Erfolgreiches Debüt Raphaela Richter im Downhill-Weltcup auf Platz sechs

Bis zu 45 Prozent Gefälle hat die Strecke im österreichischen Leogang. Die Eckersdorferin Raphaela Richter (Nr. 29) verlor entscheidende Sekunden aber vor allem in der Sprungsektion. Foto: Sebastian Sternemann

MOUNTAINBIKING. Die deutschen Frauen mischen derzeit den Downhill-Weltcup auf. Während sich Nina Hoffmann nach Platz drei in Fort William (Schottland) eine Woche zuvor noch einmal steigerte und im österreichischen Leogang Zweite wurde, fuhr Raphaela Richter von der Bikesportbühne Bayreuth bei ihrem Debüt gleich auf den starken sechsten Rang.

Trotzdem war die 21-Jährige mit ihrem Resultat nicht ganz zufrieden, wie sie auf Instagram mitteilte: „Nach der Qualifikation habe ich auf einen weiteren fünften Platz gehofft. Aber ich habe mein Bestes gegeben und muss dieses Ergebnis akzeptieren. Dieser Teil fiel mir ein bisschen schwer, weil ich immer hohe Erwartungen an mich selbst habe und mehr will. Vielleicht ist das nicht gut, aber als Rennfahrerin ist es schwer abzustellen.“ Die Weltcup-Erfahrung werde einige Zeit brauchen, um sich zu setzen.

Bei der Streckenbegehung präsentierte sich der Kurs der dritten Weltcup-Station der laufenden Saison nach Maribor (Slowenien) und Fort William leicht verändert zu den Vorjahren. Die neue Linienführung in einigen Abschnitten sorgte dafür, dass auch die arrivierten Fahrerinnen sich erst wieder zurechtfinden mussten und nur wenige Spuren aus der Vergangenheit abrufen konnten. Vor dem Training der B-Gruppe machte sich bei Raphaela Richter erstmals Nervosität spürbar. „Ich habe mich langsam gefühlt und dachte nicht, dass ich eine gute Quali fahren könnte.“

Weil das gezeitete Training immer nur den besten 15 des Gesamtweltcups vorbehalten ist, hatte die Eckersdorferin noch keinen Anhaltspunkt, wie viel sie riskieren muss, um sich für das Finale der schnellsten 15 zu qualifizieren. Mit Nummer 29 startete die 21-Jährige als Viertletzte und sorgte für staunende Gesichter, als im Ziel die fünftschnellste Zeit aufleuchtete. Und das, obwohl sie die 30 Sekunden vor ihr gestartete Slowenin Spela Horvat überholen musste und dabei nach eigener Aussage ihren Fokus etwas verlor. „Ich hatte einige heikle Momente auf der Strecke, habe mich aber alles in allem besser und schneller gefühlt.“ Die Deutsche Meisterin Nina Hoffmann aus Jena qualifizierte sich als Dritte, während die DM-Dritte des vergangenen Jahres und Gesamtelfte Sandra Rübesam aus München auf Platz 18 ausschied.

Am Renntag konnten sich dann nahezu alle Finalteilnehmerinnen erneut steigern, obwohl die Strecke in einigen der frisch angelegten Passagen nochmals deutlich ausgefahrener war und immer mehr Wurzeln, Schläge und Löcher herauskamen. Mit 3:55,371 Minuten verbesserte auch Richter ihre Zeit vom Vortag um zwei Sekunden.

Bei der zweiten Zwischenzeit in Führung

Bei der zweiten Zwischenzeit lag sie sogar vorne, verlor dann aber in der Sprungsektion viel Zeit und kam mit knapp vier Sekunden Rückstand zu der zu diesem Zeitpunkt noch führenden und am Ende drittplatzierten Neuseeländerin Kate Weatherly ins Ziel.

Bei umgekehrter Startreihenfolge bedeutete das zunächst Rang drei für die Eckersdorferin. „Ich habe ein bisschen mit einigen Linien hier und da gekämpft und wollte in der Sprungsektion schneller werden. Habe versucht, zu pumpen, zu treten, das Momentum zu finden. Aber es hat nicht wirklich funktioniert.“ In den als Schlüsselsektion geltenden „Roots of Asitz“, einem etwa 20-sekündigen technisch sehr anspruchsvollen Abschnitt mit vielen Wurzeln, überzeugte Richter aber mit der am Ende sechstbesten Zeit.

Direkt nach ihr setzte dort die Gesamtdritte Marine Cabirou eine neue Bestmarke. Bei einem Sturz in einer Rechtskurve kurz vor dem Ziel büßte die Französin dann aber ihren gesamten Vorsprung von 5,5 Sekunden ein und musste sich knapp geschlagen mit Platz zwei zufriedengeben. Als Nina Hoffmann mit einer Fahrt am Limit in 3:44,542 Minuten sogar die Qualifikationsbestzeit unterbot, stand schon fest, dass sie mindestens ihren dritten Platz aus der Vorwoche wiederholen würde.

Vor allem hatte sie damit aber den Druck auf die letzten beiden Starterinnen ansteigen lassen. Die sechsfache Gesamtweltcupsiegerin und fünfmalige Weltmeisterin Rachel Atherton aus Großbritannien stürzte bereits in der dritten Kurve, verlor über 20 Sekunden und fuhr als 15. und damit Letzte ins Ziel. Die bei Raphaela Richter kurz aufkeimende Hoffnung, als Fünfte bei der Siegerehrung auf der Bühne dabei zu sein, machte jedoch Tracey Hannah zunichte. Der Australierin gelang ein nahezu fehlerfreier Lauf, mit dem sie die Zeit von Hoffmann nochmals um fast 2,5 Sekunden unterbot und die Weltcup-Führung von Atherton übernahm. Zur fünftplatzierten Veronika Widmann (Italien) fehlten Richter nur 1,3 Sekunden.

Ergebnisse Downhill-Weltcup Leogang

Frauen: 1. Tracey Hannah (Australien) 3:42,107 Minuten; 2. Nina Hoffmann (Jena) 2,435 Sekunden zurück; 3. Kate Weatherley (Neuseeland) +9,360; 4. Marine Cabirou (Frankreich) +9,564; 5. Veronika Widmann (Italien) +12,085; 6. Raphaela Richter (Eckersdorf) +13,264.

Gesamtwertung (nach 3 von 8 Stationen): 1. Hannah 1835 Punkte; 2. Atherton 1771; 3. Seagrave (beide Großbritannien) 1450; 4. Hoffmann 1181; 5. Monika Hrastnik (Slowenien) 1135; 16. Sandra Rübesam (München) 510; 25. Kim Schwemmer (Erlangen) 308; 36. Richter 235.

Männer: 1. Loic Bruni (Frankreich) 3:16,132; 2. Greg Minnaar (Südafrika) 0,324 Sekunden zurück; 3. Troy Brosnan (Australien) +0,746; 4. Danny Hart (Großbritannien) +1,994; 5. Aaron Gwin (USA) +2,418.

Gesamtwertung: 1. Hart 1503 Punkte; 2. Brosnan 1323; 3. Bruni 1298; 4. Amaury Pierron 1245; 5. Loris Vergier (beide Frankreich) 995.

 

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