HPZ-Schüler beim Staatsempfang Hohe Auszeichnung für Florian Röhrle

Zum ersten Mal in seiner Geschichte wurde ein Schüler des Heilpädagogischen Zentrums (HPZ) Bayreuth zum Staatsempfang nach München eingeladen.

Florian Röhrle ist mächtig stolz: Der 20-Jährige ist der erste Schüler des Heilpädagogischen Zentrums (HPZ), der am Ende des Schuljahrs zum Staatsempfang des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder geladen war. Ein tolles Erlebnis, erzählt er dem Kurier. Nicht nur der Geschenke – eine Urkunde, ein Büchergutschein und ein „dicker Wälzer“ über den Freistaat Bayern wurden ihm überreicht – wegen. Er ist auch eine knappe Woche später noch begeistert von der ungezwungenen Atmosphäre in der Allerheiligen-Hofkirche der Münchner Residenz.

Besondere Verdienste

Schülerinnen und Schüler aus den sieben bayerischen Regierungsbezirken, die mit hervorragenden Ergebnissen ihre Schulen beendet haben. Aber auch junge Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren bei der Feuerwehr, beim Schützenverein oder anderen Organisationen: Sie alle wurden vom bayerischen Ministerpräsidenten für ihre besonderen Verdienste ausgezeichnet. Darunter auch Florian Röhrle. Sein Verdienst: Er übte über viele Jahre das Amt des Klassen- und des Schülersprechers an der Kurt-Blaser-Schule aus. Und gehörte dem Bezi-Rat an, der Vertretung der Schülersprecher aller oberfränkischer Förderschulen. Dieses vierköpfige Gremien war es denn auch, das Florian für die Auszeichnung in München vorgeschlagen hat.

Teil und Gestalter des Schullebens

Sieben Jahre Klassensprecher, Schulsprecher der Heilpädagogischen Zentrums und Mitglied des Bezi-Rates. Langweilig war Florian in seiner Schulzeit nie. Er engagierte sich bei der Vorbereitung der Schul- und Abschlussfeste, hielt Reden vor der Schulfamilie, spielte als Bassist mit der Schulband krachige Tanzmusik. Er durchstreifte als Nikolaus verkleidet das Schulhaus und überbrachte Geschenke. Die Themen für die Dekoration des HPZ-Faschingswagens beim Bayreuther Faschingsumzug sind meist nach seinem Vorschlag ausgewählt worden. Und Corona-bedingt informierte er seine Mitschüler auch schon mal per Durchsagen über interessante Neuigkeiten oder hielt eine Andacht. Kurzum: Florian war nicht nur ein wichtiger Teil des Schullebens am HPZ, sondern gestaltete dieses auch kräftig mit.

Traumberuf Hausmeister

Der 20-Jährige, der die ersten Schuljahre an der Schule in Weidenberg verbrachte, bevor er auf die Kurt-Blaser-Schule wechselte, beendete in diesem Jahr seine schulische Karriere. Die vergangenen Jahre hat er die Berufsschulstufe (Klassen 10 bis 12) absolviert, in der die Schülerinnen und Schüler auf das Leben als Erwachsene vorbereitet werden, sagt Thomas Mielke, Florians Pflegevater. Noch vor dem Schuljahresende hat er sein Zimmer im HPZ-Wohnheim geräumt und ist umgezogen in eine Erwachsenenwohngruppe des Vereins Hilfe für das behinderte Kind im Stadtteil Altstadt. Im Herbst wird er im Lebenswerk eine Tätigkeit aufnehmen. Dann hat er erst mal vier Wochen Zeit, in die verschiedenen Angebote hineinzuschnuppern. Noch ist er unschlüssig, welche berufliche Richtung er einschlagen werde. Entscheiden werde er sich zwischen Metallwerk, Beschichtung und Lager. Vielleicht kann er auch einen der Plätze im Außenpraktikum erlangen, in einer Schreinerei arbeiten beispielsweise. Vielleicht geht dann auch irgendwann sein großer, beruflicher Traum in Erfüllung: Als Hausmeister am HPZ zu arbeiten. Noch schöner wäre es jedoch, wenn er als Feuerwehrmann oder bei der Bundespolizei genommen würde. Dass dies nur ein Wunschdenken bleiben wird, ist Florian bewusst. Er weiß, dass sein Zeugnis nicht ausreichend ist für eine entsprechende Ausbildung.

Urlaub mit dem Pflegevater

Über seine berufliche Zukunft wird sich Floria zumindest in den nächsten Tagen keine Gedanken machen. Dann stehen erst mal Spaß und Spiel im Vordergrund. Als Geschenk für seinen Schulabschluss darf er sich auf eine Urlaubsreise freuen. „Es sollte ein Ziel sein, wo die Familie noch nicht war“, sagt Pflegevater Thomas Mielke. Und es sollte warm sein und am Meer liegen. Übermorgen geht es los: Mielke und Pflegesohn Florian fliegen nach Kreta. Und dann, sagt Florian, werde er schnorcheln. Vielleicht sogar tauchen.

Vielleicht werden sie in einer geruhsamen Stunde am Strand wieder an den Staatsempfang denken und an die Situation, als lautes Gelächter durch die Halle schallte. Als Kultusminister Piazolo sich im Gendern übte, so Mielke und die „lieben ukrainischen Kinderinnen und Kinder“ begrüßte. Der Versprecher werde beiden noch lange im Gedächtnis bleiben.

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