Selbst in ihrer Sprache findet sich so manche Gemeinsamkeiten. Die Zuneigung, die beide Volksstämme aufgrund der vielen Gemeinsamkeiten heute verbindet, könnte demnächst womöglich Risse bekommen. Die Bayern, vor allem die Ostbayern, blasen zum Angriff auf eine typisch schottische Bastion: das Brennen des schottischen „Lebenswassers“ – den Whisky.Sie heißen „Stonewood 1818“,  „Coillmor“ oder „Slyrs“, und haben mit ihren schottischen Vorbildern eines gemeinsam: Die bayerischen Whiskys sind aus reinem Gerstenmalz in bester schottischer Tradition gebrannt und rar. Die Nachfrage nach dem ostbayerischen und auch dem oberbayerischen Gerstenbrand mit der großen Tradition ist regelmäßig größer als das Angebot und deshalb sind die Raritäten oft monatelang ausverkauft. Entsprechend hoch sind die Preise mit 35 bis 80 Euro die Flasche – ein Niveau, von dem die verbliebenen 99 Brennereien in Schottlands Highland und Lowland nur träumen können. Viele 100 mussten dort in den letzten Jahren wegen mangelnder Rentabilität ihren Betrieb einstellen.Der „Stonewood“ kommt, wie die Übersetzung ahnen lässt, aus dem Steinwald, der Oberpfalz, genauer aus dem Bergbaustädtchen Erbendorf und der dort angesiedelten ältesten bayerischen Brennerei. Martin Schraml, einer der Geschäftsführer des Unternehmens, verweist stolz darauf, dass das Rezept für seinen Bavarian Single-Grain-Whisky mit den kräftigen 45 Alkohol-Prozenten bereits vor 150 Jahren von seinem Urahn entwickelt wurde. Zehn Jahre reift der „Stonewood 1818“ in Eichenfässern, bei üblichem Konsumwhisky sind es in der Regel zwei bis vier Jahre. Derzeit sitzen Kaufinteressenten seit Monaten mangels Angebot auf dem Trockenen. Erst in den nächsten Wochen soll ein neues Fass aufgemacht und abgefüllt werden, sagt Schraml.Der erste Bayerwald-Single-Malt wird in der Whisky-Destillerie Liebl im Kurort Bad Kötzting gebrannt. Die Landschaft, „der große Wald“- gälisch „Coill mor“, gab diesem aus bayerischer Sommergerste gebrannten Oberpfalz-Whisky seinen Namen. Seit 2009 ist er auf dem Markt. Ein junger Blended Whisky, der bereits nach dreijähriger Lagerung in 225-Liter-Fässern aus amerikanischer Weisseiche auf den Markt kommt. Mit seiner Aromenfülle, die an Vanille, Biskuit und Schokolade erinnert, verblüfft dieser rauchige „Jüngling“ aber durch seine ungewöhnliche Milde.Das Geheimnis des Erfolgs des Oberpfälzer Whiskys ist nach Überzeugung der bayerischen Whisky-Brenner das klare Felsquellwasser und das erstklassige bayerische Gerstenmalz, das auch bayerisches Bier weltberühmt gemacht hat und das der schottischen Konkurrenz in nichts nachsteht. Hinzu kommt die Lagerung in den klassischen Eichenfässern. Anders als manche der Großproduzenten jenseits des Kanals verzichten die Oberpfälzer Whisky-Brennereien auf die Zugabe von Zuckercouleur und setzen auf die Qualität der kleinen Mengen.Die Schotten als Erfinder des Whisky können das Geschehen in der Oberpfalz nur neidvoll beobachten: Anders als die Franzosen mit ihrem „Cognac“ haben es die Schotten versäumt, ihr „Lebenswasser“ als Ursprungsbezeichnung schützen zu lassen. „Bavarian Whisky“ hat damit die besten Aussichten, die Bars und die Herzen der Whisky-Liebhaber in aller Welt zu erobern. obx/Foto: obx-news