Ein Jahr mit Corona Mit eiserner Disziplin ins Leben zurück

Auch ein Jahr nach der Erkrankung mit Covid-19 muss Thomas Mielke noch immer in einer ambulanten Reha-Maßnahme trainieren. Foto: red

Vor einem Jahr erkrankt Thomas Mielke lebensbedrohlich an Covid-19. Vier Wochen künstliches Koma, sieben Monate stationäre Behandlung. Der 58-Jährige leidet noch immer an den Spätfolgen.

Bayreuth/Bindlach - Zu seiner Arbeitsstelle bei der Sparkasse fährt er mit dem Bus, kürzere Wegstrecken absolviert er ohne Gehhilfe: Ein Jahr nach seiner schweren Covid-19-Erkrankung kämpft sich Thomas Mielke noch immer und mit eiserner Disziplin ins Leben zurück. Insgesamt betrachtet, sagt der 58-Jährige, sei er wieder guter Dinge.

Lebensbedrohlich

Was sich im März 2020 wie ein grippaler Infekt oder eine aufziehende Bronchitis anfühlte, entpuppte sich als lebensbedrohliche Erkrankung. Nur dem schnellen Handeln seiner Frau war es zu verdanken, dass Thomas Mielke noch rechtzeitig medizinische Hilfe im Bayreuther Klinikum erhielt. Erinnerungen an die ersten Wochen seines Behandlung auf der Intensivstation hat er nicht – die Ärzte versetzten ihn sofort nach seiner Einlieferung ins künstliche Koma. Leber und Nieren versagen, ein Lungenflügel klappt zusammen, er wird künstlich beatmet, über eine Sonde ernährt. Vier Wochen lang liegt der dreifache Familienvater im künstlichen Koma. Die Kleidung, die Mielke bei seiner Einlieferung trug, mussten ihm vom Körper geschnitten werden. Sieben Wochen verbringt er auf der Intensivstation, danach wird er in eine Klinik in Donaustauf verlegt. Nach insgesamt sieben Monaten wird Mielke aus der stationären Behandlung entlassen, seit dem kämpft er sich körperlich in einer Reha-Maßnahme in sein Leben zurück.

Schnell erschöpft

Die körperliche Belastung sei noch stark eingeschränkt, sagt Mielke. Er absolviert ein berufliches Wiedereingliederungsprogramm, arbeitet an zwei Tage die Woche je fünf Stunden. Nachwirkungen wie Geschmacks- oder Riechverlust habe er nicht. Aber er stoße schnell an seine körperlichen Grenzen. „Ich fühle mich schnell erschöpft“, sagt Mielke. Bis zu seiner Erkrankung sei er ein durchschnittlich sportlicher Mann gewesen Jetzt muss er für längere Fußwege den Rollator oder die Unterarmstütze verwenden. „Es sind die Nerven in den den Beinen, die den Dienst versagen“, sagt er. Seine Therapie: laufen. Jede kurze Strecke, die Treppe ins nächste Stockwerk absolviert er zu Fuß, ohne Gehhilfe. „Ich muss immer in Bewegung bleiben“, lautet sein Motto.

Tapetenwechsel

Er sorgt sich viel mehr um seine jugendlichen Kinder als um sich selbst. Die vollständige Abschottung über sieben Monate hinweg habe ihm zugesetzt, aber für seine Kinder sei es nicht weniger belastend, dass sich ihr Leben nur noch zu Hause abspielt. Sie können keinen Sport treiben, keine Freunde treffen. Und dann platzt auch noch der Traum vom Tapetenwechsel. „Warum können wir nicht ans Meer fahren oder in die Berge und einige Zeit in einer Ferienwohnung verbringen“, fragt Mielke. Sie wollen weder Partys auf Mallorca feiern noch sich unter Gruppen mischen. Einfach nur einen Tapetenwechsel. Mielke hadert mit den unterschiedlichen Bekämpfungsstrategien der Bundesländer. Ob ein bundesweiter harter Lockdown das richtige Mittel ist, um die steigende Corona-Inzidenz in den Griff zu bekommen? Er weiß es nicht. Aber er wünscht sich, dass alle Länder bei der Corona-Bekämpfung einheitlich vorgehen, an einem Strang ziehen. Der Föderalismus sei eine gute Sache. Aber dass – als Beispiel – Schulen im Landkreis geschlossen und in der Stadt geöffnet sind, lasse die Zweifel vieler Menschen wachsen. Klar sei aber auch, betont Mielke: „Öffnen um jeden Preis ist nicht die Lösung.“

Gerade jetzt, zu Ostern, schöpfe er viel Kraft. Die Passionszeit, die Kreuzigung, die Wiederauferstehung Jesu: „Wer Ostern kennt, kann nicht verzweifeln.“ Dieser Spruch von Dietrich Bonhoeffer trage ihn, gebe ihm Hoffnung. Mielke: „Daran kann ich mich festhalten.“

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