Fast überall wird öffentlich die Weltmeisterschaft geschaut Fußball-WM: Bayreuth bereitet sich auf die Public Viewings vor

Von und Frank Schmälzle

Das Fußballfieber steigt. Ab Donnerstag, 22 Uhr, rollt der Ball in Brasilien. Samba unterm Zuckerhut mal anders. Dem Trend der vergangenen Jahre folgend, setzt nahezu jeder Gastronom auf die Weltmeisterschaft: Fernseher in großen Formaten, oder gleich Leinwände stehen bereit. Auch Bayreuth bereitet sich auf den großen Ansturm vor.

 Foto: red

„Deutschland gegen Brasilien, das wäre natürlich die beste Endspielkonstellation“, sagt Axel Gottstein vom Verein Bayreuth Event und Festival – um gleich nachzuschieben, dass er nicht unbedingt der größte Fußballfan sei. Der Verein bietet Fußball, zumindest die deutschen Spiele, auf einer Bühne am Ehrenhof an, die am Wochenende aufgebaut wird. Rechtzeitig vor dem ersten deutschen Spiel gegen Portugal am Montag. „Eine LED-Wand mit 15 oder 16 Quadratmetern“, sagt Gottstein. „Mit deutlich besserer optischer und akustischer Qualität als bei der Europameisterschaft – damals standen wir ja am Stadtparkett.“ Zwischen 500 und 2000 Fans rechnet Gottstein pro Spiel. Abhängig vom Wetter.

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Die Wand und die Bühne bleiben auch beim Bürgerfest stehen, „das ist ja das Viertelfinal-Wochenende“, sagt Verkehrsdirektor Jan Kempgens. Die Bayreuth Marketing- und Tourismus- GmbH (BMTG) betreffe das öffentliche Fußballschauen deshalb „an sich nur während des Bürgerfestes“. Neben diesem Angebot im Ehrenhof geht Kempgens jedoch davon aus, dass nahezu jeder Gastronom selbst mindestens für einen Fernseher sorgen wird, um die Spiele zu zeigen.

Das bestätigt Peter Rutzenhöfer, Vorstand der Bayreuther Bierbrauerei AG: In den Vorjahren hat die Brauerei immer das Aktien-Pilsner-Fußball-Fieber ausgerufen, wenn eine internationale Meisterschaft anstand, „heute hat jede Kneipe ihre Leinwand und jeder Wirt macht sein eigenes Ding, das ist auch in Ordnung so“, sagt Rutzenhöfer. Natürlich zeigt auch das Kino Cineplex ab Montag wieder die Spiele mit deutscher Beteiligung live. Auch am Volksfest laufen viele Spiele live.

Fußballfieber auf dem Herzogkeller

Den wohl größten Aufwand unter den Gastronomen treibt Sandro D’Ambrogio: Der Herzogkeller, den D’Ambrogio zusammen mit Andy Göß betreibt, ist auch eine der größten Bühnen für König Fußball. „Zwischen 1000 und 1400 Mann hatten wir eigentlich immer“, sagt D’Ambrogio. In der Sommerhalle des Biergartens hängen zwei Leinwände, außen ist eine installiert. „Dazu noch einige Flachbildschirme, damit auch wirklich von jedem Platz des Herzogkellers aus Fußball geschaut werden kann. Das ist ein riesiger Aufwand im Vorfeld.“ Technisch, finanziell und logistisch. Denn es geht auch ums Personal: Mit bis zu 25 Mann werden deutlich mehr Mitarbeiter im Einsatz sein als sonst. „Ich habe 2000 Gläser zusätzlich bestellt von der Brauerei. Wir stellen noch einen Schankwagen auf, haben noch einen Kühlwagen, weil die Kapazitäten sonst nicht reichen, die wir hier oben haben“, sagt D’Ambrogio.

Das Angebot, mitten in der Stadt unter freiem Himmel Fußball schauen zu können, nimmt D’Ambrogio sportlich: „Ein Ansporn für uns, die Leute zu ziehen, die bislang bei uns Fußball gemeinsam geschaut haben.“ Der Chef des Herzogkellers hofft, dass die deutsche Mannschaft mindestens bis ins Halbfinale kommt: „Das muss drin sein. Nicht nur, dass sich bei uns der ganze Aufwand lohnt.“


Das sagen Anwohner zur WM

Gemischte Gefühle vor Beginn der Fußballweltmeisterschaft bei Anwohnern in der Innenstadt: Ihnen stehen heiße Fußball-Abende mit Public Viewing unter freiem Himmel ins Haus. Die einen freut’s, weil Leben in die Stadt kommt. Die anderen machen sich Sorgen. Weil es nachts laut werden könnte.

Claus Thelemann wohnt mitten auf dem Marktplatz – und ist entspannt. „Ich freue mich auf die WM“, sagt er. „Das werden sicher schöne Spiele und ich habe bislang keine schlechten Erfahrungen beim Public Viewing gemacht.“ Geguckt und gefeiert wird zwar auch auf dem Marktplatz, fast vor seiner Haustür, aber doch an den richtigen Ecken. Der Ehrenhof, auf dem die Großleinwand aufgebaut sein wird, ist weit genug weg von seinem Wohnzimmer. Und dass mal für ein paar Wochen mehr Leben in der Innenstadt ist, „ist doch gut“.
Stefan Schlags mag Fußball und will wahrlich keine Spaßbremse sein. Aber er macht sich seine Gedanken. Denn wenn Fußball live in der Innenstadt gezeigt wird, gehen nach dem Schlusspfiff lange noch nicht alle Fans nach Hause. Die WM-Gruppenphase macht Schlags, der an der Von-Römer-Straße wohnt und für die Grünen und Unabhängigen im Stadtrat sitzt, weniger Sorgen. Nur einmal spielt die deutsche Mannschaft während der Vorrunde ab 21 Uhr.

Kritisch wird es ab den Achtelfinalspielen. Anstoß: 22 Uhr, Abpfiff: frühestens 23.45 Uhr. „Selbst wenn dann alle Freischankflächen schließen würden“, sagt Schlags, „geht das Feiern sicher noch weiter.“ Zwei Stunden oder länger. Was ihn stört: Die Stadtverwaltung lässt die Fußballeuphorie einfach mal so auf sich zurollen. „Ich hätte mir gewünscht, dass es ein Konzept gibt, wie die Stadt wirklich eine halbe Stunde oder eine Stunde nach Abpfiff für Ruhe sorgen will.“ Ein abgestimmtes Vorgehen von Stadt, Polizei und Veranstalter. „Aber ein solches Konzept gibt es schlichtweg nicht.“

Kein Konzept? Stimmt nicht, heißt es aus dem Ordnungsamt im Rathaus. Alles ist geregelt – bis ins Detail: Der Veranstalter muss einen Sicherheitsdienst beauftragen, der für Ruhe nach dem Fußball sorgen soll. Dazu gehört auch, dass die Technik nachts nicht mehr abgebaut wird und dass Besucher nicht unnötigen Lärm verursachen. Vuvuzelas sind tabu. Auch eine Auflage: Die Public Viewings beginnen erst eine Stunde vor Anpfiff. Wann Schluss ist? „Erfahrungsgemäß ist mit einem schnellen Besucherabfluss nach Veranstaltungsende zu rechnen“, heißt es aus dem Rathaus – auch wenn Fans bei den Fußball-Großereignissen 2010 und 2012 bis tief in die Nacht so euphorisch gefeiert hatten, dass kurzfristig sogar der Stadtkernring gesperrt werden musste.

Foto/Archiv: Harbach