Die Euregio Egrensis vereint seit 30 Jahren Kommunen in Böhmen, Bayern und Sachsen. Sie hat in dieser Zeit ein erfolgreiches Netzwerk über Grenzen hinweg geknüpft und Menschen zueinander gebracht.
Freundschaftswurst statt Eisernem Vorhang: Seit 30 Jahren verbindet die Euregio Egrensis Kommunen aus Bayern, Böhmen und Sachsen. Alle Beteiligten loben die gute Zusammenarbeit.
Die Euregio Egrensis vereint seit 30 Jahren Kommunen in Böhmen, Bayern und Sachsen. Sie hat in dieser Zeit ein erfolgreiches Netzwerk über Grenzen hinweg geknüpft und Menschen zueinander gebracht.
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Vor 30 Jahren, nur wenige Jahre nach der Grenzöffnung, schlossen sich Kommunen aus Bayern, Sachsen und Böhmen zur Euregio Egrensis zusammen. Erst mühsam, dann aber erfolgreich brachten sie die Menschen und die Wirtschaft zusammen. Nach Jahrzehnten der Trennung durch den Eisernen Vorhang, Stacheldraht und Mauern entstand so ein Netzwerk auf kommunaler Ebene, das den Grundstein legte für gute Beziehungen der beteiligten Länder.
Zur Jubiläumsfeier trafen sich nun am Freitag im Egerer Kulturzentrum Svoboda Politiker, Vertreter aus der Wirtschaft und von Vereinen. Die Liste der Ehrengäste wurde angeführt von den beiden Generalkonsulinnen Tschechiens aus München, Ivana Červenková, und aus Dresden, Markéta Meissnerová, sowie der Stellvertreterin des deutschen Botschafters in Prag, Petra Dachtler. Auch die Gründungspräsidentin der Euregio Egrensis, Dr. Birgit Seelbinder, saß unter den Gästen.
Begrüßt wurden die rund 200 Gäste nach einem musikalischen Willkommensgruß der Band vom Egerer Gymnasium vom gemeinsamen Euregio-Egrensis-Präsidenten Roland Grillmeier. Vor 30 Jahren, begann er, habe man sich die Hand zur gemeinsamen Zusammenarbeit über Grenzen hinweg gereicht. „Die deutsch-tschechische Grenzregion ist in den vergangenen Jahrzehnten zu einer Erfolgsregion aufgestiegen“, fuhr Grillmeier fort. Gemeinsam habe man sich auf den Weg gemacht, die Zusammenarbeit über Grenzen hinweg zu organisieren. „Der Krieg in der Ukraine, mitten in Europa, zeigt, wie wichtig solche Aktionen sind.“ Die Zusammenarbeit gehe bis ins Detail, scherzte Grillmeier und kündigte für den Mittag eine „deutsch-tschechische Freundschaftswurst“ an. Eine Wurst, zubereitet von einem Hofer Metzger mit Becherovka aus Böhmen und Bier aus Sachsen.
Generalkonsulin Červenková aus München sprach die Jahrhunderte alten Verbindungen zwischen Bayern und Böhmen an, die nach dem Krieg jäh unterbrochen wurden. Nach der Grenzöffnung im Jahr 1990 aber seien diese Zug um Zug wieder aufgebaut worden. Hier habe vor allem die Euregio Egrensis mit Hand angelegt. Vom Schüleraustausch bis zu gemeinsamen Projekten sei man gemeinsam bemüht, wieder zusammen zu wachsen. „Die Euregio Egrensis war von Anfang an dabei. Mit ihrer Arbeit bildet sie ein Fundament für die Zusammenarbeit der beiden Länder“, sagte Ivana Červenková.
