Ein «Genie» Die Frau hinter Verstappens Triumphen in der Formel 1

Von Jens Marx,
Mehr als nur die Freundin von Verstappen: Hannah Schmitz. Als Praktikantin in gestartet, ist die zweifache Mutter nun Chef-Strategin bei RB. Foto: Remko de Waal/ANP/dpa

Ein «vielleicht» gibt es bei ihr nicht. Hannah Schmitz trifft Entscheidungen, wichtige Entscheidungen. Es geht um Siege und am Ende um den Titel. Neulich wurde sie in Sozialen Netzwerken angefeindet.

Milton Keynes - Max Verstappen kann die kurze rennfreie Auszeit entspannt mit Freundin Kelly Piquet genießen. Schon bei der nächsten Dienstreise steht er vor der möglichen zweiten Krönung zum Formel-1-Weltmeister, unter Umständen ist es schon in Singapur am 2. Oktober und damit zwei Tage nach seinem 25. Geburtstag soweit.

Zweifel am erneuten Triumph des Niederländers gibt es nicht mehr. Er fährt zu gut für Konkurrenz, das Auto von Red Bull ist zu gut für die Konkurrenz - und dann gibt es da noch sie.

Ihr Name: Hannah Schmitz. Jobbezeichnung: leitende Strategieingenieurin. Prädikat: besonders wertvoll. Verstappen sagte einmal über Hannah Schmitz, als die Britin in höchsten Stressmomenten "wahnsinnig ruhig" geblieben war: "Sie ist sehr gut." Die "Gazzetta dello Sport" pries sie bereits als "Genie".

"F1 Strategin, Elternteil von 2, liebe, was ich tue", stellt sich Hannah Schmitz selbst bei Instagram unter anderem vor. Etwas mehr als 33.000 Follower hat sie. Nach der Sommerpause wollte sie als Social-Media-Neuling eigentlich ein bisschen mehr posten. Vier Beiträge sind es insgesamt erst seit dem ersten im November 2019, als sie mit Sieger Verstappen in São Paulo aufs Podest durfte.

Es hatte einen Grund: Schmitz, die zur Beruhigung immer die Handflächen flach nach innen auflegt, hatte mit einer mutig-aggressiven Strategie den Weg zu Verstappens Sieg geebnet. Und so macht sie es auch in diesem Jahr auf dem Weg zu dessen zweitem WM-Titel. Schmitz' Rolle am Kommandostand sei "der Dreh- und Angelpunkt", betonte Teamchef Christian Horner einmal.

Als Praktikantin gestartet, ist sie heute Chef-Strategin

Schmitz ist Cambridge-Absolventin, sie ist Mutter von zwei Kindern, gibt ansonsten aber wenig Privates von sich preis. Sie sagt von sich, dass sie alles plane. Wenn es auf Reisen geht mit der Familie, werden die Sachen auch am Tag vorher schon gepackt.

Ihre Reise in die Formel 1 begann 2009. Schmitz startete als Praktikantin bei Red Bull Racing. Sie arbeitete danach im Strategie-Team des Rennstalls bereits mit, als Sebastian Vettel dort noch erfolgreich war. Seit rund anderthalb Jahren ist Schmitz die Chef-Strategin.

"Strategie, Mut zum Risiko, Geistesblitze, das perfekte Gespür für Daten und die nötige Ruhe, um glasklare Entscheidungen in der Hektik eines chaotischen Rennens zu treffen", benötige es in der Formel 1, schrieb in diesem Jahr die österreichische "Kleine Zeitung" aus der Heimat von Red Bull und betonte: "Kaum eine Person verbindet diese Eigenschaften derzeit so wie Hannah Schmitz." Sie sei "glasklar" in Entscheidungen, das Wort "vielleicht" gebe es bei ihr nicht, sagte Red Bulls Motorsportchef Helmut Marko.

Trotz gewonnenem Rennen: Anfeindungen in Sozialen Netzwerken

Schmitz, die von einem großen Team unterstützt wird - während der Rennen hören zum Beispiel Studentinnen und Studenten den kompletten Funkverkehr zur weiteren Auswertung ab - hat sich in einer noch immer männlich geprägten PS-Welt durchgesetzt. "Als Strategin musst du unzähligen Leuten sagen, was sie zu tun haben - und sie müssen dir zuhören, also kommt es darauf an, Vertrauen aufzubauen, und ich denke, dass das als Frau sehr viel schwieriger ist", erklärt sie mal auf der Homepage des Rennstalls. Diesen Respekt habe sie sich mittlerweile erarbeitet.

Respekt, der aber manchmal auch verloren geht. Erfolg bringt das schnell mit sich. So wie unlängst beim Heimerfolg Verstappens in den Niederlanden. Dass ein Rennauto des Red-Bull-Schwesterteams Alpha Tauri liegengeblieben war und für eine Safety-Car-Phase gesorgt hatte, befeuerte die Verschwörungsfantasien mancher Formel-1-Fans. In Sozialen Netzwerken wurde Schmitz teilweise übel beleidigt. Ein solches hasserfülltes Verhalten sei nicht zu tolerieren, reagierte Alpha Tauri und wies Vorwürfe einer Zusammmenarbeit zurück.

Schmitz hatte nach den Anfeindungen auch beim Rennen danach in Italien wieder die ideale Strategie aus Milliarden von Datenpunkten gefunden, auch in Monza gewann der im Klassement aktuell mit 116 Punkten führende Verstappen. Mit den "kalkulierten Entscheidungen" von Schmitz und ihrem Team habe Red Bull alle Informationen zur Hand, um Rennen zu gewinnen, heißt es in einem Beitrag auf der Rennstall-Homepage. Da kann der alte und womöglich schon bald auch neue Weltmeister ein paar Tage ohne Rennstrecke noch entspannter genießen.

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