Experten müssen zwischen Sicherheit und Landschaftsbild abwägen Pegnitz: Baumfällung erhitzt die Gemüter

Von Ralf Münch

Das Frühjahr ist die Jahreszeit, in der oft Baumfällarbeiten stattfinden. Wie vor kurzem im Wiesweiherpark. Oft haben manche Anwohner und Spaziergänger dafür kein Verständnis. Doch bei genauerer Betrachtung erweisen sich solche Maßnahmen als notwendig. Wie im Fall der morschen Stämme am Ufer der Pegnitz.

Mitarbeiter des Pegnitzer Bauhofs zeigen, wie morsch dieser Wiesweiher-Baum war. Foto: Münch Foto: red

„Die Menschen sehen zwar, dass hier Bäume gefällt wurden, sehen aber nicht warum. In diesem Fall hatten die Bäume Fäulnis im Stamm“, erklärt Rudolf Zeilmann. Er ist Forstbetriebswirt und bei der Stadt Pegnitz zuständig für Baumkontrollen. Im Bauhof sind Teile des Stammes aufbewahrt. Man kann sogar den Finger in die abgesägten Stücke drücken, so weich und morsch ist der innere Bereich.

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Am Berg hinauf zum Krankenhaus wurden auch Bäume abgesägt. „Hier ging es um das Ulmensterben. Es ist ein Pilz, der den Bäumen zusetzt“, so Zeilmann weiter.

Ein anderes Beispiel: An der Alten Poststraße wurden vor kurzem zwei alte Ahornbäume gefällt. Manchen gefiel das, manchen nicht. „Ich bin froh, dass die Bäume weg sind“, sagt Gunda Hartmann. Sie ist eine der Nachbarn der inzwischen nicht mehr existenten alten, rund 70 Jahren alten Bäume. „Mein Mann hatte bereits vor fünf Jahren einen Brief an die Stadt Pegnitz geschrieben. Er wollte, dass die Bäume gefällt werden. Immer wieder sind bei Stürmen Äste abgebrochen und auf die Straße gefallen“, fügt sie hinzu und meint, dass sie sich jetzt sicherer fühlt. Eine andere Anwohnerin, Ottilie Weih, deutet auf ein Haus auf der Straßenseite gegenüber: „Dort ist schon einmal ein Baum in das Vordach gekracht. Bereits im August haben die Bäume ihr Laub verloren. Das ist schon so richtig, dass die jetzt weggemacht wurden“, sagt sie. Nicht überall stoßen Baumfällarbeiten auf Wohlwollen. Denn wenn es um Bäume geht, dann wird von der Bevölkerung ganz genau aufgepasst. „Naja, in der Alten Poststraße gab es auch schon Anwohner, mit denen ich ganz schön heftige Diskussionen hatte. Die gibt es aber immer“, erklärt Rudolf Zeilmann. Der Forstbetriebswirt muss bestimmen, ob der Trupp mit der Motorsäge anrücken kann oder nicht. Oft macht er sich mit seiner Entscheidung auch zum Buhmann. Meistens helfe es jedoch, sagt Zeilmann, wenn man den Bürgern ganz vernünftig erklärt, warum Bäume gefällt werden müssen. Es gäbe aber auch immer wieder Situationen, in denen alle Erklärungen nichts nutzen.

Auch Hubertus Adam, Fachbereichsleiter für Gartenkultur und Landespflege beim Landratsamt Bayreuth, kann viele Geschichten über dieses Thema erzählen: „Was sind wir schon als Baummörder am Telefon beschimpft worden. Und wir haben uns da auch noch ganz andere Ausdrücke anhören müssen“, so Adam. Etwa, als beim Pegnitzer Krankenhaus Bäume gefällt werden mussten. Nicht, weil die krank waren, sondern weil sich die Bäume in der Einflugschneise des Rettungshubschraubers befanden. „Irgendwelche Experten hatten beschlossen, dass das so sein muss. Warum, kann ich aber auch nicht beurteilen. Es stand einfach eine Frage im Raum: Fällen wir die Bäume, damit das Krankenhaus weiter angeflogen werden kann, oder tun wir das nicht und das Krankenhaus wird nicht mehr angeflogen.“ Viel Wirbel gab es auch, als in Gesees bei Möbel Hertel eine alte Eiche (ein Naturdenkmal) zurückgeschnitten werden musste. „Man kann sich nicht vorstellen, was ich mir am Telefon für ein Geschrei anhören musste“, so Adam weiter.

Im Grund genommen sitzen die Verantwortlichen, die sagen müssen, ob Bäume gefällt werden müssen oder nicht, zwischen zwei Stühlen. Zum einen muss das Landschaftsbild, zu dem Bäume einen Großteil beitragen, erhalten werden. Zum anderen muss aber auch die Verkehrssicherheit gewährleistet sein. Soll heißen: Wenn ein Ast auf einen Fußgänger, ein Auto, oder auf ein Haus fällt, dann muss die Gemeinde, solange der Baum auf deren Besitz steht, dafür haften. Dazu soll es natürlich nicht kommen.

Werden also zur Vorsorge Bäume schneller gefällt, als es wirklich notwendig wäre? Dazu Zeilmann: „Wenn es um alte Bäume geht, die ein Ortsbild prägen, dann holen wir uns immer eine zweite Meinung. Denn wir sind auch nur Menschen und können dementsprechend Fehlentscheidungen treffen. Und bevor wir das tun, dann beraten wir uns lieber noch mit jemand anderem.“ Der Forstwirt fügt aber auch hinzu, dass es manchmal vielleicht besser wäre, die Öffentlichkeit über Medien im Vorfeld zu informieren, warum man wo Bäume fällt. Dann könnten vielleicht doch einige Missverständnisse von vornherein geklärt werden - und Beschimpfungen würden bereits im Keim erstickt.