Erstickte Schweine: Konsequenzen gefordert

Von Moritz Kircher

Dass in einem Schweinemastbetrieb die Tiere ersticken, weil die Lüftung ausfällt, passiert nach Auskunft des Bundes Naturschutz (BN) immer wieder. Zuletzt geschehen in Himmelkron, wo 500 Schweine verendeten (wir berichteten). In Zeiten vor der Massentierhaltung wäre das undenkbar gewesen, erzählt ein ehemaliger Metzger aus Gefrees. Und es gibt sie heute noch: Metzgereien, die auf die lokale Herkunft des Fleisches und auf artgerechte Haltung der Tiere achten. Nur hat das eben seinen Preis.

Der Weidenberger Metzgermeister Markus Lindner weiß, woher das Fleisch stammt, das er hier zur Wurst verarbeitet. Und er weiß auch, wie die Tiere auf dem Hof in Döberschütz gehalten werden. Archivfoto: Thomas Kenger Foto: red

Die Massentierhaltung in Deutschland kam nicht von heute auf morgen. Heinrich Schlenk ist einer, der beobachtet hat, wie die Bauernhöfe in Deutschland seit den 1960er Jahren immer größer wurden und ihre Anzahl im gleichen Maße sank. „Das ist langsam gegangen“, sagt Schlenk, der vor einigen Jahren die gleichnamige Metzgerei in Gefrees an seinen Sohn übergeben hat. Als er die Metzgerei 1968 von seinem Vater übernahm, hätten die Höfe ringsum ein Dutzend Schweine gehabt. Eine maschinelle Belüftung der Ställe sei nicht notwenig gewesen. „Heute ist das wirklich eine Massentierhaltung“, sagt der 79-Jährige. „Ich weiß nicht, ob mir das gefällt.“

Nach der Werbung weiterlesen

500 Mastschweine heutzutage keine Massentierhaltung mehr

Dabei sprechen Fachleute bei einem Betrieb mit 500 Schweinen heutzutage schon gar nicht mehr von Massentierhaltung. Rüdiger Wintersperger vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Coburg ist Berater im Fachzentrum für Schweinezucht und -haltung. Er spricht nicht von Massentierhaltung, wenn zwei Dinge gegeben sind.

Erstens: Kann der Halter oder ein sachkundiger Angestellter jedes einzelne Tier wenigstens einmal am Tag in Augenschein nehmen und bei Bedarf einen Tierarzt holen? Und zweitens: Gibt es einen funktionierenden regionalen Kreislauf zwischen dem angebauten Tierfutter und der Gülle, die aus dem Schweinestall als Dünger wieder auf die Felder in die Umgebung kommt? Nach diesen Kriterien kommt Wintersperger zu dem Ergebnis: „In Oberfranken gibt es keinen Schweinehalter, der den Bereich Massentierhaltung auch nur streift.“

Ferkeln in der Massentierhaltung der Schwanz abgeschnitten

Solche Mindeststandards sind dem Bund Naturschutz aber zu wenig. BN-Sprecherin Marion Ruppaner sagt, dass die Landwirte sich in der Regel an die gesetzlichen Vorgaben hielten. Aber eben diese Vorgaben garantierten noch keine höhere Qualität oder artgerechte Tierhaltung. Der Standard heute sehe so aus: Schweine werden auf Spaltenböden ohne Stroh und mit wenig Auslauf gehalten.

Und Ferkeln wird oft der Schwanz abgeschnitten, um vorzubeugen, dass die Tiere sich später die Schwänze im engen Stall gegenseitig abbeißen. Spaltenböden und kupierte Schwänze: So könnten mehr Schweine auf weniger Raum gemästet werden, erklärt Ruppaner. Und dann bedürfe es eben auch einer maschinellen Belüftung der Mastställe.

Artgerechte Haltung auf Stroh wieder im Kommen

Der BN fordert vom Gesetzgeber höhere Standards in der Schweinemast, um damit „die industrielle Tierhaltung zu begrenzen“, wie Marion Ruppaner sagt. Als positives Beispiel nennt sie die Initiative Strohschwein im Landkreis Hof. Dort gibt es ein Netz von Metzgern und Landwirten, die auf eine artgerechte Haltung der Tiere setze. Die Schweine stehen im Stall auf Stroh und haben mehr Platz.

Einer, der im Landkreis Bayreuth auf diese Art der Haltung achtet, ist der Weidenberger Metzgermeister Markus Lindner. Er sagt: „Das Thema Strohschwein war mir gar nicht so bewusst, weil das normal ist für mich.“ Fast sein komplettes Fleisch kommt von einem Hof in Döberschütz. Schlachten lässt er um die Ecke in Lankendorf – beides sind Ortsteile von Weidenberg. Alle Transportwege sind kurz.

Kunden fragen nach Herkunft und Haltung der Tiere

Die artgereichte Haltung von Schweinen ist teurer, und die Mast dauert länger. Das schlägt sich für Lindner im Einkaufspreis nieder und schließlich auch auf dem Preisschild in seiner Ladentheke. Aber die Kunden honorieren Lindners lokales Erzeugungsmodell. „Wir leben zu 97 Prozent von Stammkunden“, sagt er. „Wer zu uns kommt, kommt bewusst.“

Und immer wieder fragen ihn auch Kunden, woher das Fleisch kommt und wie die Tiere auf dem Hof gehalten werden. Antworten auf solche Fragen gebe es eben nur in der Metzgerei und nicht im Wurstregal beim Discounter.

„Heute sagen sie, es gibt nichts Besseres. Aber das wussten wir früher schon.“

Früher wie heute hat sich eine artgerechte und damit aufwendige Tiermast in den Fleischpreisen niedergeschlagen. Heinrich Schlenk weiß noch genau, dass im Jahr 1950 ein Kilo Schweinebauch in der Gefreeser Metzgerei, damals noch von seinem Vater geleitet, 2,20 Mark gekostet hat. Das sei mehr als das doppelte des Stundenlohns eines Hilfsarbeiters damals im Betrieb gewesen.

Schlenk sagt: „Wir hatten unsere Schweine alle auf Stroh stehen.“ Er findet es gut, dass der Trend allmählich wieder dahin geht. Aber ein bisschen muss der 79-Jährige, der heute noch das familieneigene Wirtshaus gleich neben der Metzgerei betreibt, auch darüber lachen. „Heute sagen sie, es gibt nichts Besseres. Aber das wussten wir früher schon.“

Lesen Sie auch:

500 Schweine im Stall erstickt

Schweine-Züchter unter Druck

Aus 500 Schweinen wird Tiermehl