Erotik im 18.Jahrhundert Neuer Katalog zur Ausstellung im Neuen Schloss

BAYREUTH. Zwei Klicks im Internet genügen – so hört man – und schon findet jeder, was ihn oder sie sexuell anmacht. Doch wie war das eigentlich früher? Die Ausstellung „Galante Miniaturen“ widmet sich im Neuen Schloss seit sechs Jahren der Erotik früherer Epochen. Am Mittwoch präsentierten Bernd Pappe und das Spender-Ehepaar Löer den neuen Katalog zur Ausstellung.

Ein bisschen erröten ist okay, schließlich ist auf den kleinen Bildern viel nackte Haut zu sehen, die seit rund sechs Jahren im Museum des Neuen Schlosses in Bayreuth hängen. Und trotzdem: So richtig ertappt fühlt sich der Voyeur beim lustvollen Betrachten dieser Kunst nicht. Das liegt daran, dass die Erotik bei den sogenannten galanten Miniaturen nicht plump daherkommt. Vielmehr versteckt sie sich stilvoll im Detail, und das macht die Sache spannend.
 
Die Lust versteckt sich im Verborgenen
 
Denn die Kurven der schneeweißen Frauen- und Männerkörper sind meist nur halb entblößt, manchmal gar völlig verhüllt, und dennoch strahlen die Bilder eine durchaus derbe Erotik aus. Woran liegt das? Kunsthistoriker und Restaurator Bernd Pappe hat zur Ausstellung im Neuen Schloss jetzt einen ausführlichen Katalog veröffentlicht. Er kennt sich aus, was die spezielle Schlüpfrigkeit der Miniaturen angeht. Das Geheimnis liegt im Verborgenen: „Die Erotik kommt auf diesen Bildern nicht plump daher. Vielmehr muss der Betrachter sich nach ihr auf die Suche begeben“, sagt Pappe.
 
Da ist zum Beispiel das Bild mit dem Titel „Das Rezept des Arztes“, das um 1700 entstanden ist. Eine junge Frau liegt im Bett, ein Arzt beugt sich zu ihr und berührt ihren Bauch. Beide haben etwas an – kein Grund zur Aufregung. Schaut man aber genauer hin, so ist unter dem Kopfkissen der Kranken ein Buch mit der Aufschrift „Alosia“ zu erkennen – ein im 18. Jahrhundert verbreitetes Erotikbuch, das heute wohl als Schmuddelheft durchgehen würde. Die andere Hand des Arztes deutet mit gestrecktem Zeigefinger zur Scham seiner Patientin. Deren Kopf wendet sich zwar vom Doktor ab, ihre Augen fixieren ihn allerdings inbrünstig. Für den Historiker ein klarer Fall: „Dieses Gemälde von Carl Gustav Kling-stedt ist letztlich also doch ziemlich eindeutig: Die Frau ist liebeskrank. Ob sie sich dem Arzt nun letztlich hingibt oder nicht, erfahren wir beim Betrachten natürlich nicht.“
 
Diese Spannung, dieses Nicht-Wissen macht die Erotik der galanten Miniaturen aus. Deshalb sei ihre verspielte Sinnlichkeit auch nicht mit heutiger Pornografie zu vergleichen, sagt Pappe: „Dafür gab es damals härtere, explizitere Darstellungen. Die galanten Miniaturen waren viel salonfähiger.“
 
Derbe Erotik in kleinem Format
 
Und doch sind die Miniaturen nicht ohne Grund das, was ihr Name schon vermuten lässt: klein. Denn so ganz jugendfrei sind die Darstellungen zum Teil auch nicht. Vor allem die Götter nehmen oft explizite Posen ein. Von der Fellatio bis zum Cunnilingus gibt es kaum ein Tabu, und das war damals sogar okay: „Götter durften alles“, sagt Pappe. Durch die griechische Mythologie seien die Menschen damals schon an diese Darstellungen gewöhnt, wenn auch nur bei Göttern. Trotzdem seien die Darstellungen kleinformatig gewesen, da sie für die Besitzer intim und persönlich und nicht für alle Augen bestimmt waren, sagt Pappe. „Außerdem passten sie so in die Hosentasche. Auch weniger anzügliche Malereien von Liebsten wurden mit sich herumgetragen – wie heute das Foto im Portemonnaie oder auf dem Smartphone.“
 
Die Ausstellung im Neuen Schloss geht zurück auf eine Schenkung von Eva und Hans-Ulrich Löer, die dem Neuen Schloss ihre große Sammlung an galanten Miniaturen zur Verfügung gestellt haben. „Wir wollen nicht, dass diese wunderbaren Bilder irgendwann versteigert werden. Sie sollen zusammenbleiben“, sagt Hans Ulrich Löer. Mit der finanziellen Unterstützung des Paares entstand auch der Katalog, der im Verlag Schnell und Steiner erschien und jetzt im Museumsshop zu kaufen ist.
 

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