Entscheidung für Code Pink löst heftige Reaktionen aus Israels Botschafter kritisiert Stadtrat

Von Frank Schmälzle
Code Pink bezeichnet sich selbst als israelkritisch. Anders sagen: israelfeindlich. Der Stadtrat hat jetzt die Auszeichnung der US-Bürgerrechtsgruppe mit dem Wilhelmine von Bayreuth-Preis bestätigt. Die Reaktionen darauf sind scharf. Foto: Archiv/dpa Foto: red

Die Entscheidung des Stadtrates, der umstrittenen US-Bürgerrechtsbewegung Code Pink den Wilhelmine von Bayreuth-Preis für Humanität und Toelranz zu verleihen, löst heftige Reaktionen aus. Der isrealische Botschafter in Deutschland, Yakov Hadas-Handelsman, sagte am Donnerstag:„Ich bin entsetzt, dass ausgerechnet in Deutschland im Namen von Toleranz und Humanität die Organisation Code Pink ausgezeichnet werden soll. Die Definition von Toleranz und Humanität in Bayreuth ist scheinbar: mit Holocaustleugnern in Iran zusammenzuarbeiten, Juden zu boykottieren und Israel das Existenzrecht abzusprechen.“

In einem Bericht der Jerusalem Post äußert sich auch der stellvertretender Direktor des Simon-Wiesenthal-Centers, Rabbi Abraham Cooper, kritisch zu der Entscheidung im Stadtrat. Cooper bescheinigt den 23 Stadtratsmitgliedern, die für die Preisverleihung an Code Pink stimmten, eine extremistische Anti-Friedensgruppe auszuzeichnen. Cooper fordert von deutschen Spitzenpolitiker sich gegen das "beschämende Votum" des Stadtrates auszusprechen.

Journalist: Bayreuth eine Hochburg des Antisemitismus

Autor des Berichts der Jerusalem Post ist Benjamin Weinthal. Der Journalist berichtet seit Tagen über die Preisverleihung und hat mit seinen Berichten die Diskussion in Bayreuth ausgelöst, ob Code Pink trotz eines gültigen Stadtratsbeschlusses aus dem Jahr 2014 den Preis tatsächlich bekommen soll. Nachdem sich am Mittwochabend eine knappe Mehrheit im Stadtrat für die Preisverleihung aussprach, sagt Weinthal dem Kurier: "Bayreuth hat sich mit dieser Entscheidung zu einer Hochburg des modernen Antisemitismus gemacht." Code Pink unterstützt Boykottaufrufe gegen jüdische Firmen im Westjordanland. Deshalb sagt Weinthal: "Die 23 Stadträte, die für die Preisverleihung gestimmt haben, haben eine neue Auflage von ,Kauft nicht bei Juden' losgetreten." Sie hätten aus der Verfolgung und der Massenvernichtung während der NS-Zeit offenbar nichts gelernt. "Es ist erschreckend und beschämend, was diese Stadträte gemacht haben."

Friedenspreis-Sprecher: "Bayreuth hat die Richtigen ausgewählt"

Ralph Woelk, der dem Sprecherrat des Aachener Friedenspreises angehört, begrüßt die Entscheidung des Stadtrats. "Sie ist völlig berechtigt und die Auszeichnung für Code Pink völlig verdient." Code Pink hatte 2014 den Aachener Friedenspreis erhalten. Selten würden sich Friedensaktivisten so selbstlos und so schonungslos gegen sich selbst einsetzen, wie dies Vertreter von Code Pink täten, sagt Woelk. "Bayreuth hat die Richtigen ausgewählt." Von Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe, die nach den Recherchen und Berichten der Jerusalem Post schnell ein Aussetzen der Preisverleihung an Code Pink gefordert hatte, hätte Woelk ein besonneneres Vorgehen erwartet. "Ich kann das Erschrecken verstehen. Aber politische war das nicht sehr souverän." Die Reaktion des Stadtrates, der Merk-Erbe nicht gefolgt war und die Entscheidung auf den vergangenen Mittwoch vertagte, sei bedachter und souveräner gewesen.

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