EU-Verordnung bremst Farbtattoos aus Bunte Vielfalt hat vorerst ein Ende

Die Tätowiererin Nadja Großmann (links) kann sich erst mal mit der Verordnung anfreunden, da sie in den meisten Fällen nur mit Schwarz, Weiß und Grau gearbeitet hat und nur für Akzente Farben verwendete. Foto:Klaus TrenzTätowiererin Miss Mini arbeitet gerne mit den Farben Schwarz und Rot. Die neue Produktionslinie muss sie jetzt erst noch testen. Foto:  

Tattoo-Liebhaber müssen noch etwas ausharren – zumindest diejenigen, die sich gerne bunte Tattoos stechen lassen. Seit Anfang des Jahres unterliegen nämlich viele Chemikalien in der gesamten Europäischen Union Beschränkungen durch die REACH-Verordnung. Da­runter fallen fast alle Tätowierfarben, die vorerst nur noch aus Schwarz, Weiß und Grau bestehen dürfen. Steht die Branche damit vor dem Aus?

Pegnitz/Pottenstein - Im Jahr 2020 wurde das Verbot bereits beschlossen und eine Übergangszeit vereinbart, die nun zum neuen Jahr ausgelaufen ist. Damit schränkt die EU die Nutzung von Tattoo-Farben seit Januar ein. Wobei durch die REACH-Verordnung (Registration, Evaluation, Authorisation and Restriction of Chemicals) – also die Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe – nicht wirklich ein Verbot ausgesprochen wurde.

Vielmehr wurde entschieden, dass die Menge gewisser Stoffe, wie zum Beispiel von Konservierungsmitteln, nur noch in geringer Dosierung verwendet werden darf. Ein Anteil von weniger als 0,02 Prozent ist möglich, doch genau das macht die Nutzung quasi unmöglich.

„Das mit der Untergrenze kam deswegen, weil es keine Grundlage für ein richtiges Verbot gab“, weiß Nadja Großmann, die Inhaberin des Tattoostudios Farbmetzgerei aus Pottenstein. „Sie haben dann die Grenzen für die Bindemittel so lächerlich niedrig angesetzt, dass es quasi ein Verbot wurde.“

In der Übergangsphase konnten die restlichen Bestände noch aufgebraucht werden, doch selbst das erwies sich als schwierig. Als die Geschäfte wegen der Lockdowns schlossen, mussten die Farben so oder so weggeschmissen werden, denn auch diese haben eine limitierte Haltbarkeit. Nach sechs Mo­naten dürfen die bereits geöffneten Flaschen nicht mehr verwendet werden. „Wir mussten dreimal komplette Farbsets bestellen und dann wieder in die Tonne schmeißen“, verrät die Künstlerin Miss Mini aus Pegnitz vom gleichnamigen Tattoostudio. „Das war sehr viel Geld, das uns niemand entschädigt.“

Das ganz große Problem liege im Europäischen Parlament, meint Großmann. Die Gesetzgeber könnten mit ihnen machen, was sie wollen. „Wir haben keinen anerkannten Berufsstand und fallen in allen Punkten unter das Kosmetik-Gewerbe, obwohl das was ganz anderes ist.“

Letztendlich gilt die Verordnung für den gesamten Kosmetikbereich, da man „ohne Nachweis“ bestimmte Produkte als krebserregende Mittel einstufte. Der Bundesverband für Tattoo (BVT) hat daraufhin im Jahr 2020 eine Petition gestartet, die über 180.000 Unterstützer hat. „Das interessiert die Politiker trotzdem nicht, da von denen wahrscheinlich keiner tätowiert ist. Ginge es hier um Haarbleiche oder allgemein um das Blondieren, dann wäre der Aufschrei bei denen wahrscheinlich größer“, witzelt sie.

Den Januar müssten die Studios nun irgendwie überbrücken, denn für die kommenden Monate gebe es wieder Hoffnung, bestätigen die beiden Tätowiererinnen. So wissen auch die namhaften Hersteller der Farben seit geraumer Zeit von der großen Gefahr und, dass ihnen der ganze Markt in Europa wegbrechen könnte.

Deshalb setzten die Unternehmen auch alles daran, neue Farben zu produzieren, die verordnungskonform sind. „Jetzt für Ja­nuar bleiben wir bei Schwarz und Grau, aber ich habe schon Farben dieser neuen Palette bestellt“, sagt Großmann.

Wobei das Tattoostudio Farbmetzgerei so oder so eher we­niger Probleme hatte, da in den meisten Fällen nur mit Schwarz, Weiß und Grau gearbeitet wurde und Farben oftmals nur als Akzente gesetzt wurden.

Doch im Tattoostudio bei Miss Mini hat man gerne mal mit Rot oder anderen Farben ge­arbeitet. „Ich muss jetzt schauen, wie das neue Rot auf der Haut aussieht, wie der Farbton unter der Haut wirkt oder ob es sich verläuft“, erklärt die Tätowiererin aus Pegnitz.

Auch Tattoos, die nachgestochen werden müssen, werden ge­nauestens überprüft, ob die Pigmente auch farbgleich sind. An­sonsten müsste der gesamte ehemalige Bereich – mit den vorherigen Farben gestochen – erneut tätowiert werden. „Für das Nachstechen verlange ich eh nichts. Gerade bei so etwas, da können ja die Kunden nichts dafür.“

Nun heißt es Ruhe bewahren und die Zeit, so gut es geht, nutzen. In Pegnitz tätowiere man erst mal nur mit Schwarz und alles, was mit Farbe dazukommen soll, werde später nachgeholt. „Es ist ärgerlich. Ich tätowiere seit 25 Jahren und habe die Farben immer weiter perfektioniert und auch überprüft, wie sieht eine Farbe nach über zehn Jahren aus? Jetzt kann ich quasi wieder bei null anfangen“, erklärt Miss Mini.

Und das nächste Problem stehe auch schon in den Startlöchern, denn ab 2023 sollen grüne und blaue Pigmente gänzlich verboten werden, und es gebe noch keine richtigen Alternativen, dieser Verordnung entgegenzuwirken.

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