Ende einer Tennis-Ehe Krawietz bilanziert „vier mega Jahre“

Michael Döhler

Tennis-Profi Kevin Krawietz erläutert in einer Pressekonferenz die Gründe für seine Trennung von Andreas Mies. Der Witzmannsberger will nun mit Tim Pütz als neuem Partner Major-Turniere gewinnen.

Das Geheimnis ist gelüftet: Vor dem ersten Match bei den Tel Aviv Open Ende September hat Kevin Krawietz seinem Doppel-Partner Andreas Mies schonend beizubringen versucht, dass er sich von ihm trennen werde. „Es war eine sehr schwere Entscheidung, die nicht spontan kam, aber da konnte ich sie nicht mehr länger mit mir herumtragen und es wäre auch gegenüber Andi nicht fair gewesen“, machte der 30-jährige Tennis-Profi aus Ahorn-Witzmannsberg (Landkreis Coburg) bei der für Dienstag kurzfristig angesetzten Pressekonferenz des Bayerischen Tennis-Verbands in seiner Wahl-Heimat München via Zoom aus seinem Herzen keine Mördergrube. Bereits Mitte September, kurz nach der Qualifikation für den Davis Cup, bei der er und Tim Pütz als deutsches Doppel in diesem Mannschaftswettbewerb die Fans begeisterten, hätten jene beiden vereinbart, künftig auch gemeinsam auf die ATP-Welttour zu gehen.

Enttäuschung bei Mies

Der 32-jährige Kölner Mies hat unterdessen bereits bekanntgegeben, dass er im nächsten Jahr mit dem Australier John Peers starten wird. „Er war nicht sauer, aber seine Enttäuschung war groß. Es war tatsächlich so wie Schlussmachen nach einer lange glücklichen Beziehung. Ich glaube, er hatte es schon geahnt, aber nicht gedacht, dass es schon soweit ist. Wir hatten vier mega Jahre mit den zwei French-Open-Titeln als Höhepunkte und die Bilder werden für immer im Gedächtnis bleiben. Wir sind absolut im Guten auseinander gegangen“, ist sich der Oberfranke sicher, dass ihre enge Freundschaft weiter bestehen wird.

Nur schwer den Rhythmus wiedergefunden

Dass es in diesem Jahr nicht mehr gereicht hat, am Saisonende zu den besten acht Doppeln der Welt zu zählen und damit bei den ATP Finals in Turin um den inoffiziellen Weltmeister-Titel mitkämpfen zu dürfen, habe keine Rolle bei der Trennung gespielt. Nach der langen Verletzungspause des Kölners im Jahr 2021 und dem Intermezzo des Witzmannsbergers mit dem rumänischen Routinier Horia Tecau hatte das deutsche Vorzeige-Doppel nur schleppend in die Saison 2022 gefunden. „Es ist uns beiden schwer gefallen, wieder in den Rhythmus zu kommen. Es gab Aufs und Abs, aber es war trotzdem kein Katastrophen-Jahr. Und bei unseren Siegen in Barcelona und bei den BMW Open in München haben wir wieder den Kampfgeist gezeigt, der uns immer ausgezeichnet hat. Aber zuletzt hatte ich das Gefühl, dass vielleicht ein neuer Impuls und etwas mehr Konstanz gut wären.“

Wechsel zu Pütz lag auf der Hand

Der Wechsel zu Tim Pütz lag auf der Hand, die beiden sind im Davis Cup bislang unbesiegt. Mit der etwas anderen Spielweise des Frankfurters glaubt Krawietz ebenfalls gut zurechtzukommen: „Andi zeigt vorne am Netz mit die besten Reaktionen in der Welt, er hat mir viel gegeben, wenn er vorne abgeräumt hat. Pützi geht nicht so aktiv nach vorne, retourniert aber vielleicht konstanter, spielt die Cross-Rallyes eher von hinten, variiert viel mit dem Aufschlag und ist immer ein unangenehmer Gegner.“

Am 24. November gegen Kanada

Ihre gemeinsame Qualität erneut beweisen wollen die beiden bereits beim bevorstehenden Davis-Cup-Finale im spanischen Málaga, wo die DTB-Auswahl im Viertelfinale am 24. November auf Kanada trifft. „Ich freue mich extrem auf den Davis Cup, das ist für mich das Highlight des Jahres. Wir haben einen coolen Teamgeist, es macht Riesenspaß und wir haben schon gezeigt, dass wir bestehen können. Wir sind zwar gegen Kanada einen Ticken Außenseiter, aber warum sollte es nicht klappen?“ Zumal Papa Rudolf, Mama Ingrid, Schwester Melanie und einige Kumpels als Fan-Unterstützung nach Andalusien mitreisen werden.

Trainer Wolff ist optimistisch

Auch Trainer Lukas Wolff zeigte sich in der Pressekonferenz vom Erfolg seines Schützlings Kevin Krawietz nun zusammen mit Pütz, der bislang an der Seite des Neuseeländers Michael Venus Siege feiern durfte und im August bis auf Rang 7 der Doppel-Weltrangliste vorgerückt war, vollauf überzeugt. „Die beiden sind wahnsinnig gute Tennisspieler, gute Arbeiter, cool in engen Situationen und taktisch sehr flexibel. Ihr Anspruch muss sein, ganz nach oben zu kommen“, traut der Coach an der Tennis-Base Oberhaching ihnen große Erfolge bei den Major-Turnieren zu. Er selbst und Pütz-Coach Dominik Meffert werden sich die Aufgaben teilen und das Duo abwechselnd auf der Tour begleiten.

Dass ihn frischer Wind weiter beflügeln wird, dessen ist sich Krawietz sicher: „Das Leben auf der ATP-Tour ist natürlich etwas ganz anderes als der Davis Cup. Wenn sich nicht herausstellt, dass wir uns nach zwei Monaten auf den Sack gehen, was ich aber nicht glaube, können wir eines der besten Teams werden. Ich traue uns zu, dass wir Grand Slams gewinnen können.“

Geburtstermin Ende Januar

Zum mentalen Wohlbefinden soll im neuen Jahr weiteres Familienglück beitragen. Ehefrau Judit und er fiebern der Geburt des ersten Sprosses entgegen, Ende Januar soll der Junge auf die Welt kommen. Die Spekulation, dass er Rudi junior heißen könnte, retourniert der werdende Vater mit dem gewohnt verschmitzten Lachen: „Wir würden es natürlich auch nicht verraten. Aber wir haben echt noch keinen Namen.“

 

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