uns ein kameradschaftliches Miteinander wichtig ist, dürfte dies nicht die Mehrheit der Aktiven so empfinden“, heißt es.

Aktive scheuen Verantwortung

Wie der Kurier berichtete, suchte die Krögelsteiner Wehr ein Jahr lang nach einem neuen Kommandanten. Dafür waren fünf Versammlungen nötig. Bis zum vergangenen Freitag scheuten die Aktiven die hohe Verantwortung und die Arbeitsbelastung. Wie es am Montag hieß, soll es während einer dieser Versammlungen zur Auseinandersetzung zwischen dem Kreisbrandinspektor Meyer und dem Kommandanten Siegbert Schmidt gekommen sein. Meyer habe Schmidt unter anderem vorgehalten, er hätte sich nicht rechtzeitig um einen Nachfolger gekümmert. Schmidt habe wegen der Vorwürfe die Versammlung verlassen. Er stand seit 1984 in der Verantwortung als Stellvertreter oder Kommandant.

Das Auftreten des Kreisbrandinspektors veranlasste die Krögelsteiner Ehrenamtlichen zu der Anregung: „Die sollen erstmal runter vom hohen Ross.“ Kreisbrandrat Schreck hatte der Versammlung am vergangenen Freitag zugesagt, ließ sich dann aber wegen Krankheit entschuldigen. Ihn vertrat die Kreisbrandinspektorin Kerstin Schmidt.

Berufliche Belastung ist da

Ein weiterer Vorwurf lautete, die Führung verlange eine immer höhere Qualifikation. Die lasse sich aber mit der wachsenden beruflichen Belastung kaum noch vereinbaren. Darauf entgegnet der Kreisfeuerwehrverband, das Spektrum der Einsätze habe sich ebenfalls stark verändert. „Dafür ist eine solide Ausbildung erforderlich, alles andere wäre Augenwischerei“, so Pressesprecherin Carolin Rausch. Mehr Leistung bei weniger Ausbildung könne nicht funktionieren. 

Der Kurier fragte auch, was die Feuerwehrführung angesichts des gewachsenen Drucks in der Arbeitswelt unternimmt, um die Aktiven zu entlasten. Dazu teilt der Kreisverband mit, sein Einfluss auf Gesetzgebung und Bürokratie sei beschränkt. „Wir versuchen, unseren Feuerwehren nützliche Informationen zu geben und ihnen zur Seite zu stehen“, so Pressesprecherin Rausch. 

Problem mit dem Nachwuchs

Den Feuerwehren fehlt bekanntlich der Nachwuchs. Zur Frage, wie der Kreisfeuerwehrverband jungen Leuten und Seiteneinsteigern den Dienst erleichtern will, teilt der Verband mit, grundlegende Ausbildungen für den Feuerwehrdienst könnten im Ort absolviert werden.

Kritisiert wird von Ehrenamtlichen auch, die Ausbildung dauere zu lang. Das halte junge Leute davon ab, bei der Feuerwehr mit zumachen. Dazu äußerte sich auch der Geschäftsführer des Landesfeuerwehrverbandes in Unterschleißheim. Uwe Peetz erinnert daran, dass die frühere Truppausbildung mit 187 Stunden durch die Modulare Truppausbildung ersetzt worden sie. Sie beinhalte 110 Stunden. „Hier von einer zu langen Ausbildung zu sprechen, ist nicht nachvollziehbar“, so Peetz.

Weiterer Stellvertreter möglich

Der Landesverband versuche ebenso, die Kommandanten in ihrer Arbeit zu entlasten. Dafür stelle der Verband ein Computerprogramm bereit, mit dem die Personal-, Material- und Geräteverwaltung einfach abgewickelt werden könne. Zudem könnten die Aktiven einen weiteren stellvertretenden Kommandanten wählen, um den angeblichen Bürokratieaufwand zu bewältigen.

Peetz äußerte sich auch zur Vereinbarkeit von Feuerwehrdienst und Beruf. Der Verband werbe bei der bayerischen Wirtschaft seit langem um Verständnis für die ehrenamtlichen Feuerwehrdienstleistenden. Peetz wörtlich: „Allerdings muss vielleicht auch ein Umdenken in den Köpfen mancher Feuerwehrler, aber auch in der Bevölkerung stattfinden. Feuerwehr kann und darf nicht Mädchen für alles sein.“ Nicht jeder abgebrochene Ast, der in die Fahrbahn ragt, erfordere einen Feuerwehreinsatz, sagt Peetz.

Vorwürfe gegen den Landesverband

In Neuenmarkt war dem Landesverband vorgeworfen worden, er tue zu wenig gegen die Auflösung von kleinen Feuerwehren. So seien in den vergangenen fünf Jahren 75 Wehren verschwunden. Dem hielt Peetz entgegen, der Verband führe seit 2011 ständig Mitglieder- und Imagekampagnen, die auch fruchten.

Aktive Feuerwehrleute murren übrigens auch im Hummelgau, wie der Kurier erfuhr. Auch dort stören sich Ehrenamtliche an den gestiegenen Anforderungen, die Kreisbrandrat Schreck und Kreisbrandinspektor Meyer an ihre fachliche Qualifikation stellen.

Zwei Frauen stimmten Aktive um

Wie am Montag berichtet, hatte die Krögelsteiner Feuerwehr ein Jahr nach einem neuen Kommandanten und einem Stellvertreter gesucht. Erst am vergangenen Freitag war es der Kreisbrandinspektorin Kerstin Schmidt und Bürgermeisterin Karin Barwisch gelungen, zwei Aktive fürs Kommandantenamt und den Stellvertreterposten zu gewinnen. Barwisch hatte bereits früher auf die Belastung der Feuerwehrleute aufmerksam gemacht.

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