Generalkonsulin Markéta Meissnerová aus Dresden bedankte sich bei den Aktiven in der Euregio, dass sie auch in komplizierten Zeiten mit ihrer Arbeit nicht nachgelassen hätten. „Viele von uns erinnern sich heute noch an die massiven Umwälzungen vor 30 Jahren“, sagte die Generalkonsulin. Im tschechisch-slowakisch-deutschen Vertrag sei vereinbart worden, die Beziehungen beider Staaten zu pflegen und weiter zu entwickeln. Seit der Novemberrevolution seien die guten Beziehungen der beiden Länder ein zentrales Thema. Auf das Erreichte könne man auf beiden Seiten der Grenze stolz sein. Heute seien es rund 16 000 tschechische Beschäftigte, die täglich ihrer Arbeit in Sachsen nachgingen. Darunter alleine 500 Ärzte oder Krankenpflegekräfte. Selbst die Pandemie habe die Beziehungen nicht nachhaltig gestört. Der Krieg in der Ukraine habe in beiden Ländern starken Widerhall gefunden und eine Welle der Hilfsbereitschaft ausgelöst. Gemeinsam habe man vom Krieg betroffenen Familien geholfen.
Petra Dachtler, Stellvertreterin des deutschen Botschafters in Prag, lobte die Arbeit der Euregio. Auf dem Erreichten könne man für die Zukunft aufbauen, sagte sie. Hier werde bewiesen, wie man Europa von kommunaler Ebene aus aufbauen könne.
Der Hauptmann des Karlsbader Bezirks, Petr Kulhánek, bescheinigte der Euregio eine hervorragende Arbeit. Viele Veranstaltungen seien bereits zur Tradition geworden. Dazu regte er an, auch den Bezirk Karlsbad mehr in die Gemeinschaft einzubeziehen.
Frantisek Curca, Präsident der Euregio Böhmen, erinnerte an die Öffnung der Grenzen im Jahr 1989 und den Fall der Mauer in Berlin. Auch wenn in den ersten Jahren noch die Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus Böhmen für manche die Entwicklung bestimmt habe, so habe man sich doch bald gemeinsam auf den Weg nach Europa begeben. Curca nannte namentlich die damaligen Landräte Simon Wittmann und Karl Haberkorn sowie die frühere Marktredwitzer Oberbürgermeisterin Dr. Birgit Seelbinder, die auf diesem Weg als Pioniere vorangegangen seien. Schulen, Kirchen und andere Institutionen seien gefolgt und hätten persönliche Kontakte geknüpft. „So haben wir gemeinsam in diesen 30 Jahren eine echte europäische Region geformt“, sagte Curca. Insgesamt seien es bis heute rund 600 Aktionen und Projekte, die gefördert wurden. Die Euregio, so Curca, könne nun auf 30 Jahre ehrliche grenzüberschreitende Zusammenarbeit zurückblicken.
Nach einem Grußwort von Steffen Zenner, Präsident der Euregio Egrensis Sachsen/Thüringen, forderte Peter Berek, Präsident der Euregio-Arbeitsgemeinschaft Bayern und Landrat des Landkreises Wunsiedel, die grenzübergreifende Zusammenarbeit in der Region noch weiter zu verstärken. Die Coronapandemie habe gezeigt, dass sie bereits auf einem festen Fundament stehe. Er erinnerte an das Bayerisch-Tschechische Gastschuljahr, das sich seit 25 Jahren zu einer festen Einrichtungen entwickelt habe und bei dem sich junge Menschen aus beiden Ländern kennenlernten.
In der neuen EU-Förderperiode stehen im Interreg-Programm knapp 100 Millionen Euro zur Verfügung. Hier wirke die Euregio Bayern als Fondsverwalter mit. Berek erwähnte auch die Bayerisch-Tschechischen Freundschaftswochen in Selb und Asch, die auch den interkulturellen Austausch verstärken und eine nachhaltige Regionalentwicklung einläuten sollten.
Nachdem sich die Teilnehmer unter anderem mit der bayerisch-böhmischen Freundschaftswurst gestärkt hatten, konnten sie sich an einer ganzen Reihe von Infoständen über spezielle Angebote der Euregio Egrensis informieren. Da ging es um den Zukunftsfonds, den Jugendaustausch, die Sprache, das Centrum Bavaria-Bohemia, aber auch Kulturwege der Vögte, die Freundschaftswochen in Selb-Asch oder den Geschichtspark in Bärnau.