Festakt am Samstag läutet ein Jahr im Zeichen der Freundschaft ein 50 Jahre Jumelage mit Annecy

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Städtepartnerschaften hat Bayreuth mehrere. Zu Prag VI, zu Tekirdag, zu La Spezia, zu Rudolstadt in die Region Burgenland. All diese Partnerschaften werden gelebt, haben einen mal mehr, mal weniger intensiven Austausch. Keine aber ist so intensiv wie die Städtepartnerschaft zwischen Bayreuth und Annecy. Im Sommer werden es 50 Jahre Städtepartnerschaft. Gefeiert wird ein ganzes Jahr lang. Auftakt ist am Samstag mit einem Festakt. Und einem Tanz.

Die Vorgeschichte der Partnerschaft: Es ist dünnes Eis. Sehr dünnes Eis. Sagt Sabine Haberland, die bei der Stadt im Hauptamt für die Partnerschaft zu Annecy zuständig ist und die auch die Feierlichkeiten zum Jubiläum organisiert. Denn wenn man nach dem Vater der Partnerschaft zwischen den Städtenfragt, dann gibt es mehrere Antwortmöglichkeiten. Ein Name allerdings wird sehr oft genannt. Es ist der von Peter Färber, der 2009 mit 86 Jahren gestorben ist. 30 Jahre lang war er ab 1966 Stadtrat, fast genauso lang stellvertretender Bürgermeister. Ehrenbürger der Stadt. Ehrenbürger von Annecy. Ritter der französischen Ehrenlegion. Peter Färber, sagt Sabine Haberland, war sicher einer derjenigen, die die Partnerschaft eingefädelt haben. "Oskar Sauer, Helmut Künzel und Luise Dietzfelbinger gehörten auch zu der Gruppe dazu", sagt Sabine Haberland.

Eine Freundschaft im Lazarett

Aber: "Die Ursprünge der Partnerschaft reichen noch weiter zurück. Auf eine Freundschaft des Bayreuther Soldaten Karl Bühler und des französischen Arztes Paul-Louis Servettaz." Knapp 22 Jahre, bevor die Bürgermeister der Städte Bayreuth und Annecy ihre Unterschrift unter den Partnerschaftsvertrag setzten, lernten sich die beiden Männer kennen. Der eine verwundet im Lazarett, der andere der Arzt. "Die beiden haben über Jahre einen engen Kontakt gehalten, bevor der ersten Vorschlag für die Partnerschaft kam", sagt Haberland.

Die Färbers und Frankreich: Jürgen Färber (51) kennt die Geschichte der Jumelage von Bayreuth und Annecy wie wenige andere. Sie gehört zu seiner Familie dazu. Weil sein Vater Peter die Freundschaft zu Frankreich zum Teil der Familie und des Lebens gemacht hat. Annecy nennt Jürgen Färber "meine zweite Heimatstadt". Mit fünf Jahren war er zum ersten Mal dort. Später hat er dort gelebt und gearbeitet. Frankreich ist für ihn, was es für seinen Vater war: "Mein Vater hatte das Glück, dass er seine Liebe zu dem Land und zur Kultur Frankreichs entdeckt hat. Das machte ihn zum Ansprechpartner für alle möglichen Gruppen."

Die Geschichte Peter Färbers ähnelt der von Karl Bühler. "Mein Papa wurde 1942 eingezogen und kam 1944 in Frankreich in Gefangenschaft. Er wurde zu einem Bauern in der Nähe von Toulouse gebracht. Mit der Familie verstand er sich sehr gut." Als nach dem Krieg der deutsch-französische Freundschaftsvertrag geschlossen wurde, dauerte es nicht lange, bis der Jugendaustausch intensiviert wurde. Eine Schule aus Amiens knüpfte Kontakt zum Richard-Wagner-Gymnasium, auf einer Tagung in Wetzlar traf Färbers Lehrer-Kollegen Oskar Sauer auf Karl Bühler, der nach dem Krieg eine Französin geheiratet hatte und in Avignon geblieben war. "Sauer gab Bühler die Adresse meines Vaters als Kontakt am Gymnasium Christian-Ernestinum (GCE). Bühler sagte, er kenne jemanden in Annecy: Paul Servettaz. Und Annecy hatte noch keine Partnerstadt."

Annecy war Hochburg der Résistance

Erste Kontakte seien nicht ganz einfach zu knüpfen gewesen, denn Annecy war eine Hochburg des Widerstands, der Résistance. "Es gab viele offene Wunden aus der Zeit des Krieges", sagt Färber. Dennoch: Aus ersten Kontakten wird mehr. Zwischen den Städten. Zwischen den Menschen. "Mein Papa hatte über Jahrzehnte eine sehr enge Freundschaft mit André Fumex, dem damaligen Oberbürgermeister, mit Paul Servettaz, mit dem späteren Bürgermeister Charles Bosson." Färber sagt, für ihn sei nach allen Erfahrungen, die seine Familie mit der Jumelage verbinden, "die Freundschaft Frankreichs und Deutschlands nach wie vor die Basis Europas. Und es ist alle Anstrengung wert, die Freundschaft als Basis für den Frieden in Europa zu erhalten".  

So feiert Bayreuth: Die Stadt Bayreuth will die Partnerschaft mit Annecy ein Jahr lang feiern. 36 Veranstaltungen gibt es bislang. Alle sind Veranstaltungen, für die sich Bürger engagieren. Junge Bayreuther, ältere Bayreuther. "Die Idee war, Schulen und Vereine mit einzubinden. Wir haben viele Angebote, werden auf der Landesgartenschau präsent sein, Kochkurse machen, deutsch-französische Spaziergänge anbieten." Der Auftakt ist symbolträchtig gewählt: "Der letzte Ball der Stadt in der Stadthalle für die nächsten Jahre."

Deshalb kommt am Freitag eine 14-köpfige Delegation aus Annecy nach Bayreuth. "Am Samstag gibt es früh um 10 Uhr einen Festakt im Rathaus, zu dem auch der französische Botschafter Philippe Etienne und der Genaralkonsul Jean-Claude Brunet nach Bayreuth kommen." Abends dann der längst ausverkaufte Ball, den die Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe und der Bürgermeister von Annecy, Jean-Luc Rigaut mit einem Tanz eröffnen werden. "Der Partnerschaftsvertrag ist zwar am 23. Juli 1966 in Bayreuth und Anfang August des selben Jahres in Annecy unterzeichnet worden, aber wir wollten das Jahr mit dem Ball einläuten", sagt Haberland. Vom 4. bis 6. März wird der Gegenbesuch in Annecy stattfinden. 

   

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