Festspielhaus Füssen meldet Insolvenz an

„Ludwig²“ - und wieder eine Pleite. Dieses Mal allerdings ist nicht das Musical über den Märchenkönig selbst in Gefahr. Das Festspielhaus ist insolvent. Der Traum vom „Kini“ kommt trotzdem auf die Bühne.

Archivfoto: dpa Foto: red

Das Festspielhaus Füssen hat einen Monat vor der mit Spannung erwarteten Premiere des Musicals „Ludwig²“ Insolvenz angemeldet. Das Musical werde aber wie geplant aufgeführt, teilte eine Sprecherin des Festspielhauses im Auftrag des Insolvenzverwalters am Donnerstag mit. „„Ludwig²“ ist nicht in Gefahr.“ Der legendäre bayerische „Märchenkönig“ Ludwig II. kehrt somit wie geplant vom 11. August bis zum 4. September auf die Bühne zurück.

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Das Musical, das im April 2000 Premiere in Füssen feierte, hatte bereits zwei Mal wegen finanzieller Schwierigkeiten eingestellt werden müssen. Ein dritter Versuch, ein „Kini“-Musical in Kempten zu etablieren, scheiterte ebenfalls. Bei dem neuen Projekt mit dem sinnfälligen Untertitel „Der König kommt zurück“ sind die Produktion des Musicals und der Betrieb des Hauses voneinander getrennt.

„Es gibt überhaupt keine Zweifel, dass „Ludwig“ gespielt wird. Wir haben die schriftliche Zusage“, sagte Regisseur Benjamin Sahler. „Die Stadt, der Bürgermeister - alle wollen um jeden Preis das Musical haben.“ Schon jetzt seien knapp 50 Prozent der Karten verkauft. „Das ist wesentlich mehr, als die Produktionsgesellschaft sich erhofft hat. Der Ticketverkauf läuft wie verrückt.“

Die Betreiberin des Hauses, die Musiktheater Füssen Besitz GmbH & Co. KG, hatte den Angaben zufolge bereits am Montag beim Amtsgericht Kempten Insolvenzantrag gestellt. Bis Anfang September sollen aber alle Vorstellungen im Festspielhaus und im Barockgarten planmäßig über die Bühne gehen, wie der Münchner Insolvenzverwalter Marco Liebler mitteilte. Auch andere Veranstaltungen wie die Auftritte von Rapper Cro sowie Sarah Connor werden somit stattfinden.

Ziel sei es nun, einen Investor zu finden, der das Theatergebäude und den Geschäftsbetrieb übernehme und weiterführe, erläuterte Liebler, der bereits in den Jahren 2004 und 2007 das Musiktheater insolvenzrechtlich abgewickelt hatte. „Interessenten sind bereits vorhanden.“ Gespräche würden in der nächsten Woche geführt.

„Es ist natürlich schwierig, wenn man keine öffentlichen Zuschüsse hat“, sagte Regisseur Sahler. „Dass ausgerechnet vier Wochen vor der Premiere das Geld ausgeht, ist natürlich eine unglaubliche Geschichte. Es ist aber genauso wichtig klarzustellen: Wir haben damit nichts zu tun.“ Um kein Risiko einzugehen, hatte Sahler für das Projekt mit Hilfe eines Crowdfundings im Internet Geld gesammelt. Unterstützer hatten sich bei der Aktion vorab Tickets gesichert.

Sahler schwärmt von dem seinerzeit eigens für das Musical gebauten Festspielhaus. Es steht in Sichtweite von Schloss Neuschwanstein am Ufer des Forggensees und sollte ein dauerhaftes Musical über Leben und Tod von Ludwig II. beherbergen. Es ist der Architektur des Festspielhauses in Bayreuth nachempfunden und verfügt über ein riesiges Wasserbecken, in dem der dramatische Untergang des Königs inszeniert wurde. „Es ist eines der schönsten Theater der Welt.“

dpa