Emtmannsberger Bank Wo ist das Geld?

Foto: Stefan Schreibelmayer

EMTMANNSBERG. Noch sind die Ermittler im Fall des betrügerischen Bankvorstandes Stefan L. (51) auf der Suche nach den verschwundenen Millionen. Im Visier ist auch ein möglicher Komplize L.s. Feststeht, dass die kleine Raiffeisenbank Emtmannsberg fusionieren wird. Das ist eine Folge der Betrügereien.

L. hat 18 Jahre lang, seit 2001, seine eigene Bank beklaut. Am Geldautomaten hat er sich Bargeld geholt, mit gefälschten Buchungen gearbeitet, sich bankeigene Versicherungen auszahlen lassen oder zu hoch bewertet. Dadurch fehlt der Bank in der Bilanz ein Betrag von mehr als drei Millionen Euro.

„Das muss L. sich auch zuschreiben lassen“

Wäre sie ein Unternehmen, sie wäre bankrott – und die Bankenaufsicht Bafin hätte sie längst geschlossen. Allerdings springt bei den Raiffeisen-Banken ihre eigene Sicherungseinrichtung ein. Dies sei schon geschehen, bestätigt Markus Weber, Vorstand und Sanierer der Bank. Die Garantie-Erklärung der Sicherungseinrichtung sei eingereicht.

Allerdings müsse Weber erst „auf Heller und Pfennig den Schaden feststellen“, bevor das Geld überwiesen wird. Die Bank müsse dies später wieder zurückzahlen. „Das gilt nur als Darlehen.“. Dies alles sei ein rein innergenossenschaftlicher Vorgang. Es brauche keine Genehmigung der Bundesbank oder der Bafin. Jede VR-Bank hat entsprechend ihrer Bilanz-Summe wie in eine Versicherung eingezahlt. Das deutsche Sicherungssystem ist in der EU umstritten. Es werde jetzt wieder Diskussionen geben, dass in Deutschland überhaupt so kleine Banken existieren. „Das muss L. sich auch zuschreiben lassen“, so Weber. L. habe mit vielen kleinen Banken Kontakt gehabt und sich als deren Retter dargestellt. Auch dass die kleine Bank im nächsten Jahr fusionieren werde, bestätigt Weber. Im Oktober gebe es Mitgliederversammlungen. Mit welchem Institut, stehe noch nicht fest. Nur, dass es ein größeres sein solle.

Stefan L. richtet sich in einem Brief an die Angestellten

L. hat inzwischen einen Brief an seine Ex-Kollegen geschrieben, der dem Kurier vorliegt. Darin „bedauert er zutiefst, wie sehr“ er das Vertrauen der Vorstände, Aufsichtsräte, deren Familien seiner „beiden Familien“ missbraucht habe. Was L. mit dem Geld angefangen hat, ist nach Informationen des Kuriers noch Gegenstand der Ermittlungen. Am Verfahren Beteiligte gehen davon aus, dass L.s Behauptung, er habe es bei Aktienzockereien verloren, „vorgeschoben“ sei. Solche Summen seien nicht mehr so leicht zu verzocken, sagt ein Insider, dafür sei das Sicherungssystem bei Banken viel zu hoch. Auch Vorstand Weber sucht nach den verschwundenen Millionen. „Mein Job ist, das Geld zurückzubekommen.“

Staatsanwaltschaft Hof ermittelt

Die Ermittler haben einen Mann im Visier, den 45-jährigen Geschäftsmann Tim D., bei dessen Unternehmen L. Gesellschafter war. Gegen ihn wird wegen Verdacht auf Geldwäsche in sieben Fällen ermittelt. Dies bestätigt Andreas Cantzler, der sich als Oberstaatsanwalt in Hof mit Wirtschaft-Kriminalität beschäftigt. Der Geschäftsmann soll nach Informationen des Kuriers, salopp gesagt, hintenrum über seine Konten größere Summen von und für L. hin- und hergeschoben haben. Es handelt sich in mindestens einem Fall um einen Millionen-Betrag. Bei dem Geschäftsmann gab es eine Hausdurchsuchung, als der Betrug aufgeflogen war, außerdem war ein Haftbefehl auf ihn ausgestellt, der allerdings wieder außer Vollzug gesetzt wurde, wie Cantzler bestätigt. Nach Recherchen des Kuriers bestreitet der Mann, das Geld verschoben zu haben oder auch Botengänge mit Geld für L. gemacht zu haben. Auch dies bestätigt Oberstaatsanwalt Cantzler, der „keine Ermittlungen gegen weitere Mitarbeiter der Bank“ oder Familienangehörige von L. führt.

Whistleblower deckt Betrug auf

Während der ehrenamtliche Vorstandsvorsitzende der geschädigten Bank, Emtmannsbergs Bürgermeister Thomas Kreil, keine Anzeichen für kriminelle Handlungen gesehen haben will, erhebt ein ehemaliger Mitarbeiter schwere Vorwürfe. Stefan Joachim (26) hat L.s Betrug aufgedeckt und sagt, es habe einige Anzeichen gegeben, die Mitarbeiter hätten sehen müssen. Joachim erstattete eine Anzeige bei der Bankenaufsicht Bafin, die im August 2018 eine unangekündigte Kassenprüfung nach sich zog. Erst nach der zweiten Prüfung flog L. auf. Bis dahin waren die Summen, um die er die Bank erleichterte, immer größer geworden. Bis er im Februar diesen Jahres mit fast einer Million im Kofferraum von der Bundesbank-Filiale in Nürnberg nach Emtmannsberg fuhr.

 

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