Ekkehard Wlaschiha wird 80

Ekkehard Wlaschiha vor seiner Wohnung in Laineck. Foto: Andreas Harbach

Er war gewissermaßen der „Alberich vom Dienst“. Wurde in den 80er und 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts an einem großen Opernhaus ein „Ring“ geplant, so war es sehr wahrscheinlich, dass bald das Telefon von Ekkehard Wlaschiha klingelte mit der Anfrage, ob er noch frei sei. So kam es dazu, dass Wlaschiha, der im Bayreuther Stadtteil Laineck wohnt und an diesem Montag seinen 80. Geburtstag feiert, mit allen großen Wagner-Sängern seiner Zeit auf der Bühne stand.

Dabei begann alles mit einer Demütigung. Ursprünglich wollte der aus Sachsen stammende Sänger in Dresden studieren. Doch das Vorsingen war bereits nach fünf Minuten beendet. Verbunden mit dem Ratschlag, sich doch besser einen anderen Beruf zu suchen, wurde ihm mitgeteilt, dass er in seiner Stimme einen Fehler habe, der selbst in einem zehnjährigen Studium nicht auszumerzen sei.

Das hat gesessen. Doch Wlaschiha war sich sicher: „Ich gehe von meinem Berufswunsch nicht ab.“ Gemäß der Devise „Denen zeig’ ich’s“ sang er an der Musikhochschule in Weimar vor und wurde aufgenommen. Heute kann Wlaschiha sagen, dass er der Einzige der damaligen Weimarer Studenten war, der eine internationale Karriere gemacht hat.

Bis in die 90er Jahre Gast an der „Met“ in New York

Diese begann im Jahr 1961 am Theater in Gera, wo er in zahlreichen Rollen in Oper, Operette, Musical und im Schauspiel erste Erfahrungen sammeln konnte. Nach einer Zwischenstation bei Harry Kupfer in Weimar, wechselte er 1970 nach Leipzig und 1982 dann an die Deutsche Staatsoper Berlin, von wo seine internationale Karriere ihren Lauf nahm. 1986 sang er unter der musikalischen Leitung von Daniel Barenboim erstmals den Kurwenal in Bayreuth. Es folgten Telramund, Biterolf und über viele Jahre hinweg Alberich, den er in Bayreuth letztmals 1998 unter James Levine sang. Zu den Höhepunkten seiner Karriere zählt die Wiedereröffnung der Semperoper in Dresden, wo er den Kaspar im „Freischütz“ sang. Bis in die 90er Jahre war er ständiger Gast an der „Met“ in New York.

Wie sich seine Baritonstimme charakterisieren lässt? Rückblickend sagt Wlaschiha: „Meine Stimme hatte immer einen gewissen Biss, ein gewisses Metall.“ Ob es das war, was der damalige Leiter der Aufnahmeprüfung in Dresden bereits aus der jungen Stimme herausgehört hat? Über eine rein lyrische Stimme jedenfalls hat Wlaschiha nie verfügt. Geschadet hat es ihm nicht. In einem CD-Einführungstext heißt es über Wlaschiha: „Auf der Bühne faszinierte er sowohl durch die immense Durchschlagskraft und Intensität seiner Stimme, der eine breite Skala von Ausdrucksmöglichkeiten zu Gebote steht, als auch als ein Darsteller, der die Viel- und Doppelschichtigkeit seiner Figuren ausdeutet. Selbst Alberich und Telramund sind bei ihm keine Bühnenbösewichte, sondern Menschen mit tiefen inneren Konflikten.“

Mit 65 Abschied von der Opernbühne

Im Alter von 65 Jahren stand Wlaschiha das letzte Mal auf einer großen Opernbühne – als Don Pizarro im „Fidelio“ in Dresden. Dass Wlaschihas Stimme immer noch ganz ordentlich sitzt, kann man heute wohl nur noch dann hören, wenn er sein Hündchen namens Luna zur Raison ruft, worauf die Hundedame sogleich gehorcht.

Obwohl er in Bayreuth wohnt, schaut er sich nicht mehr regelmäßig die Aufführungen im Festspielhaus an. Die letzte Aufführung, die er zusammen mit seinem ebenfalls in Bayreuth wohnenden Festspielsängerkollegen Hans Sotin besucht hat, war das „Rheingold“ in der Inszenierung von Frank Castorf – was freilich überhaupt nicht nach dem Geschmack der beiden altgedienten Wagnerrecken war.

Seinen 80. Geburtstag wird Wlaschiha unter anderen zusammen mit Hans Sotin feiern. Man wird gewiss in Erinnerungen schwelgen.

 

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