Ernährung ohne Tiere Leben Veganer und Vegetarier gesünder?

Der Fleisch- und Lebensmittelindustrie bereiten vegane und vegetarische Produkte derzeit traumhafte Umsätze. Aber: Ist das auch gesund? Foto: mauritius images / Westend61 / Werner Dieterich

So alt wie Vegetarier und Veganer ist auch die Frage, ob diese Form der Ernährung denn gesund sein kann. Eine Wahrheit: für Tiere auf jeden Fall. Die andere Wahrheit: Jein.

Stuttgart - Laut dem Allensbach Institut leben in Deutschland 6,5 Millionen Menschen, die sich vegetarisch ernähren, auf Fleisch und Fisch verzichten. Dazu kommen 1,13 Millionen, die vegan leben und komplett auf tierische Produkte verzichten. Grob lässt sich sagen, dass ein Zehntel der Deutschen kein Fleisch isst.

Ob das gesünder ist, lässt sich auch aus Expertensicht nicht so einfach beantworten: „Grundsätzlich ist eine eher pflanzenbasierte Ernährung gesünder“, sagt Ernährungswissenschaftler Jan Frank. „Aber es kommt natürlich darauf an, wie ich diese gestalte: Wenn ich mir jeden Morgen nur Cornflakes oder gezuckerte Frühstückscerealien mache, dann ist das eher nicht gesund. Ein Vollkornmüsli mit frischem Obst und Nüssen hingegen ist da eine andere Nummer.“

Gesund oder ungesund?

Jan Frank sagt: „Es gibt keine pauschal ungesunden oder gesunden Lebensmittel, durchaus aber eine ungesunde oder gesunde Ernährung. Letztlich kommt es auf eine ausgewogene und abwechslungsreiche Auswahl an Lebensmitteln an. Auch Burger und Schokolade können Teil einer gesunden Ernährung sein, wenn sie hin und wieder verzehrt werden.“ Es komme auf die Gewichtung der Lebensmittel an. „Vegetarische oder vegane Ernährung kann genauso ungesund oder gesund sein wie eine mit Fleisch.“

Bei den Makronährstoffen, also Kohlenhydraten, Fetten und Proteinen, mache es keinen wesentlichen Unterschied, ob man sich vegan, vegetarisch oder mit Fleisch ernährt. Obwohl Vegetarier häufig gefragt würden, wo sie ihr Protein herbekämen. Im Durchschnitt, sagt Jan Frank von der Universität Hohenheim, würden Deutsche etwa doppelt so viel Protein zu sich nehmen, wie der Körper überhaupt umsetzen könne. Mangelerscheinungen sind also eher nicht zu befürchten.

So klappt’s mit dem Vitamin B12

„Problematisch können aber Nährstoffe wie Vitamin B 12 werden, ein bakterielles Produkt, das vor allem über tierische Lebensmittel aufgenommen wird. In Pflanzen wird B 12 nicht gebildet“, erklärt Frank. „Allerdings brauchen wir sehr wenig davon. Bei Vegetariern, die B 12 auch über Milch und Eier zuführen, ist das nicht so kritisch, bei einer rein pflanzlichen, also veganen Ernährung schon.“

Abhilfe gibt’s in der Apotheke in Form von Supplementen, die auch von den Ernährungsfachgesellschaften für Veganer empfohlen werden. Ansonsten könne es bei veganer oder vegetarischer Ernährung auch bei Zink oder Eisen ein bisschen enger werden, erklärt der Ökotrophologe.

Aber auch hier: „Die Mengen Eisen, die zum Beispiel in Vollkorngetreide enthalten sind, sind höher als im Fleisch – es wird allerdings ein bisschen besser aus dem Fleisch aufgenommen.“

Fleischersatz, kann das was?

Dem derzeit florierenden Markt der Fleischersatzprodukte kann der Ernährungsforscher durchaus Positives abgewinnen, die Qualität der Lebensmittel müsse allerdings anhand ihrer Nährwerte im Einzelfall überprüft werden: „Diese Fleischersatzprodukte sind teilweise echte Kunstwerke der Lebensmitteltechnologie, was aber nicht negativ sein muss“, sagt Jan Frank. „Letztlich ist eine gute lebensmitteltechnologische Lösung, pflanzliche Proteine, die meist nachhaltiger sind als tierische, schmackhaft zu machen, ja nicht schlecht.“

 

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