Wenn Sie in regelmäßigen Abständen „Aha!“ oder „Ach!“ sagen, dann dürften die überhaupt nicht mitbekommen, dass Sie a) anwesend sind oder sich b) weder für Trapeze, falsche Neuner noch für hohes Pressing interessieren.
Falls Sie auf Krawall gebürstet sind und alte Traditionen wie die Fuchsjagd weit mehr schätzen als modernen Fußball, einfach mal zwanglos in die Runde werfen: „Mei, da rennen 22 Leute einem Ball hinterher, warum geben die nicht einfach jedem einen Ball und fertig?!“
Im Falle einer Konfrontation, lassen Sie sich bitte die aktuellen Regularien für Handspiel erklären. Selbst Schiedsrichter sind bei dieser Aufgabe am Limit.
Fluchen
Klar, heutzutage darf man gar nix mehr sagen. Immer super, wenn es jemand dann auch tatsächlich macht. Die Zeiten haben sich schließlich in vielerlei Hinsicht geändert, und einiges ist tatsächlich nicht mehr sagbar. „Junge! Der Béla Réthy labert aber wieder einen Blödsinn zusammen“ zum Beispiel.
Das konnte man jahrelang sagen und irgendwie stimmte es auch oft. Die Sache ist die: der legendäre TV-Kommentator ist mittlerweile in Rente. Romantiker stellen sich derweil vor, wie auch Réthy gerade irgendwo einen Fernseher anbrüllt, weil die Kommentatoren Quatsch reden.
Einen Klassiker können Sie heuer vermutlich zum letzten Mal sagen: „Hoffentlich bringt Pepe seinen Gegenspieler nicht um!“ – der knuffige portugiesische Abwehrspieler ist mittlerweile 41 Jahre alt und noch immer die beste Werbung dafür, eine solide Krankenversicherung abzuschließen. Pepe ist vermutlich ein letztes Mal Teil des portugiesischen Kaders. Ah, Cristiano Ronaldo wahrscheinlich auch.
Expertise
Wenn Sie beim Fußballgucken durch geistreiche Einwürfe glänzen wollen, werfen Sie einfach mal folgenden Satz ins Spiel: „In den USA versteht man unter Public Viewing die öffentliche Aufbahrung eines Leichnams.“ Oder wie sehr Sie es nach all den Jahren bedauern, dass „Fußball ist wie Schach, nur ohne Würfel“ gar kein Zitat von Lukas Podolski ist. Jan Böhmermann hat ihm das in den Mund gelegt.
Auch gut: „In England hätte das kein Schiedsrichter gepfiffen“, „Wenn die hier noch was mitnehmen wollen, müssen sie später aber die Eckfahnen klauen!“ oder „Hahaha – Florian Wirtz war mal beim 1. FC Köln!“
Variabel bleiben
Eventuell kommen während des Spiels spontan Fragen auf: „Was macht der Schlotterbeck eigentlich beruflich?“, „Warum hat der Nagelsmann den Guirassy nicht mitgenommen?“ oder „Bei welchem Verein spielt eigentlich Cristiano Ronaldo?“. Damit nicht alle zeitgleich am Smartphone rumwursteln, bietet es sich an, eine Person vorab als Second-Screen-Content-Management-Experten einzusetzen. Im Idealfall: Die Person, die schon wieder Lemongrass-Bällchen als Snacks mitgebracht hat.
Durchdrehen
Wir alle kennen diese Leute, die beim Fußballgucken nur vorbeischauen, weil alle anderen auch da sind und denen das Spiel sehr egal ist. Manchmal beneiden wir sie auch darum. Für hitzköpfige Fans gilt: Ja, Bierdusche ist super. Fragen Sie aber bitte Ihren Gastgeber, ob irgendetwas zum Thema in der Hausordnung festgehalten ist.
Verzichten Sie bitte auch auf das Abbrennen von Bengalos oder Feuerwerksraketen in fremden Wohnzimmern. Sonst wird Sie der Kommentator im Fernsehen „sogenannte Fans“ nennen. Und das will niemand.
Ah, Autocorso bitte nur mit dem eigenen Auto, und bitte nicht vergessen: „Siege, aber triumphiere nicht“. Das hat die Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach gesagt. Keine Ahnung, ob Sie sich für Fußball interessiert hat. Ist lange her.