Eine Straße nach Eckersdorf und Mistelbach

Von Thorsten Gütling

Die Eckersdorfer SPD kämpft weiter für eine Umgehungsstraße. Anders als Bürgermeisterin Sybille Pichl (FW) behauptet, gebe es durchaus Befürworter des Projekts in der Gemeinde. Und anders als ursprünglich geplant, soll die Straße nun im Süden des Orts entstehen. In der Nachbargemeinde Mistelbach stößt das auf wenig Gegenliebe.

Die SPD bleibt dabei: Eckersdorf soll eine Ortsumgehung bekommen. aber nicht im Norden, wie bisher geplant. Sondern im Süden, gemeinsam mit der Nachbargemeinde Mistelbach. Foto: Ronald Wittek Foto: red

Pichl hatte sich in einem Schreiben an das Bundesverkehrsministerium dafür ausgesprochen, dass eine Umgehungsstraße im Norden der Gemeinde vorerst nicht geplant wird. Im jüngsten Entwurf des Bundesverkehrswegeplans genießt das Projekt unterdessen noch höchste Priorität. Weil die Bundesstraße 22, die durch die Gemeinde verläuft, das Mittelzentrum Hollfeld und das Oberzentrum Bayreuth miteinander verbindet. Und für eine solche Verbindungsstraße gibt es Regeln, wie die Regierung von Oberfranken auf Nachfrage mitteilt. Um einen zügigen Verkehrsfluss zu gewährleisten, sollen sie frei sein von Grundstückszufahrten.

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Pichl: "Der hätte sich doch geäußert"

Pichl aber verweist auf einen Gemeinderatsbeschluss. Erst im April hatte sich das Gremium mit 15 zu fünf Stimmen gegen einen zeitnahen Bau ausgesprochen. Dagegen stimmte die Fraktion der CSU, die das Projekt nicht nur vorerst, sondern endgültig verhindern wollte. In Pichls Schreiben heißt es zudem: "Wenn jemand die Belastung als nicht hinnehmbar empfinden würde, hätte er sich doch geäußert." Seitens der Bürger habe es demnach seit Jahrzehnten keinerlei Beschwerden über den Verkehr gegeben.

Schmidt: "Ich fordere mehr Objektivität"

Reinhardt Schmidt, der Fraktionsvorsitzende der SPD im Eckersdorfer Gemeinderat, sagt, dass das nicht stimmt. Er verweist auf den Schriftverkehr, den sich Anwohner der Bundesstraße mit dem Rathaus in den vergangenen Wochen geliefert haben. Aus den Schreiben, die dem Kurier vorliegen, geht hervor, dass sich in diesem Jahr tatsächlich bereits sieben Eckersdorfer im Rathaus für den Bau einer Ortsumgehung ausgesprochen haben. Allerdings: Nur einer tat das vor Pichls Schreiben an das Ministerium: Wolfgang Schmidt. Er sagt: Dass seit langem keine Beschwerden mehr zu hören waren, habe seinen Grund. Nachdem es von 1995 bis 2002 einen regen Schriftverkehr zwischen den Befürwortern einer Umgehung und der Gemeinde gegeben habe, habe der Gemeinderat einen einstimmigen Beschluss für den Bau einer Ortsumgehung gefasst. Wolfgang Schmidt sagt: "Die Anwohner haben sich auf diese Aussagen verlassen."

Eckersdorfer SPD will gemeinsam mit Mistelbach planen

Allerdings gibt auch die Eckersdorfer SPD zu: Eine Umgehungsstraße im Norden der Gemeinde sei schwer umsetzbar. Dazu müsste an sensiblen Stellen, wie dem Teufelsgraben, in die Natur eingegriffen werden. Zudem würde die Straße am Donndorfer Neubaugebiet vorbeiführen und den gerade erst fertiggestellten Radweg am Matzenberg obsolet machen. Und zu guter Letzt würde eine nördliche Umgehung kaum für Entlastung im Ort sorgen. Weil sie erst bei Oberwaiz wieder auf die B22 träfe und damit für Verkehrsteilnehmer aus Richtung Plankenfels und Mistelgau einen Umweg bedeuten würde. Die Eckersdorfer SPD hat daher einen anderen Vorschlag: Eine südliche Umgehung soll geprüft werden - gemeinsam mit der Nachbargemeinde Mistelbach. Das Ziel der SPD: Den Verkehr aus dem westlichen Landkreis mit möglichst wenig Geld- und Flächenverbrauch zu bündeln.

Matthias Mann: "Ich plane meine Straße und sonst gar nichts"

Auch in Mistelbach wird seit Jahren über den Bau einer Umgehungsstraße gestritten - mittlerweile vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof. Mistelbachs Bürgermeister Matthias Mann (SPD), der die Umgehung will, rechnet mit einer Entscheidung frühestens Ende des Jahres. Mann sagt aber auch: Eine gemeinsame Umgehungsstraße sei mit ihm nicht zu machen. "Ich brauche den Eckersdorfer Verkehr nicht auch noch." Zudem handle es sich bei der Mistelbacher Ortsdurchfahrt um eine Staatsstraße. Eine Umgehung müsste die Gemeinde also größtenteils selbst bezahlen. Im Eckersdorfer Fall wäre der Bund zuständig. Mann sagt daher: "Wir werden den Eckersdorfer Verkehr nicht mitfinanzieren."