Ermittler schließen Fremdverschulden aus - Alkohol- und Drogenkonsum unklar Kulmbach: Im Schwimmbad verunglückte Männer sind obduziert worden

Im Fall der beiden tödlich verunglückten Männer im Kulmbacher Freibad ist die von der  Staatsanwaltschaft angeordnete Obduktion durchgeführt worden. Die Männer sind offenbar aus mehr als fünf Metern Höhe gestürzt. Ob sie Alkohol oder Drogen konsumiert hatten, ist unklar.

 Foto: red

Die Obduktion solle helfen, den Unfallhergang zu klären. Erst in den nächsten Tagen sei der vollständige Befund  der Rechtsmediziner zu erwarten. Leitender Oberstaatsanwalt Herbert Potzel sagte zum Kurier: "Ein Fremdverschulden können wir jetzt ausschließen." Die Verletzungen seien durch den Aufprall nach dem Absprung entstanden. Ob die beiden Männer, 20 und 24 Jahre alt, berauschende Mittel eingenommen haben, stehe noch nicht fest. Um Alkohol oder Drogen nachweisen zu können, seien noch weitere Untersuchungen notwendig.

Nach der Werbung weiterlesen

Ein Versäumnis der Stadt, den Springerbereich eventuell nicht genug abgesichert zu haben, könne er nicht erkennen, sagte Potzel auf Nachfrage. "Das Bad war geschlossen, die Leitern waren abgebaut. Was sollten sie sonst noch machen?"

Gerüchte, die beiden Männer seien unbekleidet aufgefunden worden, wies Polizeisprecherin Anne Höfer zurück. "Sie haben nur einen Teil der Kleidung abgelegt." Diese sei neben dem Becken gefunden worden.

"Deutlich sichtbar abgesperrt"

"Das Springerbecken war deutlich sichtbar abgesperrt", sagt Simon Ries, Sprecher der Stadt Kulmbach. "Unsere Stadtwerke sind da sehr gewissenhaft." Was in Zukunft mit dem beschädigten Springerbecken geschehe, entscheide der Werkausschuss. Dieser habe jetzt abzuwägen, ob sich eine Sanierung lohne oder ob ein Abriss sinnvoller sei. Eine Schließung des Bades für diese Saison habe im Vorfeld nicht zur Debatte gestanden. Ein Statiker habe jedoch empfohlen, das Becken in diesem Jahr wegen des beschädigten Umgriffs zuzulassen. "Dass das Ganze jetzt so eine tragische Note bekommt, das konnte keiner ahnen."

Der ellipsenförmige Sprungturm stammt aus den siebziger Jahren. Baujahr 1972. Es gibt ein Ein-Meter-Brett und zwei Drei-Meter-Bretter, einen Fünfer, einen Siebeneinhalber und einen Zehner. Die Männer aus der Stadt Bayreuth und der Gemeinde Himmelkron im Landkreis Kulmbach hatten sich in der Nacht zum Sonntag Zugang zum abgesperrten Teil des Kulmbacher Freibads verschafft. Der Sprungturm, der an höchster Stelle ein Zehn-Meter-Brett hat, war aufgrund des Sanierungsbedarf geschlossen worden. Das Becken war undicht, ein erneutes Ausbessern hätte 50 000 Euro gekostet. Darum wurde aus dem Becken das Wasser abgelassen. Eine komplette Sanierung würde 1,5 Millionen Euro kosten: Das Geld hatte die Stadt in diesem Haushaltsjahr aber nicht.

Alkohol und Drogen im Spiel?

Die Männer sind vermutlich über die Absperrungen geklettert. Am Sprungturm haben sie sich im unteren Abschnitt hoch gehangelt - die Leitern waren abmontiert worden. Was dann geschah, ist noch völlig unklar. Warum sie sprangen, ob sie es zeitgleich taten, wie sie überhaupt auf die Idee kamen, ins Freibad einzudringen - keiner weiß es. Nach Kurier-Informationen könnten neben Alkohol auch Drogen im Spiel gewesen sein. Besonders Kräuterzigaretten, sogenannte Legal Highs, führen manchmal zu völlig unkontrollierten Reaktionen bei den Konsumenten. Genaueres wird die rechtsmedizinische Untersuchung erbringen. Beide Männer starben noch am Unfallort.

Erst vor einer Woche war ein 62-jähriger Mann beim Schwimmbad-Besuch gestorben.

Bergwacht hilft bei der Bergung

Bei der Bergung halfen vier Einsatzkräfte der Kulmbacher Bergwacht. Ihr Einsatzleiter Thomas Gremer weiß: "Um 7.19 Uhr kam der Alarm."  Im Freibad seien ausschließlich erfahrene Bergwachtler mit notfallmedizinischer Ausbildung gewesen. Das Bild, das sie sahen, muss fürchterlich gewesen sein. Gremer sagt aber, für seine Kollegen sei die Bergung von Toten leider nichts Ungewöhnliches. "Wir haben auch ein Kriseninterventionsteam, wenn einer psychologische Betreuung bräuchte." Die Feuerwehr müsse bei Rettungseinsätzen auf der Autobahn oftmals schlimmere Anblicke ertragen. "Selbstverständlich gibt es Bilder, die man nicht vergisst."

Die Bergwacht verfüge über eine motorisierte Personenrettungswinde. Damit könnten Verletzte schnell und schonend geborgen werden, so Gremer. "Das Freibad ist natürlich normalerweise nicht unser Einsatzgebiet." Meisten werde die Bergwacht zu Unfällen und Abstürzen von Waldarbeitern gerufen. Im Umfeld des Freibads sei an einer steilen Böschung ein Mal ein Spaziergänger gerettet worden, der einen Herzanfall hatte.

Nachdem das Bad am Sonntag und am Montag geschlossen blieb, soll es nach Angaben der Stadt Kulmbach am Dienstag wieder öffnen. Oberbürgermeister Henry Schramm und Stadtwerkeleiter Stephan Pröschold waren unmittelbar nach der Alarmierung der Rettungskräfte am Unglücksort. Schramm war schwer erschüttert: „Ich bin zutiefst schockiert und betroffen. Es ist unfassbar, dass zwei Menschen auf so tragische Weise ihr Leben lassen mussten. Dieses Unglück ist kaum in Worte zu fassen. Unsere Gedanken sind jetzt bei den Familien und Freunden der beiden jungen Männer.“