Experiment gegen Fast Fashion Die neuen Sneakers grüßen von der Müllkippe

Judith A. Sägesser
Ein Start-up hat in einer Recherche gezeigt, was für einen Weg unsere Sneaker zurücklegen. Sie wollen nun eine nachhaltige Alternative schaffen. Foto: z/Monaco Ducks

Nach der Sneakerjagd im Jahr 2021 sammeln die Macher nun mit Partnern bei einem Crowd-Funding Geld für eine Geschäftsidee: ein nachhaltiger Turnschuh mit Botschaft.

Bisher gibt es drei Paar, doch auf diese Sneakers richten sich große Hoffnungen. Ein Rohstoff für die Sohlen ist ein Granulat aus Müll. Das Sneaker-Experiment, für das am 4. Oktober ein Crowd-Funding startet, will mehr, als einen nachhaltigeren Schuh auf den Markt bringen. Es ist Teil zwei der Sneakerjagd. Unter diesem Titel hatte das Recherche Start-up Flip 2021 zusammen mit dem NDR und der „Zeit“ die Sneakers von elf Prominenten per GPS-Tracking verfolgt, nachdem die Schuhe im Müll entsorgt worden waren. Mitgemacht hatten unter anderem Louisa Dellert, Carolin Kebekus und Kevin Kühnert. Die Recherche zeigte: Die Treter der Promis begaben sich auf teils verschlungene Pfade. Die Sneakers von Linda Zervakis zum Beispiel fanden sich auf einer illegalen Müllkippe in Kenia wieder.

Der Sneakers-Hype ist ungebrochen: Weltweit werden im Jahr 1,4 Milliarden dieser besonderen Art von Turnschuh produziert. Ihre Halbwertszeit ist überschaubar. Das Start-up Flip wollte Zusammenhänge sichtbar machen, die im Schuhladen oder beim Online-Shopping oft ausgeblendet werden. Was wird aus den Schuhen, wenn man sie in den Kleidercontainer oder Mülleimer wirft?

Auf der Suche nach eine Lösung für das Problem

Die Sneakerjagd hatte Carl Warkentin aufhorchen lassen. Der 34-jährige produziert mit dem Münchner Start-up Monaco Ducks seit 2017 nachhaltige Schuhe. Die Sneakerjagd habe die Folgen der Fast Fashion veranschaulicht. Warkentin hat sich bei Flip gemeldet. Im Januar sei man in die Entwicklung gegangen, am 4. Oktober hat das Crowdfunding für den Marabu-Sneaker begonnen, benannt nach dem Vogel, der auf Müllhalden in Afrika kauert. In die Schuhsohle des Prototypen ist ein Granulat aus Sneakers-Müll aus Kenia eingearbeitet.

Für das Crowdfunding, das Geld für die Geschäftsidee auftreiben soll, haben sich Flip und Monaco Ducks zu einer neuen Firma zusammengeschlossen: GRND, angelehnt an den englischen Begriff Grind, der den geschredderten Abfall meint. Zusammen mit einem Recycling-Start-up in Nairobi, das unbrauchbare Sneakers einsammelt, ist der Prototyp entstanden, der in Serie gehen soll.

Ein Produkt mit Impact

Der Weg zum Prototypen ist in Artikeln, Podcasts und Videos dokumentiert, es gibt eine Geschichte zum Schuh, sie erzählt von Überkonsum, wachsenden Abfallbergen, aber auch von Alternativen. „Das Ziel ist der kreislauffähige Schuh“, sagt Carl Warkentin.

Ein Sneaker der großen Hersteller bestehe aus 30 bis 50 verschiedenen Komponenten, sagt er. Der Marabu habe 15 Einzelbestandteile, der Oberschuh besteht zu 71 Prozent aus teils recyceltem Polyester, die Sohle zu etwa 25 Prozent aus Sneakers-Müll. „Unser Ziel ist ein nachhaltiges Produkt, aber auch Aufklärung“, sagt Christian Salewski, Journalist und einer der vier Mitbegründer von Flip. Der Marabu-Sneaker soll ein Produkt mit positiver Wirkung sein. Der Sneaker wird für etwa 150 Euro kein Schnäppchen, aber: „Mit dem Schuh wird keiner reich“, sagt Salewski.

Wenn der Marabu – übrigens mit Pfandsystem – in Produktion gehen kann, soll die Wertschöpfungskette zu einem großen Teil nach Afrika verlagert werden; für den Prototypen wurde der kenianische Müll in Portugal geschreddert und in die Sohlen verarbeitet. Erst vor Kurzem war Christian Salewski in Nairobi, um Kontakte zu knüpfen.

www.kickstarter.com/projects/marabu/grnd

 

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