Die Untersuchung stammt von der Beratungsfirma Contor GmbH und der Zeitschrift Kommunal. Contor berät Kommunen und Unternehmen und führt Standort- und Strukturanalysen durch. Im aktuellen „Standortkompass“ untersucht das Unternehmen 585 Städte in der Größe von 20- bis 75 000 Einwohnern. Kleinere und mittelgroße Städte seien oft für Familien die attraktivere Wahl, heißt es in der Studie. „Denn was nutzt die Infrastruktur eines Ballungsraums, wenn sie marode oder verstopft ist und man Zielorte nur verspätet und mit Schwierigkeiten erreicht.“ Und weiter: „Was nutzt der Wunschort Großstadt, wenn dort Wohnraum gar nicht erst zur Verfügung steht oder nur zu Preisen, die insbesondere für Familien nur noch schwer zu tragen sind.“

Daher könnten sich Klein- und Mittelstädte als lebenswerte Alternativen für Familien anbieten. Auf den ersten drei Plätzen finden sich Passau, Ilmenau und Freising. Den vierten Rang nimmt Bayreuth ein. Eine von vier fränkischen Städten überhaupt, welche unter den ersten fünfzig Kommunen aufgezählt werden. Die anderen sind Kitzingen (Platz acht), Ansbach (Platz 15) und Forchheim (Platz 19).

Die Kriterien

Als Grundlagen wurden zum Beispiel die Bevölkerungsentwicklung, die Geburtenrate und die Arbeitslosenquote herangezogen. Auch die Verkehrsanbindung, der Bestand an Wohnungen, die Baulandpreise und der Sektor Erziehung und Unterricht spielten eine Rolle. Die jeweiligen Faktoren wurden indes unterschiedlich stark gewichtet. „In einer familienfreundlichen Stadt sollte die Einwohnerzahl möglichst wachsen oder zumindest relativ hohe Geburtenziffern aufweisen“, schreibt die Beratungsfirma in ihrer Studie. „Die Verkehrsinfrastruktur sollte ausreichend sein, um auch andere Städte und Regionen gut und schnell erreichen zu können. Die Wahrscheinlichkeit, von Arbeitslosigkeit und Insolvenzen bedroht zu werden, sollte gering sein. Die Region sollte einen gewissen Wohlstand bieten oder sich in positive Richtung bewegen. Im Vergleich mit anderen Städten und Regionen sollte viel Wohnraum zur Verfügung stehen und dies zu vertretbaren Preisen.“

Außerdem wurden die Schulabschlüsse und die Zahl der Schulabbrecher einbezogen. Erziehungs-, Unterrichts- und Bildungsangebote sollten zahlreich vorhanden sein.

Oberbürgermeister Thomas Ebersberger wertet das Ergebnis der Studie als gutes Signal. „Bayreuth hat sich über viele Jahre hinweg einen guten Ruf in Sachen Familienfreundlichkeit erarbeitet“, sagt Ebersberger auf Kurier-Anfrage. „Dies wird durch das aktuelle Ranking bestätigt. Was mich freut, denn Familienfreundlichkeit gehört heutzutage mehr denn je zu den wichtigen Standortfaktoren, die für die Einwohnerentwicklung, aber auch für die Dynamik des Wirtschaftsstandorts von großer Bedeutung sind.“

Einwohnerzahl steigt

Laut Statistischem Jahrbuch zählte die Stadt Ende 2019 rund 77 000 Einwohner. Im Jahr 2010 waren es lediglich um die 73 000 Einwohner. Die Geburtenrate blieb in etwa gleich hoch und lag 2018 bei 593 Geburten im Jahr. In der Stadt haben sich 5018 Unternehmen angesiedelt. Über die Hälfte der 48 000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten arbeitet im Dienstleistungssektor. 60,5 Prozent der Arbeitnehmer sind Pendler. Die Arbeitslosenquote lag im Vorjahr im Durchschnitt bei 4,2 Prozent. Das schulische Angebot in Bayreuth ist groß. An der Universität waren 2018/19 knapp 13500 Studierende eingeschrieben. Den Familien stehen 51 Kindergärten, Kinderkrippen und Horte zur Verfügung sowie 81 Kinderspielplätze und Bolzplätze sowie Sportanlagen für Basketball, Volleyball und zum Skaten.

Eine Daueraufgabe

Der Oberbürgermeister sieht Familienfreundlichkeit als Daueraufgabe, „der wir uns immer wieder aufs Neue stellen müssen. Denn was gut ist, kann auch noch besser werden.“ Denn es bestehe zum Beispiel im Bereich der Betreuungsplätze durchaus Optimierungsbedarf. Eine wachsende Stadt wie Bayreuth könne sich nicht auf dem Bestand ausruhen. Sie werde vielmehr immer wieder gefordert sein, entsprechende Angebote neu zu entwickeln.„Das Gleiche gilt auch für die Infrastruktur an Spielanlagen, an der wir weiter feilen wollen und bei deren Ausbau die Wünsche der Eltern, die an die Stadt herangetragen werden, eine wichtige Rolle spielen“, stellt Ebersberger fest.