„Engagiert und hungrig“ So soll das Team von Medi-Coach Masell aussehen

Schon zu Assistenztrainer-Zeiten in Bayreuth stand Lars Masell punktuell in der Verantwortung. Nun erfüllt sich für den 41-Jährigen der Traum, Cheftrainer einer Bundesliga-Mannschaft zu sein. Foto: Imago Images/Peter Kolb

Es hat ihm keiner gesagt, dass es leicht werden würde. Lars Masell hat das auch nicht erwartet. Der neue Trainer von Medi Bayreuth steht allerdings vor einer noch größeren Herausforderung als sein langjährig beim Bundesligisten Medi Bayreuth tätiger Vorgänger und Freund Raoul Korner. Denn die Mittel, die dem 41-jährigen Thüringer zur Verfügung stehen, um einen schlagkräftigen Kader zu formen, sind schon aufgrund des nicht gänzlich kompensierten Wegfalls von Hauptsponsor Medi bescheidener als in den Vorjahren. Entsprechend wandeln wird sich der Kader. Klangvolle Namen wird es kaum geben, dafür entwicklungsfähige, hungrige Neuzugänge.

Die Verantwortung, die er bei der Rekrutierung des Teams spüre, so sagt Masell im Interview mit unserer Zeitung, sei enorm. Aber noch größer ist der Elan, mit dem der ehemalige Assistent und jetzige Chef die Herkulesaufgabe nach seiner Rückkehr aus Ludwigsburg in Angriff nimmt.

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Herr Masell, Sie sind zurück nach zwölf Monaten in einem anderen Kulturkreis. Wie ist es, wieder in Bayreuth zu sein?

Zugegeben – ein bisschen komisch. Bislang war es immer so, dass jede neue Aufgabe für mich auch einen neuen Ort bedeutete. Das ist nun anders – neue Aufgabe, aber bekannter Ort.

Was sind die signifikanten Unterschiede zwischen den Standorten Ludwigsburg und Bayreuth?

Ganz sicher die Trainingssituation für den Nachwuchs. Du hast dort in der Akademie mehrere hauptamtliche Trainer und natürlich auch eine Halle, die dir permanent zur Verfügung steht. Ansonsten liegen die Unterschiede eher in der Dimension. Alles ist größer – vom Etat über den Officebereich bis hin zum Einzugsgebiet.

Zurück in Bayreuth, welchen Ort haben Sie hier nach ihrer Rückkehr als erstes besucht, Geschäftsstelle und Wohnung einmal ausgenommen?

Ehrlich gesagt habe ich nicht viel anderes machen können außer Büro und Trainingshalle, um mir die Jugendtrainings anzuschauen. Aber wenigstens einmal war ich Laufen am Röhrensee.

Fühlt sich Bayreuth für Sie an wie ein Stück Heimat?

Ich fühle mich hier einfach unglaublich wohl – und deshalb: Ja, auf jeden Fall.

Wie sieht ihr Tagesablauf aktuell aus?

Du wachst auf und checkst schon mal das Telefon, noch bevor du aufgestanden bist. Ganz viel passiert dann im Office. Da schaue ich mir Spiele und Zusammenschnitte an, rede mit Agenten, kommuniziere viel mit unserem Geschäftsführer und – nun ja – ich beschäftige mich sehr viel mit potenziellen Spielern. Die Kaderplanung ist in dieser Phase einfach das Nonplusultra.

Was macht das Rekrutieren so herausfordernd?

Vor allem das Budget und dieser Sommer voll mit Nationalmannschaftswettbewerben. Damit musst du klarkommen. Das Budget muss reichen für ein komplettes Team, also nicht nur für die Spieler, sondern auch für deine sonstigen Mitarbeiter. Du musst schon beim Rekrutieren eine Idee entwickeln und viele Dinge beachten. Wie ist der Charakter, wie passt der mit dem zusammen, wie passen die beiden mit dem anderen zusammen und so weiter. Passt auch der Assistenztrainer rein, passt der Physio rein. Das muss alles ein geschlossenes Gefüge werden. Du bist nur am Denken, am Sortieren und am Basteln. Und dann ist das Ganze auf der anderen Seite ja auch durch den Markt begrenzt. Gibt es den Spieler überhaupt, den du gerne hättest?

Als Assistent war die Last geringer, oder?

Kein Vergleich. Bei Raoul wurdest du mit einbezogen in den Entscheidungsprozess, hast deine Meinung kundgetan – und das war es. Jetzt bist du der maßgebende Entscheider und dafür verantwortlich, ob es funktioniert oder nicht. Ich habe immer versucht, mich da einzufühlen, aber es ist etwas ganz anderes, wenn man das jetzt hautnah miterlebt.

Was für eine Mannschaft wollen Sie haben?

