Bayreuth - Der 51-Jährige hatte bei der Kontrolle knapp acht Gramm Crystal-Speed in der Unterhose. Das war der Moment, in dem die Kripo ihn ins Visier nahm. Bald musste er ein zweites Mal die Hosen runterlassen – im übertragenen Sinn: Er gestand acht Rauschgiftgeschäfte über eine Menge von fast einem halben Kilo Metamphetamin.

Zwischen Januar 2019 und April 2020 bezog der 51-Jährige von verschiedenen Lieferanten das Rauschgift. Es waren Bekannte aus der Rauschgiftszene, die ihn versorgten, denen er aber auch im Gegenzug Drogen verkaufte. Von einem älteren Bekannten, einem Kneipenwirt, bekam er den Kontakt zu einer Quelle aus Regensburg: Die Frau, die dem 51-Jährigen im Jahr 2020 fast 300 Gramm Crystal in mehreren Tranchen besorgt hatte, bezog ihr Crystal Meth aus einer Quelle, die sich von den in der Region Bayreuth üblichen unterschied: Das Meth, das der 51-Jährige aus Regensburg erhielt, hatte über 80 Prozent Wirkstoffgehalt, die die üblichen maximal 60 Prozent toppte, wie sein Verteidiger Jochen Kaller mit Staunen feststellte.

In seinem Prozess vor der Strafkammer des Landgerichts legte der Angeklagte ein Geständnis ab. Am 29. März 2020 hatte die Kripo bei einer Razzia in seiner Wohnung fast 120 Gramm Crystal gefunden. 80 Gramm davon stammten aus der letzten Lieferung aus Regensburg. Der Angeklagte erklärte, eigentlich habe er noch genug Rauschgift auf Lager gehabt, die Regensburger Lieferantin sei jedoch „unangemeldet“ aufgetaucht und er habe dem Ankauf zugestimmt – ein Grund könnte gewesen sein: Die Regensburger Spitzenqualität ließ sich in der Bayreuther Szene gut verkaufen.

Nach der Razzia in seiner Wohnung zog der 51-Jährige den Kronzeugen-Trumpf: Er berichtete der Kripo von den Regensburger Lieferungen seit Januar, vorwiegend zu Treffs in Bayreuth. Er belastete sich damit selbst, nannte aber auch den Namen der Lieferantin. Die Folge: Die Frau wurde in Regensburg verhaftet – sie soll laut dem Verteidiger in Besitz von 120 Gramm Crystal Meth und 10.000 Euro Bargeld gewesen sein.

Im Prozess erklärte der 51-Jährige, warum er auspackte: „Ich bin gesundheitlich angeschlagen, ich wollte mich aus der Szene raus schießen, irgendwann will ich weg aus der Region, weg von den alten Kreisen. Ich will einen Schlussstrich.“

Gut die Hälfte des Rauschgifts hatte der Angeklagte selbst konsumiert, den Rest zur Finanzierung seiner Sucht weiterverkauft. Nun hofft er, dass er als Süchtiger zum einen eine gerichtlich angeordnete Drogentherapie machen kann und dieser Freiheitsentzug für ihn als Kronzeugen nicht zu lange ausfällt. Ein Problem dabei gibt es aber: Die ebenfalls süchtige Lebensgefährtin des Mannes. „Sie schaffen es nur gemeinsam“, meinte der Gerichtsvorsitzende Bernhard Heim. Vorauf der Angeklagte erwiderte: „Wir wollen heiraten. Wenn es nicht funktioniert, sind wir schnell wieder geschieden.“

Der Prozess wird fortgesetzt.