„Es klingt surreal. Ich kann heute noch nicht glauben, dass Krieg ist“, sagt sie, und schüttelt mit dem Kopf. Dann kommen ihr die Tränen, denn ihr Vater gilt als verschollen. „Mein Vater hat sich damals freiwillig gemeldet, weil er die Ukraine verteidigen wollte. Er war früher schon beim Militär. Ich habe das letzte Mal vor mehr als einem Jahr mit ihm gesprochen. Später habe ich erfahren, dass er schwer verletzt worden ist. Mehr weiß ich nicht.“ Sie freut sich, dass es nicht nur ihre Mutter, sondern auch ihr Mann Kostiantyn nach Kulmbach geschafft hat. „Er durfte ausreisen, er ist schon seit August hier bei mir. Alleine war es für mich hier schwierig“, erzählt die Journalistin. Sie weiß, dass dieses Glück nicht viele haben und sorgt sich, wie andere Leute darauf reagieren. „Es ist eine Tragödie, wenn Familien auseinandergerissen werden“, meint sie. Umso mehr erinnert sich die 34-Jährige an die Reaktion ihres viereinhalbjährigen Sohns Myron, als er seinen Vater wiedersah. „Er sagte, Papa ist mein Lieblingsmensch. Heute will ich nur bei meinem Vater sein“, erzählt die blonde Frau. Kostiantyn Mykhailova war in der Ukraine als Regisseur tätig. Bei dem Imagefilm für die Stadt Kulmbach hat er beim Schnitt geholfen. Derzeit macht er seinen ersten Sprachkurs. Seine Frau Olexandra war seit ihrer Flucht nicht mehr in der Heimat. „Unsere Wohnung hat keine Fenster mehr. Es gibt kein Warmwasser, nur gelegentlich Strom. Die Infrastruktur ist zerstört und es ist einfach zu gefährlich.“ Derzeit wünscht sie sich nur eines: „Wir hoffen auf das Ende des Krieges, damit wir wieder nach Hause können.“