"Es geht um Wichtigeres" Medi-Coach hält BBL-Fortsetzung für utopisch

Die Frage, wie es in der Bundesliga weitergeht, beschäftigt auch Raoul Korner. Eine Fortsetzung der
 Saison hält er vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen für utopisch. Foto: Peter Kolb

BASKETBALL. Auch die Basketball-Welt steht still. Aber hält sie nur kurz inne oder hört sie gänzlich auf, sich zu drehen – zumindest für diese Saison? Es gebe in diesen Zeiten Wichtigeres als diese Frage, zumal sie sich ohnehin bald selbst beantworten werde, sagt einer, der diesen Sport lebt und liebt wie kaum ein Zweiter: Raoul Korner, der Trainer von Medi Bayreuth.

 

Sonst banal, nun aber doch bedeutend – diese Frage: Wie geht es Ihnen und Ihren Spielern?

Raoul Korner: Alles gut soweit. Bin wohlauf. Alles bestens. Und bei den Spielern ist auch alles ok.

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Sind Sie mit ihnen im stetigen Austausch oder sehen Sie sie täglich?

Korner: Wir stehen natürlich in Kontakt, die modernen Medien machen das ja problemlos möglich. Eigentlich hatten wir heute ein Treffen geplant, das haben wir aufgrund der neuesten Entwicklungen aber abgesagt und machen stattdessen einen Conference Call. Wir nehmen das alles wirklich sehr ernst und achten deshalb ganz besonders auf das Gebot des Social Distancing.

Wie halten sich die Spieler dann fit?

Korner: Jeder hat da einen Plan von unserem Fitness-Coach bekommen, was er individuell machen kann. Das geht vom Laufen bis zum Krafttraining daheim. Das ist ja alles ohne Probleme möglich. Und Zeit hat eigentlich auch jeder genug. Das darf also keine Ausrede sein, um halbwegs in Form zu bleiben. Ich selbst habe jetzt auch angefangen, wieder etwas mehr laufen zu gehen. Ein ganz schöner Nebeneffekt in sonst sehr unschönen Zeiten.

Die Bayreuther Sportstätten sind geschlossen, es war noch vor kurzem davon die Rede, dass Sie sich um eine Sondergenehmigung bemühen wollen. Waren Sie erfolgreich oder ist das gar kein Thema momentan?

Korner: Genauso ist es. Die Frage nach einem Mannschaftstraining stellt sich momentan überhaupt nicht. Das wäre in der aktuellen Lage auch das komplett falsche Signal, wenn sich Menschen überall voneinander fern halten und wir sagen, wir trainieren trotzdem weiter, als ob nichts wäre. Das lehne ich strikt ab. Wir haben ja auch eine gewisse Vorbildfunktion, und die nehmen wir ernst.

Aktuell pausiert die BBL ja nur. Wie geht es Ihrer Meinung nach in der Liga weiter?

Korner: Das ist jetzt wirklich nur meine Privatmeinung. Aber ich sehe keine Chance, dass wir die Liga in absehbarer Zeit noch einmal fortsetzen können. Zumal sich die Entwicklung und die damit einhergehenden restriktiven Maßnahmen eher noch verschärfen. Und keiner kann sagen, wie lange das noch gehen wird. Sich aktuell über eine Fortsetzung Gedanken zu machen, ist der komplett falsche Ansatz.

Heißt im Umkehrschluss, die BBL-Saison sollte abgebrochen werden?

Korner: Alles andere ist aktuell auch gar nicht denkbar. Meines Erachtens hat die Liga bislang schon richtig gehandelt. Diese auferlegte Pause war in der Situation angemessen, um innezuhalten, nachzudenken und neu zu bewerten. Mittlerweile ergibt sich aber wieder ein anderes Bild. Und dies deutet nicht daraufhin, dass in absehbarer Zeit wieder an Basketball zu denken sein wird. Es geht jetzt um wesentlich Wichtigeres als um die sportliche Situation. Und zwar darum, unsere Gesundheit zu schützen und dann auch darum, den wirtschaftlichen Schaden für die Clubs zu minimieren. Aber bitte genau in dieser Reihenfolge.

Glauben Sie, dass es für manche Clubs ans Eingemachte gehen könnte, vielleicht auch für Medi?

Korner: Zur speziellen Situation bei Medi bin ich der falsche Ansprechpartner. Da müssten Sie unseren Geschäftsführer fragen. Aber es ist auf jeden Fall so, dass wohl die meisten Clubs in der kommenden Saison eine Stufe tiefer einsteigen und dementsprechend bescheidenere Ziele werden formulieren müssen. Es wird sich einiges nach unten verschieben. Und dann wird sich auf jeden Fall auch zeigen, welche Clubs – finanziell gesehen - einen tiefen Burggraben um sich gezogen haben – und welche eben nicht.