Wir haben eine athletisch geprägte Liga – auf allen Positionen. Herausragende Spieler zuletzt waren aber immer die Point Guards. Du brauchst also auf dieser Position Spieler, die attackieren und auch verteidigen können. Wir werden aber insgesamt nicht nur athletischer sein und besser verteidigen müssen, sondern auch schneller spielen müssen als zuletzt.

Der neue Spielmacher Brandon Childress vereint diese Fähigkeiten?

Durchaus. Er ist ein ruhigerer Typ als Basti (Bastian Doreth, zweiter Spielmacher im Team; die Redaktion), aber er hat auch in Estland gezeigt, dass er eine Mannschaft führen kann. Als ich ihn in Griechenland gesehen habe, ist mir seine Verteidigung aufgefallen, in Estland hat mir seine Offense gefallen. Jetzt hoffen wir, dass wir hier beides zusammen bekommen. Er ist zweifelsohne eine Schlüsselpersonalie.

Ein Blick auf die Verbliebenen. Mit Bastian Doreth, Kay Bruhnke und Moritz Sanders sind noch drei Akteure aus dem alten Kader unter Vertrag. Gibt es sonst noch Spieler, die sie gerne halten würden?

Das ist finanziell nicht darstellbar. Wir müssen uns damit anfreunden, dass Bayreuth – vor allem wenn wir nicht international spielen – ein Sprungbrett bleiben wird. Wir haben schon versucht, den einen oder anderen zu halten, es war aber schnell klar, dass es nicht realistisch ist.

Und dabei war die Leistung der alten Mannschaft bei all dem Verletzungs- und Corona-Pech ja im Paket eher überschaubar.

Überschaubar ist aber auch unser finanzieller Rahmen.

Heißt also, es ist noch mehr Kreativität gefragt?

Klar, wir müssen auf junge Spieler setzen, auf Spieler, die andere nicht auf dem Radar haben. Basti wird die Säule sein, Kay wird noch viel wichtiger werden als in der zurückliegenden Saison. Für ihn wird das eine richtig große Aufgabe. Auch ein Spieler wie Osaro Rich wird bei uns eine wesentlich tragendere Rolle spielen als zuletzt in Hamburg. Die Jungs werden Druck bekommen, an dem sie wachsen müssen. Gleichzeitig werden wir auch als Organisation wachsen müssen.

Bedeutet zusammengefasst: Der Klassenerhalt wird das Maß der Dinge sein, oder darf man schon auch von mehr träumen?

Das Benennen des Saisonziels überlasse ich unserer Führung. Grundsätzlich ist die Liga aber so ausgeglichen, dass jeder jeden schlagen kann. Ich will ein Team auf dem Platz haben, das Basketball mit großer Leidenschaft spielt und an dem sich die Stadt erfreuen kann. Wie auch immer die Ergebnisse aussehen werden – die Leute, die in die Halle gekommen sind, müssen nach Hause gehen und sagen, diese Mannschaft hat sich den Arsch aufgerissen. Das war geil.

DIESES ODER JENES?

Fichtelgebirge oder Fränkische?

Fränkische Schweiz.

Altstadt oder Tigers?

Altstadt war ich schon, würde sehr gerne mal ein Eishockey-Spiel anschauen.

Festspielhaus oder Seebühne auf dem LGS-Gelände?

Kann mich für beides begeistern.

Schäufele oder Bratwürste?

Bratwürste, aber Thüringer.

Röhrensee oder Eremitage?

Röhrensee, ganz klar.

Mit dem Fahrrad in die Halle oder zu Fuß?

Zu Fuß.

Liebesbier oder Manns?

Da kann ich mich schwer entscheiden, finde beides super.

VERVOLLSTÄNDIGEN SIE!

Die Bayreuther Fans sind …

… extrem laut und sehr herzlich.

Die Oberfrankenhalle ist alt, …

… verkörpert aber auch große Tradition und Leidenschaft.

Wenn ich mal den Kopf frei

bekommen möchte, gehe ich …

... Golfen am Rodersberg.

Drei gute Songs in meiner

Playlist sind…

...von Motörhead „The Game“, von Rage Against the Machine „Renegades of Funk“ und von Moses Pelham „Der Mond hört mir zu“.

Diesen Film muss man gesehen haben:

„Patterson“ von Jim Jarmusch ist klasse.

Bei diesem Sportereignis

wäre ich gerne dabei gewesen:

Alle meine Wünsche dahingehend sind durch die Top-Four-Teilnahme in der Champions League mit Ludwigsburg erfüllt worden. Eine Wahnsinnserfahrung.

Wenn ich Gästen Bayreuth zeige, dürfen diese drei Plätze nicht

fehlen:

Oberfrankenhalle beim Medi-Heimspiel, Innenstadt mit den Restaurants und unbedingt auch die Fränkische Schweiz.

Wenn ich zu einem Einzelsport gezwungen werden würde, wäre das …

… irgendwas aus dem Kampfsportbereich.

Betreuer Eddy Hübner

ist für mich …

… ein Ruhepol. Wenn ich den Eddy sehe, geht es mir gut.

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